Pandemie

Corona-Mutation: Christian Drosten sieht geringes Risiko

| Lesedauer: 4 Minuten
Britische Regierung verhängt Ausgangssperre über London und Südostengland

Britische Regierung verhängt Ausgangssperre über London und Südostengland

Nach der Entdeckung einer neuen Variante des Coronavirus, die für einen starken Anstieg der Infektionszahlen im Süden Englands verantwortlich gemacht wird, hat die britische Regierung in London und Südostengland eine Ausgangssperre verhängt.

Beschreibung anzeigen

Der Charité-Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die Corona-Mutation zwar in Deutschland ist, aber nur schwer Fuß fasst.

Berlin. 
  • Nach der Entdeckung einer neuartigen Mutation des Coronavirus hat sich Virologe Christian Drosten zu Wort gemeldet
  • Auf Twitter überraschte er mit der Aussage: "Das sieht leider nicht gut aus"
  • Nun relativierte der Arzt seine Aussage zu dem Corona-Erreger

Der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, hält eine rasante Verbreitung der Coronavirus-Mutation aus Großbritannien in Deutschland für wenig wahrscheinlich. "Ich glaube nicht, dass wir da bald ein größeres Problem kriegen", sagte er am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Beim Nachrichtendienst Twitter hatte der Experte in der Nacht von Montag auf Dienstag geschrieben: "Neue Daten zur Mutante. Das sieht leider nicht gut aus."

Drosten: Neue Virus-Variante wird im Lockdown schwer Fuß fassen

Am Dienstagnachmittag erklärte der Virologe diese Aussage noch einmal, da sie vereinzelt aus dem Kontext gerissen wurde. Er twitterte: „Mit der Formulierung ,Das sieht nicht gut aus' habe ich ja was losgetreten…Um Spekulationen ein Ende zu bereiten: dies bezog sich allein auf den jetzt deutlicheren Beleg der verstärkten Verbreitung der Mutante. Sonst keine Änderung meiner Einschätzung."

Drosten geht davon aus, dass im aktuellen Lockdown "diese Variante hierzulande eher schwer Fuß" fasst. Darauf deuteten Daten hin, die die britische Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) veröffentlicht hat. In Gegenden in Großbritannien in denen wirksame Maßnahmen gelten, sei auch die neue Variante weitgehend unter Kontrolle.

Corona-Mutation: Keine Anzeichen für verminderten Impfschutz

Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass die neue Variante einen Einfluss auf die Krankheitsschwere hat, sagte Drosten. "Das ist ganz wichtig für die Bevölkerung, die sich jetzt Sorgen macht." Auch für einen verminderten Impfschutz gebe es keine Anzeichen.

Lesen Sie hier: Mutiertes Coronavirus – Das weiß man über die neue Variante

Positiv zu werten sei, dass der neuen Variante ein bestimmtes Gen fehle, dass eigentlich die Krankheitsschwere verstärkt, sagte Drosten. "Das ist die gute Nachricht." Es könnte also durchaus sein, dass B.1.1.7. harmloser ist. Möglicherweise sei das auch ein Grund für die schnellere Verbreitung. Denn Menschen ohne oder mit nur leichten Symptomen isolieren sich eher nicht und können dadurch vermehrt andere anstecken, so Drosten.

Am Montag hatte Drosten im "Deutschlandfunk" gesagt, er sei "alles andere als beunruhigt." Die Erkenntnisse über die Mutation seien "lückenhaft", die Frage, ob es tatsächlich stärker übertragbar sei, noch gar nicht sicher geklärt.

WHO zur Mutation: Situation ist nicht außer Kontrolle

Die Weltgesundheitsorganisation WHO vertritt die Ansicht, dass das Virus auch in der neuen Variante unter Kontrolle gebracht werden kann. "Die Situation ist nicht außer Kontrolle", sagte Nothilfe-Koordinator Michael Ryan. "Wir müssen uns aber noch mehr anstrengen. Das Virus kann gestoppt werden."

Schutzmaßnahmen wie Distanzhalten, die Vermeidung direkter Kontakte und Händewaschen seien auch bei der neuen Variante angebracht, um Ansteckungen zu vermeiden.

Corona: Drosten vermutet Mutation bereits in Deutschland

Die strengen Beschränkungen des Flugverkehrs seien eine Vorsichtsmaßnahme, sagte Drosten im "Deutschlandfunk". Er sieht darin auch eine Reaktion auf die "erhitzte Nachrichtenlage" aus England.

Das ist der Coronavirus-Experte Christian Drosten
Das ist der Coronavirus-Experte Christian Drosten

Drosten geht davon aus, dass die Mutation bereits in Deutschland vorhanden ist. "Ich denke, dass das schon in Deutschland ist", sagte er. "Davon darf man sich jetzt nicht aus der Ruhe bringen lassen." In England sei das Virus schon seit Ende September unterwegs, inzwischen außerdem in Italien, den Niederlanden, Belgien und Australien.

In keinem dieser Länder, von England abgesehen, sei dabei im Zusammenhang mit dem mutierten Virus eine Erhöhung der Infektionszahlen auffällig geworden. (mit dpa)

Kommentar: Reaktion auf mutiertes Virus: Grenzkontrollen – was sonst?