Pandemie

Corona-Impfstoffe: Das sind die großen Hoffnungsträger

Biontech und Pfizer, Moderna, AstraZeneca: Corona-Impfstoffe sind in greifbarer Nähe. Die vielversprechendsten Vakzine im Überblick.

Mehr als eine Million Corona-Infektionen in Deutschland

Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie haben sich in Deutschland mehr als eine Million Menschen mit dem Erreger infiziert. Laut RKI kamen binnen 24 Stunden fast 23.000 neue Fälle hinzu.

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Berlin. 
  • Überall auf der Welt hoffen Menschen, dass bald Corona-Impfstoffe verfügbar sind
  • Mit Biontech und Pfizer haben erste Hersteller die Zulassung eines Corona-Imfpstoffs in der EU beantragt
  • In Deutschland rechnet Gesundheitsminister Jens Spahn Mitte Dezember mit einer Zulassung
  • Wir geben einen Überblick darüber, welche Impfstoff-Hersteller die größten Hoffnungsträger sind

Jetzt könnte es nur noch wenige Tage dauern: Die Mainzer Firma Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer haben bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (Ema) die Zulassung für ihren Corona-Impfstoff in der EU beantragt. Der Antrag auf eine bedingte Marktzulassung sei am Montag eingereicht worden, teilten Biontech und Pfizer am Dienstag mit. Am Montag hatte auch der US-Konzern Moderna bei der Ema einen entsprechenden Antrag für seinen Impfstoff gestellt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet derzeit damit, dass Mitte Dezember der erste Corona-Impfstoff zugelassen wird. Es wäre ein Meilenstein im Kampf gegen die Pandemie.

In der jüngsten Vergangenheit war wohl noch nie so viel Hoffnung an einen kleinen Pieks gekoppelt wie im Jahr 2020: Mit einer wirksamen Impfung gegen das Coronavirus gäbe es endlich eine Rückkehr zur Normalität – zumindest schrittweise. Im Rekordtempo wird an Vakzinen geforscht, Pharmakonzerne liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Entwicklung von Impfstoffen.

Biontech und Pfizer, Moderna, AstraZeneca, Curevac: Die Liste der für Europa interessanten Hersteller wird immer länger. Welche Impfstoffe sind vielversprechend, wie wirksam sind sie und wie steht es um ihre Zulassung? Wir stellen die Hoffnungsträger vor.

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Der Impfstoff von Biontech und Pfizer

Die Entwickler des Impfstoffes des Mainzer Unternehmens Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer gehen von einer 95-prozentigen Schutzwirkung der Zweifachimpfung aus. In den USA könnte die Impfung im Falle einer Notfallzulassung bereits ab dem 11. Dezember möglich sein.

Bei der EU beantragten die beiden Hersteller die Zulassung am 30. November. Nach ihren Angaben könnte der Impfstoff nach der Zulassung „innerhalb von wenigen Stunden“ ausgeliefert werden. Das sagte Biontech-Finanzvorstand Sierk Poetting bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU). „Wir haben auf Halde produziert und alles, was da ist, kann innerhalb von wenigen Stunden dann wirklich verteilt werden.“

Man sei gut auf diese Verteilung vorbereitet. Der Impfstoff werde in Boxen geliefert und könne in diesen mit Trockeneis bis zu 30 Tage im jeweiligen Impfzentrum gekühlt werden oder bis zu fünf Tage in einem handelsüblichen Kühlschrank. Gefrierschränke würden erst wichtig, wenn es um eine längere Lagerung gehe. Die Auswertung der Daten habe gezeigt, dass der Biontech-Impfstoff gut verträglich und gleichzeitig hochwirksam sei, sagte Poetting. .

Bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) läuft seit Anfang Oktober ein sogenanntes Rolling-Review-Verfahren, um die Zulassung zu prüfen: Dabei reichen die Entwickler des Impfstoffes ihre Daten direkt bei der EMA ein. Das Verfahren wird genutzt, um bei vielversprechenden Arzneimitteln eine Prüfung noch während der Entwicklung vornehmen zu können – beispielsweise in gesundheitlichen Notfällen wie einer Pandemie. Ein konkretes Datum gibt es noch nicht.

Deutschland und die EU haben bereits einen Rahmenvertrag über den Kauf von 300 Millionen Dosen des Impfstoffs abgeschlossen. Biontech und Pfizer sind nach eigenen Angaben in der Lage, den Impfstoff innerhalb weniger Stunden nach einer Zulassung auszuliefern. Eine logistische Herausforderung ist die notwendige Kühlung : Der Impfstoff muss bei minus 70 Grad gelagert werden. Die Unternehmen betonten jedoch, dass Pfizer bereits über eine entsprechende weltweite Infrastruktur verfüge.

