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"Hart aber fair": Lockdown-Kritiker dominieren die Sendung

| Lesedauer: 4 Minuten
Paul Ritter
Das ist "hart aber fair"

Das ist "hart aber fair"

Die polarisierende Politik-Sendung im Ersten mit Moderator Frank Plasberg gibt es nun seit stolzen 20 Jahren. Jeden Montag finden sich diverse Gäste in einer hitzigen Diskussionsrunde wieder.

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Bei „Hart aber fair“ wurde der Sinn des „Dauerlockdowns“ diskutiert. Die Runde hatte ein Problem: Die Kritiker waren in der Überzahl.

Berlin. 
  • Der verlängerte Corona-Lockdown war am Montag Thema bei „Hart aber fair“
  • Unter den Gästen überwog die Zahl der Skeptiker der aktuellen Maßnahmen
  • Wie viel Sinn hat ein Dauerlockdown? Und welche Alternativen gibt es?

Bei „Hart aber fair“ ging es am Montagabend pünktlich zum Inkrafttreten der verschärften Maßnahmen mal wieder um die Corona-Strategie. „Wie sinnvoll ist der Dauerlockdown?“, war die Sendung überschrieben.

Eine große Frage, die sich derzeit viele stellen. Doch kann man sie überhaupt beantworten?

„Hart aber fair“ - Das waren die Gäste:

  • Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz (SPD)
  • Alexander Kekulé, Virologe
  • Cihan Çelik. Intensivmediziner
  • Susanne Gaschke, Journalistin
  • Michael Hüther, Ökonom

Bei Frank Plasberg fehlte die Gegenseite

Es wurde ein Talk, der an einem Problem krankte: Das Lager der Skeptiker war übergroß. Und so überwogen die Forderungen von Kekulé, Gaschke und Hüther, gefälligst eine alternative Corona-Strategie zu versuchen. Wie genau diese aussehen könnte, blieb diffus: Die „Welt“-Journalistin Gaschke etwa forderte, die Alten- und Pflegeheime hermetischer zu schützen; Kekulé wünschte sich unter anderem private Meldesysteme für Kontakte und einen umfassenderen Einsatz von Schnelltests.

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Tragisch war das Fehlen der anderen Seite vor allem, weil man gerne Erklärungen zu mancher durchaus berechtigten, kritischen Frage gehört hätte. Warum weiß man noch immer so wenig über die Orte, an denen es zu Ansteckungen kommt? Bedeutet ein angestrebter Inzidenzwert von 50 oder weit darunter, dass wir bis mindestens im April im Lockdown sitzen werden? Auf derlei Unwägbarkeiten gibt es Antworten oder zumindest Antwortversuche, doch fehlten in der Runde die Menschen, die sie hätten geben können.

Dreyer verteidigt den aktuellen Kurs

Gerne hätte man dazu die einschlägigen Virologen gehört. Stattdessen kam die Rolle Malu Dreyer zu, die als Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz immerhin die politische Entscheidung mittrifft. Wacker verteidigte die SPD-Politikerin den von Experten gestützten Ansatz, die Zahl der Neuinfektionen mit dem relativ harten Lockdown zu drücken. Dabei blieb Dreyer aber leider lange zurückhaltend und überließ dem skeptischen Trio das Feld, das diesen Platz nutzte, um gegen die Politik zu wettern.

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Immerhin, gegen Ende wurde Dreyer dann doch mal deutlicher. „Es gibt keine Entscheidung, bei der ich nicht hin und her überlege“, wehrte sie sich gegen Schelte, die Politik mache es sich zu einfach. Auch sei es banal, zu denken, dass Politiker einfach anhand von Inzidenzzahlen entscheiden würden. „Natürlich versuchen wir eine Balance zu finden zwischen Gesundheitsschutz und Grundrechtseinschränkungen“, stellte Dreyer klar.

Intensivmediziner auf Corona-Isolierstation berichtet

Eine Bereicherung für die Runde war Cihan Çelik, der zwischendrin konkret machte, was eine hohe Zahl an Neuinfektionen bedeutet, nämlich stark ausgelastete Intensivstationen. Die Räumlichkeiten hätten in den vergangenen Wochen und Monaten nicht mehr gereicht, mehrfach mussten sie wegen steigender Auslastung erweitert werden, berichtete der Oberarzt, der auf der Corona-Isolierstation im Klinikum Darmstadt arbeitet. „Die Inzidenz zu drücken ist der einzige Weg, die Krankenhäuser zu entlasten.“

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Çelik weiß, wovon er spricht – auch, weil er selbst an Covid erkrankte. Und zwar schwer: Bedingt durch eine zusätzliche bakterielle Infektion, wurde der 34-Jährige binnen 72 Stunden zu einem Fall für die Intensivstation. Es war ernst, doch heute ist Çelik nach eigener Auskunft wieder fit.

Das Fazit

Diese Ausgabe von „Hart aber fair“ zeigte, wie sehr es bei Talkshows auf die Balance ankommt. Überwiegt eine Seite, ist das aufgrund der latenten Übereinstimmung der Standpunkte nicht nur ermüdend. Auch die Erkenntnis leidet, weil man nicht die Gegenposition zu hören bekommt.

Zur Ausgabe von „Hart aber fair“ in der ARD-Mediathek

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