Pandemie

Corona in Schweden: Zahlen steigen wieder deutlich an

Kaum ein Land polarisierte mit seiner Corona-Politik mehr als Schweden. Hat sich der Sonderweg ausgezahlt oder kommt die zweite Welle?

Schwedens Chef-Virologe hält Sonderweg grundsätzlich für richtig

Der schwedische Chef-Virologe Anders Tegnell hält den Sonderweg seiner Regierung in der Corona-Krise grundsätzlich für richtig. Dies sagte Tegnell vor Journalisten in Stockholm. Zuvor hatte er in einem Interview mit Sveriges Radio Verbesserungspotential beim Corona-Kurs eingeräumt.

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Berlin. 
  • Schweden ging zu Beginn der Corona-Pandemie anders als viele andere Länder nicht in den Lockdown, was sich zunächst zu rächen schien
  • Die Sterberate in Schweden liegt sogar ungefähr zehnmal höher als in Norwegen und Finnland
  • Jetzt steigen die Zahlen erneut – wenn auch auf niedrigerem Niveau

Weltweit hat der schwedische Sonderweg in der Corona-Bekämpfung für Aufsehen gesorgt. Das größte Land Skandinaviens setzte vermehrt auf Freiwilligkeit statt strenge Maßnahmen: Zumindest rechtliche Lockerheit statt Lockdown.

Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob diese Prämisse, für die Staatsepidemiologe Anders Tegnell verantwortlich war, zu scheitern drohte. Eine hohe Sterberate sowie ein drastisch ausfallender Skandinavien-Vergleich ließen Kritik am schwedischen Weg aufkommen. Die Sterberate in Schweden liegt sogar insgesamt ungefähr zehnmal höher als in Norwegen und Finnland sowie rund fünfmal höher als in Dänemark und Deutschland.

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Corona in Schweden: Durch Sonderweg zur Herdenimmunität?

Nachdem die erfassten Covid-19-Fälle in Schweden lange deutlich höher lagen als in den Nachbarländern Dänemark, Finnland und Norwegen glichen sich seit Mitte August die Zahlen an.

  • Die Dänen erleben eine zweite Welle mit einer steil ansteigenden Kurve.
  • Deutschland lag in den vergangenen Tagen ungefähr auf demselben Infektionsniveau wie Schweden.
  • Die Befürworter des schwedischen Sonderwegs sehen eine Bestätigung dafür, dass er richtig gewesen sei. Lesen Sie hier: Darum ist Schwedens Sonderweg in der Corona-Krise riskant.

„Es gibt Anzeichen dafür, dass Schweden eine Art Immunität gegen die Krankheit erlangt hat, was zusammen mit allem anderen, was sie tun, um die Ausbreitung der Infektion zu verhindern, ausreicht, um die Krankheit niedrig zu halten“, sagte Kim Sneppen, Professor am Niels-Bohr-Institut in Kopenhagen, und Mitglied der königlichen dänischen Wissenschaftsgesellschaft der Zeitung „Politiken“.

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Infektionszahlen stiegen zuletzt wieder deutlich an

Doch es gibt auch viele Kritiker – und die Befürchtungen, dass eine zweite Welle auch Schweden erreichen könnte. Denn dort steigen nun – wie in vielen anderen europäischen Ländern – die Infektionszahlen wieder an. In der vergangenen Woche gab es 2085 Neuinfektionen, in der Woche davor waren es noch 1598. Das bedeutet eine Steigerung von 30 Prozent.

Im Länder-Vergleich liegt Schweden damit immer noch recht weit hinten – jedoch ist der Anstieg der Zahlen auffällig. Ob in Schweden bereits eine Art Herdenimmunität herrscht oder doch eine zweite Welle im Anrollen ist, wird sich also zeigen. (bef)

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