Winter

Eislaufen: Hunderte Menschen am Wochenende in Lebensgefahr

| Lesedauer: 5 Minuten
Philipp Luther
So verbringen Menschen in Europa das Winterwochenende

So verbringen Menschen in Europa das Winterwochenende

Minustemperaturen und Sonnenschein - so verbringen Menschen in Europa das Winterwochenende.

Beschreibung anzeigen

Bei traumhaftem Wetter wagten sich am Wochenende Menschen auf stellenweise zu dünnes Eis. Polizei und Feuerwehr waren im Einsatz.

Berlin. 
  • Eisige Temperaturen und schönes Wetter lockten am Wochenende in ganz Deutschland Menschen auf zugefrorene Gewässer
  • Die Eisläufer begaben sich dabei teilweise in Lebensgefahr
  • Das Eis war an vielen Orten nicht dick genug, damit Betreten gefahrlos möglich gewesen wäre. Mehrere Menschen brachen durch die Eisdecke
  • In Berlin setzte die Polizei einen Hubschrauber ein, um Sorglose vor den Gefahren zu warnen

Eiskalte Temperaturen und strahlender Sonnenschein haben am Wochenende viele Menschen vor die Tür gelockt. Mit dabei waren oft Schlittschuhe – nach einer Woche konstanter Minusgrade waren vielerorts Teiche, Seen, Kanäle oder Flüsse zugefroren.

Dabei begaben sich offenbar zahlreiche Menschen in Lebensgefahr. Denn das Eis war keineswegs immer so dick, dass Betreten gefahrlos möglich gewesen wäre. Mehrfach musste die Polizei den Winterspaß beenden – an einigen Stellen sogar mit schwerem Gerät.

Eislaufen: Polizei holte deutschlandweit Menschen von zu dünnem Eis

In Berlin etwa setzte die Polizei das Wochenende über Hubschrauber ein, um Menschen unter anderem vom zugefrorenen Müggelsee zu vertreiben. Das Eis war nicht dick genug, die Besatzung forderte die Wintersportler auf, sich zu entfernen. Am Schlachtensee war bereits am Freitag ein Vater mit seinem Kind ins Eis eingebrochen, beide mussten von der Wasserschutzpolizei gerettet werden.

Auch über dem Berliner Treptower Park an der Spree kreiste der Helikopter mehrfach, teilweise im Tiefflug. Menschen hatten einen Teich dort zur Sportfläche erklärt, freigegeben war die Eisdecke nicht. Einige Menschen wagten sich zudem auf die nur teilweise zugefrorene Spree hinaus.

Eislaufen: Wärmebildkamera zeigt, wie dünn das Eis ist

Welche Gefahr von solchen Ausflügen aufs Eis bisweilen ausgehen kann, versuchte die Polizei Berlin mit einer Aufnahme aus einer Wärmebildkamera zu verdeutlichen. Auf dem Bild zu erkennen waren neben dunklen, sprich kalten beziehungsweise dicken, auch einige helle, also warme und weniger dicke, Eisflächen.

Ebenfalls gut zu erkennen sind die hellen Umrisse von dutzenden Spaziergängern auf dem Eis, denen nicht klar ist, wo das Eis dick oder dünn ist. Ihren Tweet überschrieb die Polizei mit "Die Eisflächen sind nicht sicher".

Auch in anderen deutschen Städten schlugen Unvorsichtige am Wochenende die Warnungen der Behörden in den Wind. In Hamburg mussten immer wieder die Ordnungshüter Menschen von der Außenalster holen – einige hatten sich weit vom Ufer entfernt.

Ähnliches geschah in München, wo die Polizei mehrfach ausrückte, um Menschen von zu dünnem Eis zu holen. Und in Köln trainierte die Feuerwehr vorsorglich die Eisrettung unter realen Bedingungen.

Eisrettung: 16-Jähriger in Bergisch Gladbach im Krankenhaus

Auch in Nordrhein-Westfalen waren am Wochenende hunderte Menschen aufs Eis gegangen. Trotz der zahlreichen Warnungen waren der Aachener Weiher in Köln und der Aasee in Münster voller Menschen. Die Leute hätten die Verbotsschilder ignoriert, sagte ein Polizeisprecher.

Glück hatte ein 16-Jähriger in Berglisch Gladbach. Er hatte einen zugefrorenen See betreten und war eingebrochen. Einsatzkräfte konnten den unterkühlten und völlig durchnässten Jugendlichen mit einem Schlauchboot von einer bis zu 100 Meter entfernten Insel abholen. Er kam in ein Krankenhaus.

Baden im Eis zur Vergebung der Sünden
Baden im Eis zur Vergebung der Sünden

Schlittschuhlaufen: So dick muss das Eis sein

Der Fall zeigt, dass die Warnungen nicht aus reiner Willkür ausgesprochen werden. Auch bei scheinbar kompletter Eisdecke droht die Gefahr, dass Menschen einbrechen und ertrinken. Darauf weist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hin. Ein Einbruch ist extrem gefährlich, denn das kalte Wasser entzieht dem Körper schnell die Wärme. Unterkühlungen treten oft schon nach mehreren Minuten ein.

Wichtig daher: Erst ab einer Eisdicke von 15 Zentimetern das Eis betreten. Auf fließenden Gewässern lassen sich erst erst aber einer Dicke von 20 Zentimeter sorglos Runden drehen.

"Der Laie kann die Dicke nicht einschätzen", warnt Michael Neiße von der DLRG. "Es gibt örtliche Besonderheiten, wie Einleitungsbereiche und Strömungen, die nicht immer gleich zu erkennen sind. Dort ist das Eis wesentlich dünner und meist nicht tragfähig."

Schlittschuhlaufen: Wann Sie Eisflächen sofort verlassen müssen

Um sicher zu gehen, dass das Eis dick genug ist, sollten Sie bei Ihrer Gemeinde nachfragen. Die gibt Eisflächen frei. Betreten Sie nur freigegeben Eisflächen. Das BBK empfiehlt zudem, auf Warnschilder zu achten.

Ganz wichtig ist auch: Niemals allein aufs Eis gehen. So kann im Notfall eine zweite Person Hilfe rufen, sollten Sie einbrechen.

Knistert und knackt das Eis unter Ihren Füßen, sollten Sie es zu Ihrer Sicherheit sofort verlassen. Wenn Sie einzubrechen drohen, legen Sie sich flach aufs Eis und bewegen sich vorsichtig auf dem gleichen Weg zurück in Richtung Ufer. Bemerken Sie, dass eine andere Person eingebrochen ist, alarmieren Sie die Feuerwehr unter der Notrufnummer 112. (pcl/ mit dpa)

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos