Corona-Proteste

„Querdenken“-Demo: Kabarettist Schroeder erntet Buhrufe

Kabarettist Florian Schroeder konfrontierte „Querdenken“-Demonstranten in Stuttgart mit dem Grundgesetz. Schnell kippte die Stimmung.

Corona-Demo Berlin: Was diese Menschen auf die Straße zieht

In Berlin demonstrierten Tausende gegen die Corona-Regeln. Einige Teilnehmer leugnen die Existenz des Coronavirus, andere schwenkten Reichsflaggen, andere sprachen von Diktatur. Was sie gemeinsam hatten: Fast keiner von ihnen trug einen Mund-Nase-Schutz. Ein Teil der Demo wurde von der Polizei aufgelöst, weil Hygienemaßnahmen nicht eingehalten wurden.

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Stuttgart. Bei der „Querdenken 711“-Kundgebung in Stuttgart hat am Samstag ein Sammelsurium von Demonstrierenden ein Ende der Corona-Maßnahmen gefordert – unter vermeintlicher Berufung auf das Grundgesetz. Zur Veranstaltung war auch Kabarettist Florian Schroeder eingeladen worden. Der kam, trat auf und prüfte, wie ernst es die Corona-Leugner wirklich mit der Verfassung meinen.

Schroeder sei nach seinem Soloprogramm im NDR zu der „Querdenken“-Kundgebung eingeladen worden. „Ich bin hingegangen und habe in Stuttgart gesprochen. Über das Grundgesetzt, Meinungsfreiheit und den Unterschied zwischen Freiheit und Verantwortungslosigkeit“, schreibt der Kabarettist in seinem YouTube-Kanal, wo das Video seines Auftritts zu sehen ist.

Schroeder entkräftet Argumente der Corona-Leugner

Zu Beginn seines Auftritts erntet der 40-Jährige tosenden Applaus, als er mit den Worten „Mein Name ist Schroeder, und ich komme aus dem Mainstream“ die Bühne betritt. Doch die Stimmung kippt schnell.

„Ihr seid für das Grundgesetz, ich auch. Ihr seid für die Freiheit, ich auch“, betont der Kabarettist. Zunächst verteidigt er die Presse und ihre Berichterstattung. Dann fragt er die Anwesenden, ob sie der Meinung wären, in einer „Corona-Diktatur“ zu leben, woraufhin diese mit einem lauten „Ja“ antworten. „Wenn wir irgendeine Form von Diktatur hätten, dürftet ihr euch hier gar nicht versammeln“, entgegnet Schroeder daraufhin. Erste allgemeine Verunsicherung im Publikum.

Florian Schroeder- Wahrheit Freiheit Satire

Als nächstes nimmt sich Schroeder das Recht zur freien Meinungsäußerung vor, und bedient sich dabei einschlägiger historischer Rhetorik: Auf seine Frage „Wollt ihr die totale Meinungsfreiheit?“, antworten die Demonstrierenden erneut mit einem entschlossenen „Ja“.

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„Dann möchte ich euch mit etwas konfrontieren“, kündigt Schroeder an. „Ich bin der Auffassung, dass Corona eine hochgefährliche, ansteckende Krankheit ist, und ich bin der Überzeugung, dass Maskentragen und Abstand halten das Wichtigste und Beste ist, was wir in diesen Tagen tun können.“ Laute Buh-Rufe und Pfiffe. „Wenn Ihr für Meinungsfreiheit seid, müsst Ihr meine Meinung aushalten“, erklärt der Kabarettist.

„Ich bin der Überzeugung, dass wir eine sehr gute Presselandschaft und ein sehr gutes Grundgesetz haben“, beendet Schroeder seinen Vortrag, während die Menge lautstark protestiert. Freiheit bedeute nicht Verantwortungslosigkeit, sondern Respekt. Er appelliert an die Vernunft der Demonstranten: „Maske auf, Abstand halten, nachdenken.“

„Querdenken 711“: Ehemaliger Fußball-Weltmeister unter den Teilnehmern

Zu der „Querdenken“-Kundgebung in Stuttgart erschienen am Samstag nach Polizeiangaben mehrere Hundert Teilnehmer, die Präsente trugen mit Aufschriften wie „Pandemie der Lügen“, „2020 DDR 2.0“ oder „Mit Maske – ohne mich“. Die Veranstalter sprachen hingegen von 5000 Demonstranten. Bei der Kundgebung trat auch der Ex-Fußballer Thomas Berthold auf.

In Berlin hatten sich Anfang August angeschlossen und dabei getreu ihrer Auffassung weder Masken getragen, noch Abstandsregeln befolgt, weshalb die Polizei die Veranstaltung vorzeitig auflöste. Lesen Sie hier: Debatte bei „Dunja Hayali“: Demo-Verbot für Corona-Leugner?

(raer/dpa)

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