Ermittlungen

Islamistische Attacke in NRW war bereits die zweite Tat

Nach der mutmaßlich islamistisch motivierten Messerattacke in Stolberg ist ein Verdächtiger in U-Haft. Er ist wohl Wiederholungstäter.

Nach einer möglicherweise islamistisch motivierten Attacke in Stolberg (Nordrhein-Westfalen) ist ein Verdächtiger festgenommen worden.

Nach einer möglicherweise islamistisch motivierten Attacke in Stolberg (Nordrhein-Westfalen) ist ein Verdächtiger festgenommen worden.

Foto: David Young / dpa

Stolberg. Nach einer mutmaßlich islamistisch motivierten Messer-Attacke in Stolberg (Nordrhein-Westfalen) bei Aachen ist Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung gegen einen 21-jährigen Verdächtigen erlassen worden. Das teilte ein Sprecher der Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft mit. Demnach wurde der Mann wegen Wiederholungsgefahr in Haft genommen, da er im März schon einmal mit einem Messer einen Menschen attackiert und „Allahu akbar“ („Gott ist groß“) gerufen haben soll.

Der 21-Jährige hatte in der Nacht zum Sonntag um 0.40 Uhr in Stolberg von außen die Fahrertür eines langsam fahrenden Autos geöffnet und laut Polizei unvermittelt mit einem Messer auf den Fahrer (23) eingestochen. Das Opfer habe „schwere Verletzungen erlitten“, so die Polizei. Der 23-Jährige sei in einer Klinik operiert worden.

Messerangriff: Mobiles Einsatzkommando nimmt Verdächtigen fest

Keine 24 Stunden später fand man den Flüchtigen etwa drei Kilometer vom Tatort entfernt. „Der Gesuchte konnte in Stolberg in einem Fahrzeug als Beifahrer durch ein mobiles Einsatzkommando festgenommen werden“, twitterte die Polizei Köln am Sonntagabend.

Der Verdächtige galt beim Staatsschutz bislang als islamistischer Prüffall und wurde nach der Tat in die Kategorie Gefährder hochgestuft. Die Generalstaatsanwaltschaft sieht einen möglichen Zusammenhang der Tat mit der NRW-Kommunalwahl. Der türkische Vater des schwer verletzten 23-Jährigen sei auf einem Werbemotiv der AfD zu sehen gewesen, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, deren Zentralstelle für Terrorismusverfolgung das Verfahren am Montag übernommen hatte.

Auf dem Motiv der AfD Stolberg waren bei Facebook vier Männer und der örtliche AfD-Vorsitzende Hans Wolf zu sehen. Dazu stand der Slogan: „Auch Deutsch-Türken wollen Veränderung.“ Den Ermittlern zufolge sagte der Vater aus, dass er keine Einwilligung für die Wahlwerbung gegeben habe. Der Vater ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Türke. Sein Sohn hat die deutsche Staatsangehörigkeit. Der Beschuldigte sei Deutsch-Iraker.

AfD-Politiker Wolf bestätigte, dass die Partei das Werbemotiv inzwischen bei Facebook gelöscht habe. Das Foto sei zufällig bei einem Rundgang im Stadtteil Mühle entstanden. Für die Veröffentlichung im Internet hätten die Beteiligten zugestimmt. Dass das Foto mutmaßlich zu einer Gewalttat geführt habe, erschüttere ihn. Die Polizei Köln bestätigte, dass Beamte den AfD-Politiker noch am Sonntag aufsuchten, um ihn „präventiv zu beraten“. Wolf selbst sagte, die Polizei habe ihn gewarnt, im Dunkeln alleine vor die Tür zu gehen. Im Notfall solle er die 110 wählen.

Verdächtiger Attentäter wohl schon vor Jahren im Blick des Staatsschutzes

Der „Bild“-Zeitung zufolge soll schon vor der Tat eine Drohung gegen die Männer, die neben Wolf auf dem Foto zu sehen waren, im Internet kursiert haben. Den vier Männern sei dabei vorgeworfen worden, eine antiislamische Partei unterstützt zu haben.

Nach dpa-Informationen war der Verdächtige dem Staatsschutz als Jugendlicher 2016 erstmals aufgefallen, als er bei der umstrittenen Koranverteil-Aktion „Lies!“ dabei war. Im Internet lud der Mann vor wenigen Monaten ein Foto mit einem kleinen Mädchen hoch, auf dem beide den sogenannten „Tauhid-Finger“ zeigen. Das ist eine islamische Geste, die die Terrororganisation IS für sich vereinnahmt hatte. Zu der Tat aus dem März wurden zunächst keine weiteren Details bekannt.

Der 21-Jährige war am Sonntagabend in Stolberg zunächst geflohen und dann von einem Mobilen Einsatzkommando festgenommen worden. Ein 23-jähriger Mann, der mit ihm im Auto saß, ist inzwischen wieder frei. Er werde nur als Zeuge geführt, so die Ermittler.

Die Tat sorgte wegen ihrer möglichen extremistischen Dimension wenige Stunden vor Öffnung der Wahllokale zur Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen für besonderes Aufsehen.

(mit dpa)

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