Wegen Corona: Wolfsburger Autostadt vor erneuter Schließung

In Wolfsburg sind Scharoun-Theater, Hallenbad, Fitnessstudios und Kinos ab Montag zu. Für die Verantwortlichen ist das „eine Katastrophe“.

Ob die Winterwelt in der Wolfsburger Autostadt wie geplant stattfinden kann, ist mehr als fraglich. Dem Erlebnispark droht die erneute Schließung.

Ob die Winterwelt in der Wolfsburger Autostadt wie geplant stattfinden kann, ist mehr als fraglich. Dem Erlebnispark droht die erneute Schließung.

Foto: Autostadt

Wolfsburg. Das Coronavirus sorgt zum zweiten Mal dafür, dass das gesellschaftliche Leben zu großen Teilen heruntergefahren wird. Am Montag treten die Verordnung des Bundes sowie des Landes Niedersachsen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie in Kraft. Auch in Wolfsburg müssen etliche Freizeiteinrichtungen schließen – ein Überblick.

Autostadt

Acht Wochen blieb die Autostadt im Frühjahr geschlossen, ehe sie im Mitte Mai wieder öffnete. Nun ist eine erneute Schließung großer Teile des Erlebnisparks wohl unumgänglich. „Die Beschlüsse der Bundesregierung sind eindeutig. Selbstverständlich halten wir uns zum Schutz unserer Gäste und Mitarbeiter daran“, sagte Autostadt-Sprecherin Anja Kreß auf Nachfrage. Am Freitag will die Autostadt mitteilen, welche Bereiche voraussichtlich geschlossen werden müssen und welche geöffnet bleiben können. Auch eine Entscheidung über die geplante und weit über die Region hinaus bekannte Winterwelt soll Freitag fallen. Vom 27. November bis 27. Dezember sollen eigentlich Schlittschuhläufer ihre Runden auf der zugefrorenen Lagune drehen und Kinder in der Schneelandschaft den Walfischhügel hinunterrodeln. Zum ersten Mal sollen auf der Eisfläche zwei Inseln stehen, die sowohl vom Eis als auch über zwei Brücken vom Land aus erreichbar sind. Ebenfalls geplant sind sind ein Lichtertunnel und eine Eisdisco mit dem DJ-Pult direkt an der Eisfläche. Zerstört das Coronavirus diesen Wintertraum?

Scharoun-Theater

Im Scharoun-Theater finden noch alle Vorstellungen bis einschließlich Sonntag statt. Für November sind alle Aufführungen im Theater sowie des Jungen Theaters im Hallenbad abgesagt. Abonnenten bekommen per Post einen Kartengutschein, der über die Spielzeit hinaus eingelöst werden kann. Die Besucher, die Karten im freien Verkauf erworben haben, werden gebeten, diese mit Adresse und Bankverbindung an das Theater der Stadt Wolfsburg, Klieverhagen 50, 38440 Wolfsburg, zu senden. Das Geld wird erstattet. Die Theaterkasse in der Porschestraße 41D bleibt bis auf weiteres geöffnet. Für Rückfragen sind die Mitarbeiterinnen unter (05361) 267338 oder per Mail unter karten@theater.wolfsburg.de erreichbar.

„Wir sind natürlich sehr betroffen, haben wir doch mit einem enormen zeitlichen, personellen und finanziellen Aufwand alle Hygiene- und Abstandsregelungen in den letzten Monaten akribisch geplant und umgesetzt. Wirtschaftlich ist ein erneuter Lockdown ein weiterer herber Rückschlag in diesem Jahr“, sagt Pressesprecher Christian Mädler. „Wir wissen um unsere hohe Verantwortung gegenüber unserem Publikum und akzeptieren die umfassende und weitreichende Entscheidung des Bundes und der Länder. Dennoch sind wir uns unseres Kulturauftrages sehr bewusst“, so Mädler weiter.

Seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs im September habe das Theater sehr viel Dankbarkeit und Zuspruch durch das Publikum erfahren. Umso größer sei nun das Bedauern. „Einerseits werden unseren Gästen erneut viele Vorstellungen genommen, auf die sie sich gefreut haben, andererseits ist die Empathie umso größer, dass sich die Situation für uns als Theaterschaffende weiter anspannt“, sagt Mädler.

