Pandemie

Rassismus gegen Asiaten: Corona verstärkt den Hass

| Lesedauer: 7 Minuten
Amelie Marie Weber
Proteste gegen anti-asiatischen Rassismus in den USA

Proteste gegen anti-asiatischen Rassismus in den USA

Tausende Menschen sind in den USA gegen anti-asiatischen Rassismus auf die Straße gegangen. Protestmärsche gab es unter anderem in New York und Washington sowie in Atlanta, wo ein Mann am Dienstag bei Angriffen auf Massagesalons acht Menschen erschossen hatte, darunter sechs Frauen asiatischer Herkunft.

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Das Coronavirus führt weltweit zu Rassismus und Gewalt gegen asiatischstämmige Menschen. Jetzt äußern sich prominente Betroffene.

Berlin. Die Corona-Pandemie hat wohl das Leben aller Menschen verändert. Doch neben Schulausfall, Ausgangssperren und Perspektivlosigkeit muss sich Son mit einem schlimmeren Problem auseinandersetzen: Der 18-Jährige fürchtet um seine Sicherheit und um die seiner Familie. Denn seit mehr als einem Jahr sieht sich der junge Mann aus Hamburg, dessen Eltern aus Vietnam kommen, zunehmend Hass und Rassismus ausgesetzt.

"Plötzlich wurde ich in der Bahn misstrauisch angeschaut", erinnert sich Son an den Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020. "Ich habe die feindseligen Blicke gespürt." Weil das Virus offiziell in China entstanden war, schienen Menschen mit asiatisch anmutenden Gesichtszügen vielen nicht mehr geheuer zu sein.

Auf der Social Media-Plattform TikTok zählt Son mehr als 2,6 Millionen Follower. Auch im Netz prasselt Hass auf ihn ein. "Du bist der Grund, warum wir Corona haben. Du hast eine Fledermaus gefressen und jetzt sitzen wir alle zu Hause", kommentierte ein Nutzer in einem Livestream. Mehrmals rufen Menschen im Internet dazu auf, Son zu erstechen, wenn man ihm auf der Straße begegnet. "Ich frage mich, ob ich noch sicher bin, wenn ich rausgehe", sagt Son.

Corona: Anti-asiatischer Rassismus in Deutschland nimmt zu

Das Coronavirus hat den anti-asiatischen Rassismus in Deutschland nachweislich verstärkt. Entsprechende Meldungen waren schon zu Beginn des Jahres 2020 bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes eingegangen. In den letzten Monaten haben rassistisch motivierte Übergriffe nochmals zugenommen.

Unter Hashtags wie #StopAsianHate oder #IchBinKeinVirus wollen Betroffene und Verbündete informieren und aufklären. Doch während #BlackLivesMatter im vergangenen Jahr eine massive Bewegung hervorrief, scheint anti-asiatischer Rassismus für viele kein allzu großes Thema zu sein. Immer wieder verschärfen reißerische Artikel und öffentliche Aussagen die Vorurteile zusätzlich.

Erst kürzlich verglich Moderator Matthias Matuschik im Radiosender Bayern 3 die asiatische Boygroup BTS mit dem Coronavirus – "irgendein Scheißvirus, wogegen es hoffentlich bald ebenfalls eine Impfung gibt." Die Fans der Band warfen Matuschik schlimmsten Rassismus vor, der Moderator entschuldigte sich halbherzig.

Amoklauf in Atlanta verunsichert asiatisch-stämmige Menschen

Die aktuellen Entwicklungen verunsichern Son. Der 18-jährige TikTok-Star ist dankbar für die Unterstützung, die er von Fans und Freunden erfährt. "Ich weiß nicht, in was für einem Loch ich sonst stecken würde", sagt er nachdenklich.

Im März sieht er in den Nachrichten Bilder vom Amoklauf in der amerikanischen Stadt Atlanta, bei dem acht Menschen – davon sechs Frauen asiatischer Abstammung – getötet wurden. "Ich hoffe, dass so etwas in Deutschland nicht geschieht – aber wissen kann man es nicht."