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Es handelt sich bei dem Vakzin von Biontech und Pfizer um einen sogenannten RNA-Impfstoff : Darin stecken genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper ein Viruseiweiß produziert – in diesem Fall das Oberflächenprotein, mit dessen Hilfe das Virus in Zellen eindringt. Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein anzuregen, um die Viren abzufangen, bevor sie in die Zellen eindringen und sich vermehren.

Die Entwicklung des Impfstoffs BNT162b2 war bereits seit Mitte Januar von Biontech im Projekt „Lightspeed“ („Lichtgeschwindigkeit“) entwickelt worden. Gegründet wurde das Mainzer Unternehmen von Özlem Türeci und Uğur Şahin .

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Moderna-Impfstoff: Hohe Wirksamkeit, unkomplizierte Lagerung

Eine Woche nach der Erfolgsmeldung von Pfizer und Biontech verkündete der US-Pharmakonzern Moderna Mitte November, dass der von ihm entwickelte Corona-Impfstoff mRNA-1273 eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent habe. Die EMA hat auch für diesen Wirkstoff ein Rolling-Review-Verfahren gestartet, um eine Zulassung zu beschleunigen. Den Antrag für die Zulassung in der EU reichte Moderna am 29. November ein.

Ein Vorteil des Impfstoffs könnte darin bestehen, dass er weniger temperaturempfindlich als der Biontech-Pfizer-Kandidat sein soll: Die Entwickler des Moderna-Vakzins rechnen damit, das Mittel 30 Tage lang bei Temperaturen von zwei bis acht Grad aufbewahren zu können. Bei minus 20 Grad Celsius sei sogar eine Lagerung von bis zu sechs Monaten möglich.

Wie Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Dienstag in Brüssel mitteilte, hat die EU-Kommission einen Rahmenvertrag über bis zu 160 Millionen Dosen des Moderna-Impfstoffs ausgehandelt. Der Vertrag solle am Mittwoch formal besiegelt werden.

Lesen Sie hier : Immunität nach Corona-Infektion? Das sagt die Forschung

AstraZeneca: Impfung mit 70-prozentiger Schutzwirkung

Auch der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca konnte bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs erste Erfolge verzeichnen: Das Unternehmen gab in einer Pressemitteilung bekannt, dass das Vakzin AZD1222 eine Wirksamkeit von 70 Prozent aufweise.

Bei der Berechnung der Wirksamkeit wurden Daten zweier klinischer Studien mit unterschiedlichen Dosierungen berücksichtigt: Bei einer kombinierten Phase-II/III-Studie bekamen die Probanden zuerst eine halbe Dosis, einen Monat später eine volle Dosis des Impfstoffs verabreicht. Hier lag die Effektivität bei 90 Prozent . Probanden, die zweimal eine volle Dosis bekamen, waren hingegen nur zu 62 Prozent geschützt. Zusammengenommen ergibt sich den Angaben zufolge eine 70-prozentige Wirksamkeit.

Der AstraZeneca-Impfstoff kann laut Mitteilung bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad gelagert werden. Auch er wird derzeit von der EMA im Rolling-Review-Verfahren geprüft – wann es eine Zulassung geben könnte, steht noch nicht fest. Die EU hatte sich bereits vorab bis zu 300 Millionen Dosen des Wirkstoffs gesichert, der in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford entwickelt wurde.

Curevac: Was kann der Tübinger Impfstoff?

Ein weiterer Hoffnungsträger ist das Tübinger Pharmaunternehmen Curevac : Genau wie Biontech arbeitet die Firma an einem potenziellen Impfstoff auf Basis sogenannter Boten-RNA. Ob das Mittel Aussicht auf Erfolg hat, ist aber noch unklar: Es befindet sich derzeit noch in einer frühen Phase klinischer Prüfungen.

Die EU-Kommission hat trotzdem schon einen Liefervertrag mit Curevac gebilligt. Nach Angaben der Brüsseler Behörde gehe es zunächst um 225 Millionen Impfdosen im Namen aller EU-Mitgliedstaaten. Außerdem gebe es die Option auf die Bestellung weiterer 180 Millionen Dosen. Sobald ein „nachweislich sicherer und wirksamer Impfstoff“ verfügbar sei, solle eine Lieferung erfolgen.

(raer/mit dpa/afp)

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