Pandemie

Anzeige: Mann darf nicht zu sterbendem Vater ins Altenheim

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Altenpfleger wegen Corona am Limit

Weihnachten wird in Senioren- und Pflegeheimen in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie anders ablaufen als sonst. In den vergangenen Monaten sind viele Beschäftigte in der Branche an die Belastungsgrenze gekommen.

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Ein Freisinger wollte seinen sterbenden Vater im Altersheim besuchen. Eine Pflegerin hielt ihn davon ab – und zeigte den Mann an.

Freising.  Weil ihm der Besuch bei seinem sterbenden Vater verwehrt worden ist, wurde ein Mann im bayerischen Freising in einem Seniorenheim ausfällig - und muss deshalb mit einer Anzeige wegen Beleidigung rechnen.

In einem emotionalen Post auf seiner Facebook-Seite schildert der Freisinger, der laut eigener Angabe seinen Vater bis dahin täglich im Heim besuchen durfte, seine Sicht der Dinge. Seinen Beitrag betitelte der Mann mit "Die unerträgliche Grausamkeit des einsamen Sterbens und wo die Menschlichkeit aufhört."

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Wortgefecht im Seniorenheim eskaliert

"Am Samstag öffnete eine junge Pflegerin die Tür und bat mich, einen Moment im Eingangsbereich zu warten, sie müsse meinen Einlass telefonisch abklären", schildert der Freisinger seinen Besuch im Altersheim. "Ich nahm in der Schleuse auf einem roten Stuhl Platz. Dann wurde ich von einer älteren Pflegerin angegangen, ich solle sofort das Haus verlassen."

Anschließend sei es zum Wortgefecht gekommen, in dessen Verlauf der Freisinger die Polizei gerufen habe. Wie er schreibt, habe er "lange" auf die Polizei gewartet, ohne dass eine Streife gekommen sei. Deshalb sei er schlussendlich nach Hause gefahren.

Vater des Mannes bis zum nächsten Tag verstorben

Als er am nächsten Tag erneut zum Heim gefahren sei, um seinen Vater zu besuchen, sei dem Mann mitgeteilt worden, dass sein Vater in der Zwischenzeit gestorben sei. Außerdem sei er von der Polizei als Beschuldigter vorgeladen worden, da ihn die Pflegerin wegen Beleidigung angezeigt habe.

Der Freisinger Polizeichef Ernst Neuner bestätigte dieser Redaktion den Vorfall. Der diensthabende Beamte habe direkt nach dem Anruf des aufgebrachten Mannes eine Streife zum Seniorenheim geschickt, die eine Viertelstunde später dort eingetroffen sei. Der Anrufer sei zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht mehr vor Ort gewesen.

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Zwischenfall resultiert in zwei Anzeigen

Die Pflegerin, mit der der Mann aneinandergeraten war, habe daraufhin eine Anzeige wegen Beleidigung gestellt, erzählt der Freisinger Polizeichef. Daraufhin habe der Beschuldigte seinerseits eine Strafanzeige gegen das Altersheim wegen Freiheitsberaubung seines Vaters gestellt. Beide Anzeigen lägen der Staatsanwaltschaft zur Prüfung vor, in den nächsten Tagen werde über den Fall entschieden, erklärte der Polizeichef.

Die leitende Koordinatorin der Hospizgruppe Freising, Barbara Mallmann, nahm die Pflegerin gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" in Schutz. Sie könne zwar die Not des Sohnes, seinen sterbenden Vater nicht sehen zu dürfen, verstehen - die Pflegerin träfe allerdings keine Schuld. Sie habe nur versucht, alle Beteiligten zu schützen, da es im Seniorenzentrum einen Corona-Ausbruch gegeben habe.

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