Umweltverschmutzung

Mehr Abfall als Sand: Balis Traumstrände versinken im Müll

| Lesedauer: 4 Minuten
Barbara Barkhausen
Bali: Ein Giraffenbaby namens Corona

Bali: Ein Giraffenbaby namens Corona

Zu Ehren seiner Geburt während der globalen Pandemie wurde ein Giraffenbaby in Bali vom indonesischen Umweltminister Corona genannt. Besucher müssen sich noch gedulden, um das Giraffenkalb sehen zu können - der Safari-Park ist für die Öffentlichkeit noch geschlossen.

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Bis zu 60 Tonnen Müll am Tag werden an den Stränden Balis abgeschwemmt. Die Einheimischen kämpfen verzweifelt gegen die Plastikflut.

Denpasar/Sydney. 
  • Dort, wo sonst Touristen den paradiesischen Strand genießen, türmen sich auf Bali in Indonesien die Müllberge
  • Insgesamt bis zu 60 Tonnen Müll werden jeden Tag an den Küsten angeschwemmt
  • Die Bewohner sind entsetzt, kämpfen verzweifelt gegen die Müllinvasion, Fischer kommen mit Netzen voller Müll zurück - und es kommt immer mehr Müll auf Bali an

Zwischen Kokospalmen und jungen Männern mit Surfbrettern unterm Arm stapfen Kinder durch kniehohe Müllberge. Autoreifen, Plastikflaschen, von Algen überwachsene Flipflops – an manchen der Traumstrände Balis scheint mehr Unrat als Sand zu liegen.

Was sich derzeit auf Bali abspielt, ist nicht weniger als eine Müllinvasion. Bis zu 60 Tonnen Abfall werden Tag für Tag an den herrlichen Küsten angeschwemmt. Behörden und Einwohner der zu Indonesien gehörenden Insel kämpfen verzweifelt gegen die Plastikflut.

Besonders schlimm sei die Situation im Süden, berichtet die auf Bali lebende Australierin Michele Yoga. Das Meer sei dort so verschmutzt, dass die Fischer „mit Netzen voller Müll“ von ihren Touren zurückkämen, „die dann am Strand ausgeleert werden“.

Müll gehört auf Bali zum Inselbild

Müll gehört bereits seit Jahren zum Inselbild wie der Vulkan Agung. In normalen Jahren zählt Bali mehr Touristen als Einwohner, und die verbrauchen Ressourcen. Doch die aktuelle Plastikschwemme geht nicht von den Hotels aus – der Fremdenverkehr ist wegen der Pandemie annähernd zum Erliegen gekommen. Es sind vom Monsun beeinflusste Meeresströmungen, die seit Wochen Damenbinden, Babywindeln oder Chipstüten von anderen Inseln in Richtung Bali schwemmen.

Ein Teil kommt auch über die Flüsse aus dem Inselinnern – dass die Müllentsorgung auf Bali nur schlecht funktioniert, ist lange bekannt. „Wir haben wirklich hart gearbeitet, um die Strände aufzuräumen“, klagt Wayan Puja von der Umweltbehörde in Badung. „Aber immer wieder wird neuer Müll angespült.“

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Bali: Die Müllabfuhr kommt nicht hinterher

Die Einheimischen nennen die Regenzeit mittlerweile verbittert „Abfallsaison“ und suchen nach Auswegen aus der totalen Vermüllung ihres Paradieses. Balis Gouverneur Wayan Koster bringt deutlich mehr Ausrüstung und Personal ins Spiel, damit die Strände schnell gereinigt werden können. Vor allem in der Regenzeit solle die Müllabfuhr rund um die Uhr im Einsatz sein.

Mittlerweile entstehen Initiativen, die sich des Problems annehmen. Etwa die „Plastic Exchange Bali“ – eine Art Tauschbörse, bei der Bürger Kunststoffmüll auflesen, zu Sammelstellen bringen und im Gegenzug Reis bekommen. Das hilft nicht nur gegen den Unrat, sondern auch den Hunderttausenden, die wegen der Coronakrise ihren Job in Hotels oder der Gastronomie verloren haben. „Viele aus den Touristengebieten sind heim in ihre Dörfer gegangen. Aber da sie nicht wissen, wie man fischt oder eine Farm bewirtschaftet, ist die Arbeitslosigkeit hoch“, erzählt Michele Yoga, die Australierin, die im Fischerort Amed lebt und die Aktion unterstützt. Ein Sack Reis ist deshalb hoch willkommen.

Yoga berichtet von Menschen, die ihre Rechnungen und Kredite nicht mehr bezahlen können. Auch sie selbst ist vom Zusammenbruch der Tourismusindustrie betroffen: Die Hochzeitsplanerin hat keine Auftraggeber mehr. Ihr Glück: Ihr australischer Arbeitgeber bezahlt sie weiter – zumindest teilweise.

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Waste4Change: Indonesien erzeugt täglich 175.000 Tonnen Müll

Dem Start-up Waste4Change zufolge erzeugt Indonesien täglich 175.000 Tonnen Abfall. 81 Prozent des Mülls bleibt unsortiert. An dieser Stelle setzt die Plastikbörse an. Der Kunststoff, den die Inselbewohner abgegeben, wird noch auf Bali sortiert. Danach bringt man ihn zu Recyclingfabriken auf Java, einer der Hauptinseln Indonesiens. Alte Tetra-Packs können dort beispielsweise zu neuen Isolierungen für Dächer verwertet und zu Geld gemacht werden.

Das Konzept funktioniert so gut, dass es sich über Mundpropaganda wie ein Lauffeuer über die gesamte Insel verbreitetet hat. Um den Einsatz zu strukturieren, sollen die Menschen zuerst in ihren Dörfern sammeln, angefangen in den eigenen Häusern und Gärten, den Straßen und schließlich am Fluss und erst dann in der Umgebung. Damit die Kinder bald wieder im Sand spielen können, statt durch Müllberge zu stapfen. (mit Joe)