Wolfsburger Gastronom: „Gastronomie einer der sichersten Orte“

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Bettina Jaeschke
Tobias Senft vor dem Atelier-Café.

Tobias Senft vor dem Atelier-Café.

Foto: Helge Landmann / regios24

Tobias Senft, Inhaber des Atelier-Cafés, sagt trotz der widrigen Umstände: „Wir lassen uns nicht entmutigen und kämpfen bis zum Schluss“

Wolfsburg. Tobias Senft, Inhaber des Atelier-Cafés, trifft der erneute Lockdown gleich dreifach. Nicht nur, dass er sein Café schließen muss, auch seine Hotelbetten des „Einschlaf“ bleiben leer. Und auch mit dem Wasser „Tobiquell“ macht er derzeit keine Umsätze, da seine meisten Partner Gastronomiebetriebe sind.

„Der erste Lockdown hat uns in die Knie gezwungen“

Seit mehr als zwei Jahrzehnten betreibt Senft das Atelier-Café. „Alles, was wir in 25 Jahren als kleines Polster für Eventualitäten aufgebaut haben, ist mit dem ersten Lockdown aufgebraucht“, sagt er. „Der erste Lockdown hat uns in die Knie gezwungen. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass die Gastronomie jetzt wieder geschlossen wird.“ Und er frage sich, was denn an diesem Lockdown nun „light“ sein solle. „Die Politik macht ja auch keine Versprechen, dass es ab 1. Dezember weitergeht. Daher können wir nicht planen, und die Kosten laufen weiter.“ Dass die Regierung die Gastronomen finanziell unterstützen wolle, finde er zwar großartig, jedoch sei die Frage, wie viel Prozent der zugesagten Förderung letztlich bei jedem ankämen.

„Es werden Abstände eingehalten, Masken getragen, Gästedaten dokumentiert“

Senft betont, dass er zwar verstehe, dass angesichts steigender Infektionszahlen Handlungsbedarf bestehe, jedoch bezweifelt er, dass die Schließung der Gastronomie der richtige Schritt dazu ist. „Ich halte die Gastronomie für einen der sichersten Orte“, sagt er. „Es werden Abstände eingehalten, Masken getragen, Gästedaten dokumentiert und Hygienemaßnahmen umgesetzt. Da sehe ich das Risiko nicht.“

Er verdeutlicht auch, dass er sich durchaus Gedanken über Alternativen gemacht hat. Aber: „So etwas muss wirtschaftlich auch Sinn ergeben.“ Und das sei bei ihm nicht der Fall. „Unser Hauptgeschäft ist das Frühstück. Die Leute kommen zu uns wegen der Atmosphäre und des schönen Ambientes.“

Für das Atelier-Café sei der November immer der beste Monat im Jahr gewesen

Das könne er jedoch nicht für denselben Preis in eine Tüte für ein Frühstück zum Mitnehmen packen. Wer sich etwas zum Frühstücken nach Hause holen wolle, gehe zudem eher zum Bäcker. „Für uns ergibt das daher wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn.“

Für das Atelier-Café sei der November eigentlich immer der beste Monat im Jahr gewesen. Viele wollten sich vor Weihnachten noch einmal treffen und hätten dies beispielsweise bei einem gemeinsamen Frühstück getan. Auch in diesem Jahr gab es für den November viele Reservierungen. Den Gästen muss nun abgesagt werden, ohne, dass man ihnen einen neuen Termin im Dezember anbieten könne, weil man nicht wisse, was werde.

„Viele Stammgäste haben wir gar nicht mehr gesehen“

„Wir als Gastronomie sehen uns als Wohnzimmer der Gesellschaft“, sagt Senft. Die Leute besuchen Cafés und Restaurants, um sich dort wohlzufühlen. Auch nach dem ersten Lockdown sei das Geschäft nur verhalten wieder angelaufen. „Viele Stammgäste haben wir gar nicht mehr gesehen, gerade ältere, das ist schon ein bisschen unheimlich, wenn wir gar nicht wissen, was mit ihnen ist“, sagt er. Zudem merke man, dass viele Leute verunsichert seien.

Trotz aller widrigen Umstände blickt Senft positiv nach vorne. „Wir lassen uns nicht entmutigen und kämpfen bis zum Schluss“, sagt er. „2021 ist unser Jubiläumsjahr und 25 Jahre in der Gastronomie durchzuhalten, ist schon eine Leistung.“

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