Frauengold-Kolumne

Zum Valentinstag: Darum bringt uns Corona so viel Liebe

| Lesedauer: 5 Minuten
Birgitta Stauber
Valentinstag: Fünf Fakten für Verliebte

Valentinstag- Fünf Fakten für Verliebte

Am 14. Februar ist Valentinstag – der Feiertag für Verliebte und den Blumenhandel. Was es mit dem Tag auf sich hat und wie viel Euro die Deutschen für Geschenke ausgeben, zeigen wir im Video.

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Am Sonntag ist Valentinstag. Da darf es mitten in der Pandemie schmalzig werden. Unsere Kolumnistin jedenfalls fühlt sich voller Liebe.

Berlin. Das Leben ist pur geworden, so konzentriert. Das macht empfänglich für Kleinigkeiten, Nebensächlichkeiten. Die können ganz schnell zum großen Ding werden.

Zur Zeit ist es das Wetter. Der Himmel ist blau, der Schnee ist weiß, das Wasser so gefroren, dass es nur noch eine Frage von Tagen ist, bis ich meine Schlittschuhe raushole und unter freiem Himmel auf knirschendem Eis vor meinen großen Kindern angebe, wie gut ich das kann.

Ein gestresster Vater von drei Kindern erzählte mir, der Schnee sei der ganz große Segen für die Familie. Sie hätten alle fünf abends nach einem Rodeltag glücklich am Esstisch gesessen. Er selbst habe ein „irre tiefes“ Zusammengehörigkeitsgefühl gespürt, „irre viel Liebe“.

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Der Valentinstag zwingt uns normalerweise zu ungezügeltem Konsum

Dieser Sonntag ist der ganz große Tag der Liebe: Der Valentinstag zwingt normalerweise viele Menschen zum Liebesbeweis und damit zu einem ungezügelten Konsum- und Event-Taumel. Derartige Ablenkung geht in diesen Tagen ebenso unter wie der Karneval. Wir sind allein mit uns und unseren Beziehungen, in die idealerweise ein tiefes Friedensgefühl einzieht.

Tatsächlich kommen – ganz anders als erwartet – die meisten mit sich und der Partnerin/dem Partner in Corona-Zeiten besonders gut klar, besagt eine aktuelle Studie. Viele haben sogar besseren Sex, trotz Homeofficeim Schlabberlook. Nur zwölf Prozent empfinden die Beziehung als schlechter. Wahrscheinlich war dann schon vorher nichts mehr zu retten.

Ich habe noch keine Studie gefunden, die untersucht, wie sich Corona auf die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern auswirkt. Ich behaupte mal aufgrund meiner eigenen Erfahrungen: Die Chancen stehen gut, dass die Generationen besser miteinander klar kommen.

In Corona-Zeiten ist der Spaziergang mit der Mutter das Highlight des Tages

Auch hier ist es die Konzentration aufeinander. Wir sprechen mehr, intensiver, haben mehr Zeit füreinander. Wenn das Highlight des Tages der Spaziergang am Abend mit der Mutter ist und das Highlight der Woche das Essen mit Eltern und großen Geschwistern, dann wird klar: Das eigene Glück liegt in der Familie.

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Kommen wir zum Thema Freundschaft: Ich habe ein Geschenk von meiner lieben Freundin S. bekommen. Sie hat ein Video gedreht für uns, vom Haus, indem wir früher nur einen Steinwurf von ihr entfernt lebten. Vom Spielplatz im Schnee dahinter, wo unsere Töchter sich jeden Tag getroffen haben.

Wir sind nun schon seit Jahren keine Nachbarn mehr, aber das kann unsere Freundschaft nicht erschüttern, das war ihre Botschaft. Ich habe mich sehr darüber gefreut, auch wenn ich Heimweh bekam.

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Statt oberflächlichem Partykult tiefe Gespräche bis tief in die Nacht

Der Umgang mit Freunden hat seine Oberflächlichkeit verloren. Früher gingen wir gemeinsam auf Partys, trafen uns in der großen Runde, wir redeten erst ein wenig über die Kinder, dann ein wenig über die Jobs. Wie gehts? Alles super.

Kinder, die depressiv werden, Drogen nehmen, durchs Abi fallen? Ein Partner, der ständig fremd geht? Ein Job, der 1. schlecht bezahlt ist und 2. langweilig und 3. kurz vor dem Aufhebungsvertrag steht? Die eigenen großen Ängste? Kommen in der Party-Welt selten vor, und wenn, dann nur als Tratsch.

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Die Corona-Welt legt offen, wer uns liebt und wen wir lieben

In der Corona-Welt schon: Sie legt offen, auf wen wir uns verlassen können, wer zu uns hält in der Krise, kurz: Wer uns liebt und wen wir lieben.

Nichts fällt uns in den Schoß bei der Pflege der Beziehungen. Doch derzeit bleibt uns nichts anderes übrig, als uns anzustrengen, uns um das Wesentliche zu kümmern. Denn es gibt keine Flucht aus dem Alltag durch Urlaub, Shopping, Theater oder die große Partysause. Natürlich macht das unsere Partnerschaft,unsere Freundschaften, unser Familienleben besser.

Ich gebe zu: Das ist ganz schon schmalzig. Ganz schön idealisierend. Aber hey, das ist doch besser als jeder Valentinstag.

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