Pandemie

Corona-Experten schlagen Alarm: "Europa muss jetzt handeln"

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Die Infektionszahlen sinken. Doch führende Experten fordern europaweite Maßnahmen statt Lockerungen. Der Grund: die Corona-Mutationen.

Berlin. Kurz vor dem Corona-Gipfel am Mittwoch werden die Rufe nach Lockerungen immer lauter. Doch Experten warnen: "Europa muss jetzt handeln." Statt nationaler Alleingänge fordern sie einen gemeinsamen Aktionsplan. Die Wissenschaftler prognostizieren sonst ein dramatisches Szenario. Grund dafür sind die Virus-Mutationen.

In einem Statement, das in der britischen Medizin-Zeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde, schreibt die internationale Expertengruppe von Medizinern bis Volkswirtschaftlern: "Die derzeitigen Maßnahmen reduzieren die Virusausbreitung nicht ausreichend, und neue SARS-CoV-2-Varianten entstehen."

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Experten prognostizieren neue Corona-Welle durch Mutationen

Die Befürchtung der Wissenschaftler: Weil Daten daraufhindeuten, dass die Mutation aus Großbritannien ansteckender ist, würden viele Länder, die es geschafft haben, die Zahlen zu reduzieren, mit einer neuen Welle der Virusausbreitung konfrontiert sein - und das trotz der aktuellen Maßnahmen.

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Dahinter steckt folgende Rechnung: Die effektive Reproduktionszahl, also wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt, wird bei der britischen B.1.1.7-Variante von 1 auf etwa 1,4 erhöht. Ohne eine Verhaltensveränderung in der Bevölkerung würde das eine wöchentliche Verdoppelung der täglichen Neuinfektionen bedeuten.

Die möglichen Folgen laut der Experten:

  • Weitere SARS-CoV-2-Varianten werden entstehen
  • Darunter könnten Varianten sein, "die ansteckender als die heutigen sind", und die die Wirksamkeit von Impfstoffen beeinträchtigen könnten
  • Diese Mutationen könnten die Krise schnell verschlimmern, lange bevor genug Menschen geimpft sind
  • Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, werden die Fallzahlen und Krankenhauseinweisungen steigen
  • Das könnte zum Zusammenbruch des Gesundheitssystems führen

Virologin fordert Corona-Inzidenzwert von 10

Die Wissenschaftler fordern deshalb europaweit koordinierte Entscheidungen und sofortige Maßnahmen, um die neuen Varianten einzudämmen.

Das sei wegen der engen grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Verflechtung in Europa auch aus ökonomischer Sicht erforderlich, so Andreas Peichl vom Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung, der an dem Papier beteiligt war.

Die ebenfalls beteiligte Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung nannte einen Sieben-Tage-Inzidenzwert von zehn Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner als "gute Zahl". Der Wert lag laut RKI am Montagmorgen in Deutschland bei 76. Die Bundesregierung orientiert sich aktuell an einem Wert von unter 50 für mögliche Lockerungen.

Die Experten schlagen in ihrem Aktionsplan unter anderem folgende Maßnahmen vor:

  • Erreichen und Beibehalten niedriger Fallzahlen, z.B. durch "stabile soziale Blasen" statt wechselnde Kontakte
  • Ausbreitung des Virus und der einzelnen Varianten überwachen, auch durch kostenlose Tests an Arbeitsplätzen
  • Virus an den Grenzen stoppen und gefährdete Gruppen schützen. Dazu soll es auch einen europäischen Austausch über erfolgreiche Strategien geben
  • Wirksamkeit und Tempo des Impfgeschehens erhöhen, aber auch Infektionen unter Geimpften überwachen

(dpa/afp/fmg)