Ermittlungen

Senioren sollen in Bayerns Horror-Altenheim verhungert sein

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Jonas Erlenkämper
Die Seniorenresidenz Schliersee: Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt wegen Körperverletzungsdelikten bei 88 Bewohnern und prüft 17 Todesfälle.

Die Seniorenresidenz Schliersee: Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt wegen Körperverletzungsdelikten bei 88 Bewohnern und prüft 17 Todesfälle.

Foto: Peter Kneffel / dpa

In einem Altenheim am bayerischem Schliersee erlitten Bewohner offenbar furchtbare Qualen. Die Staatsanwaltschaft prüft 17 Todesfälle.

Schliersee/Miesbach. Vernachlässigt, unterernährt, dehydriert: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ein bayerisches Altenheim. Es geht um Körperverletzungsdelikte bei 88 Bewohnern. 17 Todesfälle werden überprüft – es besteht der Verdacht, dass Senioren verhungert sein könnten.

Die Vorwürfe richten sich gegen die Seniorenresidenz Schliersee, eine Einrichtung mit Alpenblick, fußläufig zum Ufer des südöstlich von München gelegenen Gewässers. „Wir ermitteln mit Nachdruck. Bislang haben wir an die 200 Zeugenbefragungen durchgeführt. Es gibt vier Beschuldigte, darunter die ehemalige Heimleiterin“, erklärte Karin Jung von der Staatsanwaltschaft München II gegenüber dieser Redaktion.

Die Ermittlungen begannen im Mai 2020, nachdem das Heim wegen eines Corona-Ausbruchs in den Fokus der Behörden rückte. Zeugen stießen auf fast verhungerte und verdurstete Bewohner, alkoholisiertes Personal, Schimmel und Schmutz, wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet. Angehörige von ehemaligen Bewohnern und Ex-Mitarbeiter schilderten dem BR, Senioren seien völlig verwahrlost gewesen.

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Gravierende Mängel waren den Behörden bekannt

Die Missstände sind den Behörden seit langem bekannt, wie diese Redaktion aus dem zuständigen Landratsamt Miesbach erfuhr. Angehörige und Pflegekräfte schlugen immer wieder Alarm. „Es existieren gravierende Mängel in dieser Pflegeeinrichtung und das nicht erst seit dem Corona-Ausbruch im April 2020 mit insgesamt fünf verstorbenen Bewohnern“, sagte eine Sprecherin.

Die Mängelliste ist lang: „Trinkprotokolle waren teilweise fehlerhaft, Personallisten unvollständig geführt, Rufglocken funktionieren teilweise nicht.“

Das Heim wurde trotzdem nicht geschlossen. Wären die betagten und pflegebedürftigen Damen und Herren kurzfristig in anderen bayerischen Heimen untergebracht worden, hätte „mindestens ein Drittel der Bewohner diese Abverlegung nicht überlebt“, rechtfertigt die Sprecherin das Vorgehen des Landratsamts. Stattdessen verfügte das Amt lediglich einen Aufnahmestopp.

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Die Seniorenresidenz Schliersee hat in der Region einen schlechten Ruf. Seit Jahren taucht es immer wieder als „Skandalheim“ in den örtlichen Medien auf, mehrmals wechselten die Betreiber. Im Mai 2019 übernahm der italienische Pflegeheimbetreiber Sereni Orizzonti das Haus.