Pandemie

Teenager erwacht aus Koma - und weiß nichts von Corona

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Er behandelte Corona-Patient 0: Münchner Arzt berichtet

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Clemens Wendtner hat als Arzt im Klinikum Schwabing vor etwas mehr als einem Jahr den ersten Corona-Patienten in Deutschland behandelt. Heute müssen hier noch immer rund hundert Corona-Infizierte behandelt werden.

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Vor zehn Monaten fiel ein junger Engländer ins Koma. Jetzt ist er wach und weiß nichts von Corona - obwohl er schon infiziert war.

Stoke-On-Trent. Aus dem Koma aufzuwachen, ist nicht nur medizinisch eine heikle Angelegenheit. Je nach Länge des Zustands hat man eine ganze Menge verpasst. Das gilt insbesondere für den englischen Teenager Joseph Flavill aus Tutbury. Der 19-Jährige wurde vor zehn Monaten von einem Auto angefahren und lag seitdem im Koma.

Die Corona-Pandemie hat er dadurch bislang verpasst. „Er wird nichts von dieser Pandemie wissen, da er zehn Monate lang geschlafen hat“, erzählte Flavills Tante dem „Guardian“ am Dienstag. Joseph Flavill wurde am 1. März 2020, drei Wochen vor Beginn des ersten landesweiten Lockdowns in Großbritannien, von einem Auto angefahren. Dabei zog er sich eine traumatische Gehirnverletzung zu.

Teenager infizierte sich im Koma zweimal mit Corona

Erst Ende des Jahres erwachte Flavill aus dem Koma. „Seine Aufmerksamkeit wird langsam besser, aber wir wissen noch nicht, was er mitbekommt“, erzählte Flavills Tante. Die Heilung nach einer so langen Zeit im Koma dauert allerdings. Mittlerweile kann Flavill seine Ohren berühren und mit Freundinnen, Freunden und seiner Familie über Blinzeln und Lächeln kommunizieren.

Während seiner Zeit im Koma infizierte sich der 19-Jährige gleich zweimal mit dem Coronavirus, beide Erkrankungen überstand er jedoch gut. Laut Familie Flavill laufe die Kommunikation mit Joseph derzeit vor allem über Videoanrufe. Auch interessant: Anfang von Corona: Wie die Pandemie in China begann

Familie organisierte Kampagne um Joseph zu unterstützen

Sie hätten versucht, ihm per Video zu erklären, warum sie ihn zur Zeit nicht persönlich besuchen können, erzählt Flavills Tante. Dabei hätten sie ihm allerdings noch nicht das ganze Ausmaß der Pandemie erklärt. „Vor einem Jahr, wenn mir jemand erzählt hätte, was passieren würde, denke ich nicht, dass ich das geglaubt hätte“, sagte Flavills Tante der Zeitung.

Zu seinem 19. Geburtstag habe Josephs Mutter ihren Sohn besuchen dürfen, berichtet die Tante des Teenagers weiter: „Aber zu diesem Zeitpunkt war Joseph noch nicht so wach wie jetzt. Ich glaube, sie war unendlich traurig weil sie sich nicht sicher war, ob Joseph sie überhaupt erkennen konnte“. Lesen Sie auch: Lockdown-Bedeutung: Was heißt es auf Deutsch?

Während Josephs Zeit im Koma startete die Familie eine Kampagne, um dem 19-Jährigen finanziell und sozial beim Neustart ins Leben zu helfen. Dabei kamen über 32.000 Pfund – umgerechnet etwa 37.000 Euro – zusammen. (te/dpa)

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