ZDF-Sendung

Jan Böhmermann kritisiert VW: Welche Vorwürfe er macht

Jan Böhmermann kritisierte in der Show „ZDF Magazin Royale“ den Volkswagen-Konzern. Worum es ging und was VW zu den Vorwürfen sagt.

Das müssen Sie über Jan Böhmermann wissen

Fast sechs Jahre führt Jan Böhmermann durch das „Neo Magazin Royale“. Ab Herbst 2020 wird der Moderator mit einer eigenen Show im Hauptprogramm des ZDF zu sehen sein.

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Wolfsburg. 
  • In seiner neuen Show „ZDF Magazin Royal“ macht Jan Böhmermann dem VW-Konzern schwere Vorwürfe
  • Der Satiriker kritisierte Kooperation von Volkswagen mit Unrechtsregimen – vom Dritten Reich bis in die heutige Zeit
  • Der VW-Konzern hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert

Sie war mit Spannung erwartet worden, die neue Show des angriffslustigen TV-Satirikers Jan Böhmermann im ZDF-Hauptprogramm am späten Freitagabend. Der 39-Jährige hatte sich in den vergangenen Jahren mit scharfen satirischen Attacken unter anderem auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und entlarvenden Beiträgen über Mauscheleien bei Trash-TV-Shows wie „Schwiegertochter gesucht“ profiliert.

Die zweite Ausgabe seines neuen Formats „ZDF Magazin Royale“ widmete Böhmermann nun den Geschäften des Volkswagen-Konzerns in autoritären Staaten. Dabei versuchte er, in einem rasanten Gang durch die Unternehmensgeschichte eine Kontinuität von der Volkswagen-Gründung als gemeinsamem Projekt der Nazis und der Familie Porsche bis zur umstrittenen Auto-Produktion in der chinesischen Problem-Provinz Xinjiang herauszuarbeiten.

„Ich liebe Volkswagen – schon immer“. Der Beginn von Jan Böhmermanns 15-minütiger TV-Tirade auf den Autobauer wirkt ganz harmlos. Auch er selbst sei früher Volkswagen gefahren. Das soll aber auch das einzig Positive des Beitrags aus dem „ZDF Magazin Royale“ vom Freitag über den Volkswagen-Konzern bleiben.

Ex-VW-Chef Hahn spricht in Zitat abschätzig von „Eingeborenen“

Böhmermann spickte seinen Beitrag unter anderem mit Zitaten früherer Konzernchefs. Im eingespielten Auszug eines früheren „Panorama“-Interviews sagte Carl Hahn, Vorstandsvorsitzender von 1982 bis 1993: „Wir haben versucht, Automobile zu bauen, unabhängig von der Regierung, die in einem Land herrscht. Das überlassen wir den Eingeborenen.“

Der TV-Satiriker quittierte die Äußerung mit ironischem Kopfschütteln und strich sie gleichsam als Motto für das Verhalten des VW-Konzerns bei der Globalisierung heraus. Das gleiche, so suggerierte Böhmermann, einer entschiedenen Vogel-Strauß-Politik: den Fokus auf Profite richten und vor Unrecht die Augen verschließen.

Vorwurf: Kooperation mit Militärdiktatur und Apartheid-Regime

So habe die Distanzierung von den braunen Anfängen von Volkswagen – Böhmermann zitierte etwa ein Gesuch von Ferdinand Porsche an SS-Chef Heinrich Himmle r um zusätzliche Zwangsarbeiter – den Konzern später nicht davon abgehalten, bei der brasilianischen Tochter Volkswagen do Brasil mit Vertretern der Militärdiktatur (1964-1985) zu kooperieren.

Öffentlichkeitswirksame Absagen an „Unrecht, Gewalt und Rassenhass“ hätten Volkswagen auch nicht davon abgebracht, unter dem Apartheid-Regime in Südafrika eine florierende Produktion aufzubauen. Ironisch spielte Böhmermann immer wieder eine alte VW-Werbung ein: „Volkwagen does it again“.

Und auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil bekommt sein Fett weg. Aus einem „Spiegel“-Bericht gehe hervor , dass Weil, der im Aufsichtsrat von VW sitzt, seine Regierungserklärung zum Dieselskandal zunächst den Juristen von VW zur Prüfung vorgelegt habe . „Er ist dafür da VW zu kontrollieren, aber komisch, irgendwie sieht es so aus, als wär’s genau andersrum“, kommentiert Böhmermann dazu.

Kritik: Zwangslager unweit des VW-Werks in chinesischer Unruhe-Provinz

Der scharfzüngige 39-jährige Polit-Entertainer griff die Kritik an der Ausbeutung von Fremdarbeitern in Katar auf, dessen Regierung drittgrößter Aktionär bei Volkswagen ist. Und er lenkte den Fokus auf die Fabrik des Konzerns in der westchinesischen Provinz Xinjiang , in der laut Kritikern Hunderttausende Angehörige der muslimischen Volksgruppe der Uiguren in Umerziehungslagern interniert sind.

Böhmermann zeigte eine Karte, auf der zahlreiche Zwangslager in wenigen Kilometern Entfernung des Werks verzeichnet sind. Eingespielter Kommentar von Vorstandschef Herbert Diess : „Ich weiß nichts davon.“ Der Satiriker schob ein weiteres Diess-Zitat hinterher, das dieser Anfang 2019 vor Topmanagern geäußert hatte (und für das er sich später entschuldigt hatte): „Ebit macht frei.“

Als Pointe seines Beitrags bot Böhmermann Volkswagen an, ihn mit zehn vergoldeten Elektromobilen ID.3 zu bestechen – „dann verrate ich niemandem, was ich in der letzten Viertelstunde erzählt habe“.

Volkswagen will Böhmermanns Attacken nicht kommentieren

Volkswagen wollte sich zu den geballten, wenn auch im Einzelnen keinesfalls neuen Vorwürfen Böhmermanns nicht äußern. „Den Beitrag selbst kommentieren wir nicht“, sagte ein Konzernsprecher auf Anfrage unserer Zeitung.

Nach Wechsel zu Telegram: Böhmermanns Social-Media-Kanäle sind wieder online

„Für uns gilt aber: Wir bei Volkswagen wissen um die historischen Ursprünge und die Schuld unseres Unternehmens im Nazi-Regime. Gerade deshalb treten wir heute entschlossen jeder Form von Hass, Hetze und Diskriminierung entgegen.“ Man ahnt, wie Böhmermann darauf geradezu zwangsläufig reagieren würde – mit einem erneuten Einspieler der Werbung „Volkswagen does ist again“.

Viele Reaktionen von Zuschauer:innen

Bei Social Media wurde die Sendung heiß diskutiert. Viele Menschen haben sich bei Jan Böhmermann bedankt, das Thema auf die Agenda genommen zu haben. Bei Twitter schreiben User und Userinnen zum Beispiel: „Nach der aktuellen Ausgabe ZDF-Magazin wird das nächste Auto kein Volkswagen“. Der Tenor der meisten Postings: Der Umgang Volkswagens ist nicht in Ordnung.

Auch das YouTube-Video zum VW-Part wurde tausendfach kommentiert – über 400.000 Menschen hatten es sich Stand Sonntagabend angeschaut.

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