Kinos

Leif Boltz vom Delphin-Palast in der Porschestraße bezeichnete die Situation als „dramatisch“. Kein Kino hätte sich vom ersten Lockdown im Frühjahr erholt, da folge der zweite. „Wir sind enttäuscht, aber wir müssen das hinnehmen.“ Der Wolfsburger Kinobetreiber befürchtet, dass die Schließzeit sogar länger als die angekündigten vier Wochen dauern könnte. Von März bis Juli war der Delphin-Palast geschlossen. Die Besucherzahlen im Oktober seien im Vergleich zum Vorjahr „katastrophal“ gewesen. Die Mitarbeiter seien nie richtig aus der Kurzarbeit rausgekommen, jetzt gehe es auf 100 Prozent zurück. Bis zum Wochenende läuft noch das reguläre Programm. An Halloween wird der Zombiefilm: „Dawn of the Dead“ aus dem Jahr 1978 gezeigt. Im Kinosaal muss ein Abstand von 1,50 Meter eingehalten werden, am Platz kann die Mund-Nasen-Bedeckung abgenommen werden. Auch das Metropol-Kino in Fallersleben und das Cinemaxx am Hauptbahnhof sind ab Montag geschlossen.

Fitnessstudios

In Deutschland gibt es rund 9000 Fitnessstudios mit etwa 12 Millionen Mitgliedern. „Wir tragen einen wichtigen Teil zur Volksgesundheit bei“, sagt Andreas Heuchert, zusammen mit Thomas Ballin Geschäftsführer des Injoy in Wolfsburg. Nach der ersten Schließzeit von zehn Wochen im Frühjahr habe das Injoy einen guten Zulauf gehabt. „Die Menschen haben verstanden, dass sie fit sein müssen, wenn sie das Coronavirus erwischt.“ Heuchert bezeichnete die angeordnete Schließung ab dem 2. November als „eine Katastrophe“ für viele Studios. „Das wird viele extrem hart treffen. Viele Vermieter wollen ihre im Frühjahr gestundeten Mieten jetzt haben“, berichtet Heuchert. Das Injoy habe zum Glück keine Existenznöte. „Im Sommer hatten wir einen normalen Betrieb.“ 99 Prozent der Injoy-Mitglieder hätten sich vorbildlich an die Hygiene- und Abstandsregeln gehalten. „Alle haben sich wohlgefühlt. Sogar die Risikopatienten sind wieder ins Injoy gekommen“, erzählt Heuchert. Er sei verärgert, dass er seiner eigentlichen Arbeit nun wieder nicht wie gewohnt nachgehen könne. „Fitnessstudios sind keine Infektionsherde. Die Medien haben nicht über einen einzigen Coronafall in einem Studio berichtet“, meint Heuchert. Das Injoy will im November erneut Livestreams und Online-Trainingsangebote machen.

Kulturzentrum Hallenbad

Im Kulturzentrum Hallenbad finden im November keine Veranstaltungen statt. Auch das Restaurant Lido bleibt vom 2. bis 30. November geschlossen, das Kino und der Sauna-Klub sollen nach Möglichkeit im Januar wieder geöffnet werden. Einige Veranstaltungen wurden in das nächste Jahr verschoben, andere ersatzlos gestrichen. Bereits gekaufte Tickets können nur dort zurückgegeben werden, wo sie erworben wurden. Das Vorverkaufsbüro im Hallenbad hat montags von 9 bis 13 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die Mitarbeiter des Hallenbads befinden sich in Kurzarbeit und sind telefonisch nur eingeschränkt erreichbar (Kontakt: info@hallenbad.de).

Museen

Ob auch die Museen von einer Schließung betroffen sind, entscheidet sich voraussichtlich am Freitag, wenn die überarbeitete Landesverordnung vorliegt. „Wir warten hier auch konkrete Bestimmungen seitens der Politik ab. Wir haben eine relativ große Ausstellungsfläche, insofern hoffen wir noch“, sagte Katharina Derlin, Pressesprecherin des Kunstmuseums.

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