Unwetter

Australien: Schlimmste Überschwemmungen seit Jahrzehnten

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Australiens Ostküste droht der Abbruch

Australiens Ostküste droht der Abbruch

Nach tagelangem Regen und hohen Wellen ist im Osten Australiens vielerorts die Küstenlinie abgebrochen. Zahlreiche Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

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Tagelanger Starkregen hat im Osten Australiens schlimmste Überschwemmungen verursacht. Die Behörden haben ganze Ortschaften evakuiert.

Berlin. Tagelang anhaltender Starkregen hat im Osten Australiens die schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten verursacht und die Evakuierung ganzer Ortschaften ausgelöst. Nachdem am Samstag der Warragamba-Damm übergelaufen war, der für die Trinkwasserversorgung von Sydney eine wichtige Rolle spielt, ordneten die örtlichen Behörden am Sonntag die Evakuierung von tief liegenden Gebieten im Nordwesten der Metropole an. Bereits in der Nacht ließen sie Menschen aus ihren Häusern in Sicherheit bringen.

Rekord-Niederschläge in Australien: Behörden sprechen von „Naturkatastrophe“

Die Meteorologiebehörde sprach von einer „potenziell lebensgefährlichen“ Lage in New South Wales, die Regierung des Bundesstaats stufte die Situation als „Naturkatastrophe“ ein. Zu erwarten seien Hochwasser, wie es sie seit 1961 nicht mehr gegeben habe. „Es handelt sich um eine der größten Überschwemmungen, die wir vermutlich für lange Zeit erleben werden“, sagte der Einsatzleiter der Meteorologiebehörde für Überschwemmungen, Justin Robinson.

„Leider erleben Teile der Küste im mittleren Norden eine Situation, wie es sie nur einmal in 100 Jahren gibt“, sagte die Regierungschefin des bevölkerungsreichsten australischen Bundesstaats, Gladys Berejiklian, auf einer Pressekonferenz.

TV-Bilder zeigen von Fluten mitgerissenes Haus

Für einen knapp 900 Kilometer langen Streifen entlang der Ostküste gab der Meteorologische Dienst wegen des anhaltenden Starkregens und stürmischer Winde eine Unwetterwarnung aus. Auch das Hinterland im Westen Sydneys war betroffen: Dort schwappten die Wassermassen über den Warragamba-Damms, der die Wasserversorgung Sydneys sichert. Angesichts der Überflutung des Damms warnten die Behörden vor einem Übertreten des Flusses Hawkesbury.

Australiens Premierminister Scott Morrison sprach von „absolut herzzerreißenden“ Bildern überfluteter Häuser und Gemeinden. Fernsehsender veröffentlichten Aufnahmen aus der Stadt Taree, auf denen ein Haus zu sehen war, das von einem Fluss mitgerissen wurde. Etwa 150 Menschen in der Stadt kamen in einem örtlichen Hörsaal unter, der zuvor als Notunterkunft für Betroffene von den verheerenden Waldbränden genutzt worden war.

Evakuierungszonen an der Ostküste Australiens

Die Behörden appellierten an die Menschen, sich an die „dutzenden“ amtlichen Warnungen zu halten, die für weite Teile der Ostküste, von Port Macquarie bis in Regionen 500 Kilometer südlich von Sydney, galten. Wer in einer der Evakuierungszonen lebe, müsse diese „sofort verlassen“, betonte der Vize-Chef der Katastrophenschutzbehörde von New South Wales, Dean Storey.

Möglicherweise würden in den kommenden Tagen noch rund 4000 weitere Menschen dazu aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen, erklärten die Behörden. Die Rettungsdienste meldeten seit Donnerstag mehr als 7000 Hilferufe und rückten zu etwa 650 Rettungsaktionen aus.

Noch keine Todesopfer gemeldet – Fluten verzögern Impfkampagne

Berichte über Todesopfer gab es trotz der dramatischen Lage zunächst nicht. Doch das könnte sich ändern, denn der Blick auf die Wetterprognosen verheißt wenig Gutes - im Gegenteil: Meteorologen fürchten, dass es auch in den kommenden Tagen weiter heftig regnen wird. Da über die Ufer getretene Flüsse auch nach dem Ende des Regens länger brauchen dürften, bis das Hochwasser abgeflossen ist, rechnet der staatliche Katastrophenschutz mit Einsätzen „bis weit nach Ostern“ – also mindestens bis Mitte April.

Laut ABC dürfte sich wegen der Überschwemmungen die erste große Phase der Corona-Impfkampagne im Großraum Sydney weiter verzögern. In Australien sollen die Impfungen gegen das Coronavirus eigentlich am Montag beginnen, nachdem es bei der Lieferung der Vakzine Probleme gegeben hatte. Lesen Sie auch:Darum ist Neuseeland Weltmeister in der Corona-Bekämpfung.

(mahe/dpa/afp)

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