Diplomatie

König von Thailand hat Wahlheimat hat Bayern verlassen

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Thailands König Maha Vajiralongkorn mit Königin Suthida (r.) und Prinzessin Bajrakitiyabha Mahidol.

Thailands König Maha Vajiralongkorn mit Königin Suthida (r.) und Prinzessin Bajrakitiyabha Mahidol.

Foto: Lillian Suwanrumpha / AFP

Thailands König Rama X. lebte als Schreckensfigur in einem luxuriösen bayerischen Hotel. Nun ist er weg – die Juweliere vermissen ihn.

Berlin. 
  • Rama X., der König des südostasiatischen Landes Thailand, hat seine Wahlheimat Bayern verlassen
  • In Garmisch-Patenkirchen residierte er die letzten Jahre in einem Luxushotel – ganz zum Ärger vieler Bürger und Politiker
  • Denn dem Machthaber werden gravierende Menschenrechtsverstöße vorgeworfen
  • Auch in Thailand gibt es seit Monaten Proteste gegen die Monarchie

Es ist gespenstisch still geworden im verschneiten Garmisch-Partenkirchen. Touristen dürfen nicht kommen. Gaststätten sind geschlossen. Sogar der König ist verschwunden. Und die meisten wären wohl froh, wenn der thailändische Herrscher Maha Vajiralongkorn (68) die idyllische Gemeinde in Oberbayern nie wieder heimsucht.

Der König ist weg – nun kommen pikante Details ans Tageslicht

Er war zusehends zur Schreckensfigur geworden. Stephan Scharf, Sprecher im Landratsamt, verbirgt nicht, dass er genervt ist vom Wirbel, den der König verursacht hat. Mitte Oktober hat der Regent Bayern verlassen. Dort lebte er zehn Jahre lang hauptsächlich, bevorzugt in Garmisch-Partenkirchen. Mehr zum Thema:Partyprinz Rama X. wird zum König von Thailand gekrönt

So lange wie jetzt war er noch nie weg. Man geht davon aus, dass er in Thailand weilt. „Zu tun gibt es da ja einiges für ihn“, knurrt Scharf.

König Rama X. nimmt Sohn mit nach Thailand

Holger Sabinsky-Wolf von der „Augsburger Allgemeinen“ beschäftigt sich intensiv mit Rama X., wie der König sich nennt. In diplomatischen Kreisen in Bayern rechne man nicht mit seiner Rückkehr, sagt er. Ein Indiz sei, dass er diesmal seinen 15-jährigen Sohn Dipangkorn mitgenommen hat.

Der wahrscheinliche Thronfolger wohnt eigentlich dauerhaft in der Villa seines Vaters in Tutzing am Starnberger See und besucht die Freie Waldorfschule Isartal in Geretsried. Doch ein Airbus 345 der Royal Airforce Thailands flog den Prinzen am 12. Oktober von München nach Bangkok. Der exzentrische König selbst hauste mit einer 50-köpfigen Entourage zuletzt im Grand Hotel Sonnenbichl in Garmisch-Partenkirchen, das ansonsten leer steht.

Dass für ihn eine Ausnahme von den strengen Corona-Regeln gemacht wurde, hatte für böses Blut gesorgt. „Wir haben Hassmails und Drohbriefe bekommen, unserem Landrat wurde Covid-19 an den Hals gewünscht“, sagt Sprecher Scharf und klingt erschöpft. Lesen Sie hier:Er war 70 Jahre Thailands König: Bhumibol Adulyadej ist tot

„Die wenigsten kamen von Leuten von hier, denen ist der König relativ egal. Die meisten erreichten uns aus Nordrhein-Westfalen, wo man nicht verstand, dass der König kommen durfte und man selber nicht.“

König lebte im Hotel – trotz Corona

Man habe Rama eben nicht hinauswerfen und einen diplomatischen Eklat provozieren wollen, rechtfertigt Scharf seine Behörde. „Tatsächlich haben wir dem Hotel in einer informellen E-Mail genehmigt, den König und seine Bediensteten zu beherbergen“, erklärt er.

„Keine höhere Behörde hat dagegen Einspruch erhoben. Wir sind davon ausgegangen, dass er hier Amtsgeschäfte erledigt, und haben seinen Aufenthalt daher nicht als touristisch, sondern als geschäftlich gewertet.“

Aber: Verstößt ein Fernbedienungs-Regent, dem gravierende Menschenrechtsverstöße vorgeworfen werden, womöglich gegen deutsches Recht? Diesen Vorwurf sollten die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags im Auftrag von Linke-Abgeordneten bewerten.

In deren Gutachten heißt es, die Bundesregierung habe nur sehr begrenzte Möglichkeiten, die Aufenthalte des Königs in Bayern zu kontrollieren und mögliche Rechtsverstöße zu ahnden.

Thailand: Demonstranten vor der Deutschen Botschaft

Gemütlich wie in Bayern ist es für Rama in Thailand jedenfalls derzeit nicht. Dort gibt es seit Monaten Proteste gegen die Monarchie. Ende Oktober waren mehr als 1000 Demonstranten zur Deutschen Botschaft marschiert und hatten ein Schreiben für den Botschafter Georg Schmidt überreicht.

In einer Erklärung baten auch sie die deutschen Behörden, zu prüfen, ob Rama seine Amtsgeschäfte von fremdem Boden aus verrichte. Sie werfen ihm zudem Steuerbetrug am Freistaat Bayern und Gewalt gegen seine Angestellten vor. Mehr zum Thema:Thailands Kronprinz ist Bayern-Liebhaber und Pudel-Fan

Ganz so gleichgültig ist man übrigens auch in Garmisch-Partenkirchen angesichts des König auf „geschäftlicher“ Mission und seiner rund 20 mitreisenden „Geschäftsfrauen“ nicht. Feinkostläden, Juweliere und natürlich das Hotel in Zwangspause hoffen auf seine Rückkehr.

Im Landratsamt ist man nun verunsichert, wie man reagieren soll, wenn der König tatsächlich wieder auf der Matte steht. Man habe vor drei Wochen deswegen eine Anfrage beim Auswärtigen Amt gestellt – bisher habe niemand geantwortet.

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