Pandemie

Corona-Schnelltests: Alle wichtigen Infos auf einen Blick

| Lesedauer: 7 Minuten
Merkel: Schnelltests könnten Lockdown-Ausstieg ermöglichen

In Deutschland soll es bereits in wenigen Tagen Corona-Schnelltests zur Eigenanwendung geben. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sind "umfassende Schnelltests, gleichsam als Freitesten", Teil einer Strategie für einen Ausstieg aus dem Lockdown.

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Corona-Schnelltests gelten als wichtiges Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Alles zu Varianten, Kosten, Dauer und Durchführung.

Berlin. 
  • Corona-Schnelltests könnten in der Pandemie etwas mehr Normalität ermöglichen
  • Mittlerweile sind in Deutschland auch Laientests für Zuhause zugelassen
  • Zuvor durften Tests nur von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden
  • Wie sicher sind Schnelltests? Was muss man über sie wissen? Hier finden Sie alle Infos

Bis die Impfung in Deutschland für alle Impfwilligen zur Verfügung steht, wird es noch eine Weile dauern. Doch nicht nur das Vakzin, sondern auch Corona-Schnelltests könnten eine schrittweise Rückkehr zur Normalität ermöglichen. Seit der Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung sind auch Laientests erlaubt. Die ersten Produkte für Zuhause wurden bereits zugelassen.

Schnelltests sind eine Alternative zu mehrtägigen PCR-Testuntersuchungen. Sie gelten zwar als weniger zuverlässig, haben jedoch andere Vorteile. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Corona-Schnelltests.

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Wie funktioniert ein Corona-Schnelltest?

Es gibt zwei Arten von Schnelltests zum Infektionsnachweis: PCR-Tests, kurz für Polymerasekettenreaktionstests, und Antigen-Tests.

Bei PCR-Schnelltests kann das Erbgut des Virus nachgewiesen werden, nachdem aus dem Nasen- und Rachenbereich Proben entnommen wurden:

  • Statt das Material in mehreren Schritten im Labor auszuwerten, werden beim Schnellverfahren Kartuschen verwendet
  • In den Kartuschen findet die Polymerasekettenreaktion statt, bei der die Virusprobe vervielfältigt wird
  • Fluoreszierende Stoffe färben die Erreger ein, sodass sie sichtbar gemacht werden. Nach diesem Schritt zeigt sich, ob eine Infektion vorliegt

Die Probenentnahme beim Antigen-Test verläuft ähnlich, der Weg zum Ergebnis ist jedoch ein anderer:

  • Antigen-Tests weisen nicht das Erbgut des Virus nach, sondern bestimmte Proteinstrukturen des Krankheitserregers
  • Die Rachenproben werden auf eine Testkassette aufgetragen
  • Bei der Reaktion zeigt sich, ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest, ob Virusproteine und damit eine Infektion vorliegt. Eine Infektion wird mit zwei farbigen Linien angezeigt

Nicht zu verwechseln mit PCR- und Antigen-Test ist der Antikörper-Test, mit dem untersucht werden kann, ob jemand bereits mit dem Coronavirus infiziert war:

  • Antikörper-Tests untersuchen die Reaktion des Immunsystems auf das Virus
  • Dieser Test ist ungeeignet, um eine Infektion selbst nachzuweisen – nach frühestens vier Wochen kann untersucht werden, ob eine zuvor infizierte Personen nun Abwehrkörper im Blut hat
  • Für die Schnelluntersuchungen werden Tropfen einer Blutprobe in eine Kassette gegeben. Eine Verfärbung stellt ein positives Ergebnis dar

Wie sicher ist der Corona-Schnelltest?

Labormediziner Matthias Orth stuft Antigen-Tests, wie auch PCR-Schnelltests, als nicht so zuverlässig wie mehrtägige PCR-Tests ein. Coronaviren seien sich untereinander sehr ähnlich, weshalb es passieren könne, das ein Test nicht wegen SARS-CoV-2 positiv ist, sondern wegen eines anderen Virus.

Die Hersteller der Antigen-Schnelltests garantieren zwar, dass tatsächlich Sars-CoV-2-Viren nachgewiesen werden – allerdings hänge die Genauigkeit nicht zuletzt von der Viruslast ab.

Auch Virologin Sandra Ciesek bezeichnet die PCR-Variante als „Goldstandard“ der Corona-Untersuchungen. Ein Antigen-Test auf Coronaviren solle für eine hohe Genauigkeit daher im Optimalfall mit einem PCR-Test ergänzt werden. Je weniger Symptome, desto weniger Viren – weshalb die Antigen-Anzeige offenbar nur in schweren Corona-Fällen verlässlich ist.

Corona: Sind Antikörper-Tests zuverlässig?

