„Atlantic Crossing“

Kyle MacLachlan – der Mann mit dunklen Geheimnissen

| Lesedauer: 5 Minuten
Oliver Stöwing
Voller Haarschopf wie früher, aber ergraut. Kyle MacLachlan ist mit 61  Jahren unter den Silveragern angekommen.

Voller Haarschopf wie früher, aber ergraut. Kyle MacLachlan ist mit 61  Jahren unter den Silveragern angekommen.

Foto: Alberto Terenghi / IPA / imago/Independent Photo Agency

Kyle MacLachlan gibt in Hollywood oft den Mann mit den dunklen Geheimnissen. Jetzt ist er in der Serie „Atlantic Crossing“ zu sehen.

Los Angeles. Ein strahlender Morgen in Los Angeles. Kyle MacLachlan (61) hat schon Gewichte gestemmt, als er sich ins Video-Interview einloggt. Wenn es einen Mann von nebenan mit dunklen Geheimnissen zu besetzten galt, rief Hollywood ihn an: Meisterregisseur David Lynch machte ihn mit „Blue Velvet“, „Dune – Der Wüstenplanet“ und „Twin Peaks“ zum Star.

In „Sex And The City“ spielte er einen Mann, der nicht kann, in „Desperate Housewives“ einen Vorstadtpsychopathen. Ab 13. November ist er als Präsident Franklin D. Roosevelt in der Fernsehserie „Atlantic Crossing“ auf Magenta TV zu sehen.

Herr MacLachlan, Franklin D. Roosevelt gilt als einer der größten Präsidenten der USA. Was unterschied ihn von Donald Trump?

Kyle MacLachlan: Er hatte die Weltpolitik im Auge in einer Zeit, in welcher der Blick der USA sehr nach innen gerichtet war. Er konnte sehr gut mit den Leuten kommunizieren, sie inspirieren, seine Botschaft rüberbringen. Das ist etwas, was uns zuletzt gefehlt hat.

Welchen Rat hätte er Trump wohl gegeben?

Kyle MacLachlan: Trump würde keinen Rat annehmen. Dafür ist er nicht der Typ. Das ist ein weiterer Unterschied. Roosevelt hatte großartige Berater um ihn herum, nicht zuletzt seine Frau Eleanore. Er verließ sich auf ihre Intelligenz, ihr Zukunftsdenken und ihren moralischen Kompass.

Nach „Desperate Housewives“ ist das schon das zweite Mal, dass Sie einen Mann im Rollstuhl spielen. Was haben Sie dabei über körperliche Einschränkungen gelernt?

Kyle MacLachlan: Bei „Desperate Housewives“ habe ich mich einfach in den Rollstuhl gesetzt, ohne groß darüber nachzudenken.

Bei Roosevelt aber war ich sehr daran interessiert, die Wirklichkeit einer Lähmung zu verstehen. Ich wollte wissen, wie er seine Beine unter Kontrolle brachte, die er eigentlich nicht kontrollieren konnte. Wenn er einen Raum betrat, war er trotzdem überlebensgroß. Er war sehr aufgeschlossen, sehr präsent. Er wollte den Leuten keine Chance geben, Mitleid mit ihm zu haben.

Sie spielen meist schräge Charaktere. Sind Sie selber auch exzentrisch?

Kyle MacLachlan: Ich denke schon, wenn auch nicht ganz so exzentrisch wie diese Jungs. Aber ich habe meine bestimmte Art, Dinge zu erledigen, was meine Frau nervt. Aber das ist, glaube ich, immer so, wenn man verheiratet ist. Ich bin sehr organisiert und übermäßig ordentlich. Nun, wir haben Monate der Quarantäne zusammen überstanden und lieben uns immer noch, das ist ein gutes Zeichen.

Fans warten sehnsüchtig darauf, dass David Lynch seine Kultserie „Twin Peaks“ fortsetzt. Gibt es Hoffnung?

Kyle MacLachlan: Mit David habe ich gerade gesprochen, wir sind gute Freunde, aber er hat nichts verraten. Er ist sehr geheimnisvoll. Ich warte gespannt mit den Fans, was er vorhat.

Haben Sie die Fortsetzung von 2017 und Ihre Doppelrolle verstanden?

Kyle MacLachlan: Teilweise. Es gab aber viele Ausflüge in andere Dimensionen, die mir zu hoch waren.

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Wie haben Sie einen der größten Flops der Filmgeschichte überlebt, das Striptease-Debakel „Showgirls“?

Kyle MacLachlan: Ich dachte mir: Lass es einfach vorüberziehen, Es wird etwas Ungewöhnliches sein, worüber du in der Zukunft reden kannst. Ich habe einfach weitergearbeitet und es überstanden. Und inzwischen ist es ein Kult-Klassiker, die Leute schauen sich das an und haben Spaß.

Wie war es, in „Sex and the City“, einer Serie, in der alle ständig Sex hatten, ausgerechnet einen impotenten Mann zu spielen?

Kyle MacLachlan: Ich war neidisch. Aber ich habe es sehr genossen, Trey zu spielen. Es war komisch, aber es steckte auch eine Menge Wahrheit darin. Charlotte und Trey wollten dieses perfekte Paar sein, und dann wurde Charlotte mit etwas konfrontiert, worüber sie keine Macht hatte.

Man fühlte mit ihnen, statt sich über sie lustig zu machen. Es war eine Revolution für eine Fernsehserie, solche Tabu-Themen anzuschneiden. Insofern war das eine wichtige Rolle.

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Zur Person: Kyle MacLachlan wurde 1959 im US-Bundesstaat Washington an der nördlichen Pazifikküste geboren. Seine größten Erfolge feierte er gleich zu Beginn seiner Kinofilmkarriere mit Regisseur David Lynch, beginnend 1984 mit „Dune – Der Wüstenplanet“. Danach spielte er in vielen eher unbedeutenden Filmen mit und nahm zumeist ­ungewöhnliche Nebenrollen in Fernsehproduktion an. Mit seiner Frau hat er einen 2008 geborenen Sohn.

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