Der mörderische Amoklauf in drei Massagesalons führte zu zahlreichen Demonstrationen gegen Übergriffe auf die asiatischstämmige Bevölkerung in den USA. Der 21-jährige Täter, der kurz nach der Tat festgenommen wurde, behauptet zwar, dass seine Handlungen nicht rassistisch motiviert waren, sondern mit seiner Sexsucht zusammenhingen. Dennoch verängstigte die Tat Asiatinnen und Asiaten auf der ganzen Welt.

Biden ruft zum Kampf gegen Rassismus in den USA auf

Noch eine Woche vor dem Angriff hatte US-Präsident Joe Biden in einer Fernsehansprache ein sofortiges Ende der Hassverbrechen gegen die asiatische Community in den USA gefordert.

Seit dem Ausbruch der Corona-Krise beklagt die Initiative Stop AAPI Hate einen "alarmierenden" Anstieg von Vorfällen. Demnach waren zwischen März 2020 und Februar 2021 knapp 3800 Vorfälle gemeldet worden, bei denen asiatischstämmige Menschen – vor allem Frauen – in den USA Opfer von Belästigung oder Angriffen geworden waren. Die Dunkelziffer dürfte weitaus größer sein.

"Im Moment gibt es in der asiatisch-amerikanischen Gemeinschaft eine Menge Angst und Schmerz, die angesprochen werden müssen", so die Intiative. Ex-Präsident Donald Trump wird vorgeworfen, die Situation durch seine Wortwahl in Bezug auf die Corona-Pandemie verschärft zu haben, indem er immer wieder vom "China Virus" sprach.

Promis kämpfen gegen anti-asiatischen Rassismus

Zahlreiche Hollywoodstars und andere Personen der Öffentlichkeit machen sich im Netz für die asiatische Community stark. Die erfolgreiche südkoreanische Boygroup BTS postete kürzlich: "Was gerade geschieht, ist nicht von unserer Identität als Asiaten zu trennen."

Die Band berichtet bei Twitter auch von ihren eigenen Rassismuserfahrungen: "Wir erinnern uns an Momente, in denen wir als Asiaten diskriminiert wurden. Wir haben Schimpfwörter ohne Grund ertragen und wurden für unser Aussehen verspottet."

Der ehemalige "Grey‘s Anatomy“-Star Sandra Oh sprach sich ebenfalls für mehr Unterstützung asiatischstämmiger Menschen aus. Die 49-jährige Schauspielerin appellierte bei einem Anti-Rassismus-Protest: "Ich fordere jeden hier dazu auf, zu helfen, wenn ihr etwas seht." Sie selbst sei stolz, Asiatin zu sein.

TikTok-Star: "Das ist kein Spaß mehr, das ist Rassismus"

"Ich bin es ehrlich so leid, dass Menschen nicht verstehen, wo diese Taten von Hass und Gewalt gegenüber asiatischstämmigen Menschen herkommen", sagt die koreanisch-amerikanische Schauspielerin Ashley Park ("Emily in Paris“) in einem Video auf Instagram. "Dieser Rassismus beginnt auf einem sehr niedrigen Level. Er beginnt mit Dingen, die du sagst. Er beginnt, wenn jemand einen Virus, der die ganze Welt stilllegt, als Kung-Fu-Virus bezeichnet."

Auch Son ist es ein Anliegen, auf den Rassismus aufmerksam zu machen, dem er und andere Menschen asiatischer Herkunft ausgesetzt sind. Dabei geht es nicht nur um Gewalttaten, sondern auch um verletzende Sprüche, die er sich regelmäßig anhören muss. In seinen Videos, die zum Teil von mehr als 2 Millionen Menschen gesehen werden, ruft er immer wieder zu mehr Toleranz und Nächstenliebe auf.

"Menschen fragen immer wieder, ob wir zuhause Hunde essen oder sie verziehen ihre Augen zu Schlitzen, sobald sie mich sehen“, berichtet der 18-Jährige." Aber das ist kein Spaß mehr, das ist Rassismus."

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