Evakuierung

Leck in Abwasserbecken: Florida droht Umweltkatastrophe

| Lesedauer: 4 Minuten
Florida droht Umweltkatastrophe wegen undichten Abwasserbeckens

Florida droht Umweltkatastrophe wegen undichten Abwasserbeckens

Wegen eines undichten Abwasserbeckens haben im US-Bundesstaat Florida die Nationalgarde und andere Einsatzkräfte daran gearbeitet, eine Umweltkatastrophe abzuwenden. Die Evakuierung von mehr als 300 Häusern in der Nähe des Abwasserbeckens einer stillgelegten Phosphatmine und Düngemittelfabrik wurde angeordnet.

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Ein Leck im Becken eines früheren Phosphat- und Düngemittelwerks alarmiert die Behörden. Eine Überschwemmung mit giftigem Wasser droht.

Manatee/Berlin. 
  • Wegen eines Lecks in einem Abwasserbecken droht dem US-Bundesstaat Florida eine verheerende Umweltkatastrophe
  • Das beschädigte Abwasserbecken fasst 1,29 Milliarden Liter Wasser, das mit Phosphor und Stickstoff aus einer stillgelegten Phosphatmine belastet ist
  • Bricht das Becken, droht eine rollende Wasserwand von sechs Metern höhe
  • Eine Überschwemmung hätte womöglich fatale Folgen für Lebewesen im Meer, für die Menschen in der Umgebung und für die Tourismusbranche

Mehr als 300 Häuser wurden über das Osterwochenende evakuiert: Wegen eines undichten Abwasserbeckens im Verwaltungsbezirk Manatee droht dem US-Bundesstaat Florida eine Umweltkatastrophe. In Piney Point mussten Einsatzkräfte täglich 125 Millionen Liter des verseuchten Abwassers aus dem Becken abpumpen, das zu einer stillgelegten Phosphatmine gehört, wie Floridas Gouverneur Ron DeSantis mitteilte.

Ein Leck ist in der Plastikverkleidung des Abwasserbeckens entstanden, das sich weiter vergrößert. Versuche, den Bruch abzudichten, waren bislang erfolglos. Die Einsatzkräfte versuchten, "eine echte katastrophale Hochwasserlage abzuwenden und wenn nötig darauf zu reagieren", sagte DeSantis bei einer Pressekonferenz. Er hatte sich zuvor auf einem Hubschrauberflug ein Bild von der Lage gemacht. Bereits vor dem Flug hatte DeSantis den Notstand für das Gebiet verhängt, um Krisenmittel freizugeben.

Die zwischenzeitliche Sorge, es könnte ein zweites Leck geben, stellte sich indes als unbegründet heraus. Laut Umweltministerium des US-Bundesstaats hätten Techniker die Situation geprüft und seien zu dem Schluss gekommen, dass es kein zweites Loch gebe.

Florida: Versuchtes Wasser könnte verheerende Folgen haben

Dennoch drohen Millionen von Litern verseuchten Wassers durch das Leck in nahegelegene Häuser und die Tampa Bay am Golf von Mexiko zu gelangen. Das Abwasser ist vor allem mit Phosphor und Stickstoff belastet. Umweltschützer warnten, das Eindringen des nährstoffreichen Wassers ins Meer könnte eine gefährliche Algenblüte zur Folge haben, die Fische und andere Meereslebewesen ersticken lasse. Auch Auswirkungen für den Tourismus wurden befürchtet.

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Bei einer Überschwemmung könnte das Abwasser zudem in Speicher laufen, in denen Phosphorgips, ein Abfallprodukt der Düngemittelproduktion, gelagert wird. Phosphorgips gilt wegen seines Gehalts an Radon-Isotopen als radioaktiv. Außerdem enthält es giftige Metalle wie Arsen, Blei und Quecksilber.

Abwasserbecken in Manatee: Häuser geräumt, Autobahn gesperrt

Sollte es einen kompletten Bruch des Beckens geben, könnten innerhalb weniger Minuten "mehr als 340 Millionen Gallonen" (rund 1,29 Milliarden Liter) Abwasser in die Umwelt gelangen, warnte der Verwaltungschef von Manatee County, Scott Hopes. In diesem Fall entstünde seinen Angaben zufolge eine rollende "Wasserwand" von sechs Metern Höhe.

In der nicht besonders dicht besiedelten Umgebung wurden bereits rund 300 Häuser geräumt und eine Autobahn teilweise gesperrt. Etwa 350 Häftlinge eines nahe gelegenen Gefängnisses seien in die oberen Stockwerke verlegt worden, berichteten örtliche Medien.

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Mine soll 50 Jahren für Gesundheits- und Umweltschäden gesorgt haben

DeSantis erklärte, HRK Holdings, die Betreibergesellschaft der stillgelegte Mine, müsse zur Verantwortung gezogen werden. Die entstandene Situation sei "nicht hinnehmbar, und es ist nichts, dessen Fortdauer wir zulassen", versicherte der Gouverneur. HRK äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu der Angelegenheit.

Floridas Verwaltungschefin für die Landwirtschaft, Nicole Fried, schrieb an DeSantis, die Mine rund 65 Kilometer der Großstadt Tampa habe bereits seit mehr als 50 Jahren diverse Umwelt- und Gesundheitsschäden verursacht. Auch habe es wiederholt Probleme mit der Plastikverkleidung des Abwasserbeckens gegeben.

Der örtliche Verwaltungschef Hopes sagte, die Behörden von Manatee County wollten nach Bewältigung der derzeitigen Notsituation eine "dauerhafte Lösung" für die Abwasserbecken der stillgelegten Mine finden. Dazu sollten alle Becken leergepumpt und anschließend wahrscheinlich versiegelt werden.

(afp/dpa/raer)

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