Was Antikörper-Tests betrifft, seien die Ergebnisse ebenfalls nicht ganz zuverlässig. In diesem Fall kommt es auf den richtigen Zeitpunkt der Blutentnahme an. Entnimmt man Proben in einem Zeitraum von unter vier Wochen nach einer Infektion, können Antikörper nicht genau nachgewiesen werden.

Hat man ein positives Ergebnis, bestehe der Schutz vor einer erneuten Infektion zwar vermutlich – sicher könne man sich aber nicht wirklich sein: Antikörper-Tests können auch mit anderen sehr ähnlichen Viren reagieren. Eine sogenannte Kreuzreaktion könne in diesem Fall auch zu einem positiven Ergebnis führen. „Man kann auch mit einem positiven Testergebnis nicht immun gegen das Virus sein“ sagte Dr. Marc Becker, Facharzt für Labormedizin, im Podcast der Apotheken Umschau: „Klartext Corona“.

Kann ein Corona-Schnelltest eine mutierte Variante nachweisen?

Nein. Um herauszufinden, ob es sich bei einer Coronainfektion um eine mutierte Variante handelt, muss das Erbgut der Virusprobe untersucht werden. Das funktioniert nur mittels Sequenzierung in einem Labor.

Wo kann ich einen Corona-Schnelltest machen?

Mittlerweile gibt es in Deutschland viele Teststellen und niedergelassene Ärzte, bei denen man einen Antigen- oder PCR-Schnelltest machen lassen kann. Außerdem sind auch Laientests für Zuhause zugelassen. Sie sollen ab kommender Woche in Drogerie- und Supermärkten, Discountern sowie Apotheken verfügbar sein. Auch der Kauf über Onlineshops wird möglich.

Einen Termin für den geplanten Verkaufsstart haben erste Händler bereits genannt. Aldi Nord und Aldi Süd wollen ab Samstag einen Schnelltest an den Filialkassen verkaufen. Die Abgabemenge je Kunde sei zunächst auf eine Packung begrenzt, die fünf Einzeltests enthält.

Lesen Sie hier: Sieben Corona-Schnelltests für Laien sind schon zugelassen

Die Drogeriemarktketten dm und Rossmann wollen laut eigener Aussage ab kommendem Dienstag, beziehungsweise ab dem 17. März Schnelltests zum Verkauf anbieten. Voraussetzung sei, dass die Lieferzusagen der Hersteller eingehalten würden, hieß es. Supermärkte und Discounter wie Rewe, Edeka und Lidl prüfen derzeit einen Verkauf, nennen aber keine Termine. Schnelltests für Laien wird es auch in den Apotheken geben. Der Verkauf soll in der kommenden Woche starten.

Bei den neuen Selbsttests wird eine Probe aus dem vorderen Nasenbereich entnommen. Auch Gurgel- und Spucktests sollen bald zugelassen werden. Die durch medizinisches Fachpersonal durchgeführten Schnelltests verlangen einen Abstrich mit einem langen Stäbchen tief in der Nase oder im Rachen. Für viele ist das unangenehm.

Wie lange dauert ein Corona-Schnelltest?

Im Gegensatz zu herkömmlichen PCR-Tests ist die Wartezeit bei den neuen Antigen-Tests rekordverdächtig: Je nach Modell sind die Proben bereits ab zehn bis 15 Minuten ausgewertet – Testpersonen können in den Anlaufstellen vor Ort auf ihre Ergebnisse warten. Ebenso schnell liegen die Ergebnisse von Antikörper-Tests vor.

Abstriche der PCR-Selbsttests, die zu Hause entwickelt werden, zeigen Ergebnisse ebenfalls nach 15 Minuten an. Allerdings gibt es auch Kits, dessen Proben in zuständige Labore geschickt werden müssen. Nach einer Anmeldung in den Online-Portalen der Firmen stehen in zwölf bis 24 Stunden die persönlichen Ergebnisse nach Eingabe von individuellen Codes zum Abruf bereit.

Was kostet ein Corona-Schnelltest?

Wie am 3. März beim Bund-Länder-Treffen beschlossen, sollen ab diesem Montag alle Bürger einmal pro Woche einen Schnelltest machen können. Die Kosten übernimmt der Bund. Für die Schnelltests aus Drogerien und Supermärkten werden die Preise zwischen fünf und zehn Euro je Einzeltest liegen. Mit der Zeit dürften die Stückpreise für Selbsttests sinken, sobald größere Mengen produziert sind und mehr Hersteller eine Zulassung erhalten haben.

Das Diagnostik-Unternehmen Centogen bietet an mehreren Flughäfen in Deutschland kostenpflichtige Tests an. Darunter in Düsseldorf, Frankfurt am Main und Hamburg. Die Express-PCR-Untersuchung kostet mit einer Auswertungszeit von bis zu sechs Stunden 139 Euro. Die Expressuntersuchung mit dem Anitgen-Test 79 Euro.

(duy/jas/raer)

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