Corona

Reisewarnung: Corona-Test für Rückkehrer aus Risikogebieten

Für Rückkehrer aus Risikogebieten gilt künftig eine Pflicht zum Corona-Test. Vor diesen Ländern und Regionen warnt das Auswärtige Amt.

Bundesregierung warnt wegen Corona vor Reisen nach Nordspanien

Das Auswärtige Amt hat eine offizielle Reisewarnung für die nordspanischen Regionen Katalonien, Aragón und Navarra herausgegeben: Vor nicht notwendigen touristischen Reisen werde derzeit aufgrund erneut hoher Infektionszahlen und örtlicher Absperrungen gewarnt.

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Berlin. 
  • Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen ins Ausland. Ausgenommen sind die meisten EU-Länder, Großbritannien sowie Schengen-assoziierte Staaten
  • Wer aus einem Risikogebieten zurückkommt, muss sich einem Corona-Test unterziehen
  • Für welche Länder und Regionen gilt die Reisewarnung konkret? Wie laufen die Corona-Tests für Reiserückkehrer ab? Alle wichtigen Informationen im Überblick

Wegen der Corona-Pandemie blieben die Grenzen lange geschlossen, an Urlaub außerhalb von Deutschland war nicht zu denken. Die Situation änderte sich pünktlich zu Beginn der Sommerferien. Zahlreiche deutsche Touristen entschieden sich trotz des Virus für eine Reise ins Ausland.

Obwohl einige Urlaubsregionen einen Anschein von Normalität erwecken, bleibt das Reisen in Zeiten von Corona eine komplizierte Angelegenheit. Vielerorts steigen die Infektionszahlen wieder, was sowohl das Auswärtige Amt als auch das Gesundheitsministerium mit Sorge zur Kenntnis nehmen.

Die Situation in Spanien ist beispielsweise angespannt: Für Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava sowie die westlich davon im Landesinneren liegenden Regionen Aragón und Navarra hat das Auswärtige Amt erneut Reisewarnungen herausgegeben. Gleiches gilt für Antwerpen in Belgien. Auch in Bulgarien und Rumänien hat die Regierung Reisewarnungen für verschiedene Regionen ausgesprochen. Lesen Sie dazu: Corona-Lage in Spanien spitzt sich zu – von diesen Regionen rät das Auswärtige Amt ab.

Urlaub in Corona-Risikogebieten ist zwar nicht verboten – doch Rückkehrende müssen sich auf Corona-Pflichttests einstellen, die teilweise direkt am Flughafen erfolgen können. Das hat Gesundheitsminister Jens Spahn angeordnet. Die Regierung will ein zweites Ischgl unbedingt verhindern. Aktuell sind besonders Rückkehrer aus Südosteuropa gefährdet, sich auf der Reise mit dem Coronavirus infiziert zu haben.

Reisewarnungen: Auswärtiges Amt warnt vor Corona-Risikogebieten

Welche Länder noch als Corona-Risikogebiete gelten, darüber informiert das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite.

Auf der Internetseite werden unter der Kategorie „Sicher Reisen“ tagesaktuelle Hinweise zu den jeweiligen Reiseländern bereitgestellt. Die Informationen richten sich immer nach dem aktuellen Infektionsgeschehen in den einzelnen Ländern. Dort sind auch Risikogebiete aufgezählt.

Auch auf Reisen gelten Hygienestandards und Sicherheitsvorkehrungen zur Eindämmung der Coronapandemie halten. Die Infektionszahlen können jederzeit und überall wieder steigen. Deshalb ist es besonders wichtig, aktuelle Entwicklungen zu beobachten. Lesen Sie hier: Diese Länder gelten als neue Corona-Hotspots.

Corona: Was bedeutet die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes?

Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ist kein Reiseverbot. Vielmehr sollten sich Reisende darüber im Klaren sein, dass sie auf eigene Verantwortung unterwegs sind. Wird für das Reiseland eine Reisewarnung verhängt, kann dies rechtliche Auswirkungen auf die Reisekrankenversicherung oder die Stornierungsmöglichkeiten der Buchung haben.

Es kann auch im Ausland zu Einschränkungen im Flugverkehr, drastischen Quarantänemaßnahmen oder Ausgangssperren kommen. Zudem wird es nicht noch einmal eine Rückholaktion wie zu Beginn der Pandemie geben – das haben Außenminister Heiko Maas (SPD) und das Auswärtige Amt mehrmals betont. Lesen Sie hier: Corona in Österreich: So geht das Land mit neuen Fällen um

Reisen trotz Corona-Pandemie: Wo gilt keine Reisewarnung?

Für die folgenden Länder gilt derzeit keine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes (Stand 8. August):

  • Mitgliedstaaten der Europäischen Union: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Niederlande, Griechenland, Kroatien, Lettland, Litauen, Malta, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Republik Zypern
  • in Schengen-assoziierte Staaten: Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz
  • Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland, Andorra, Monaco, San Marino und der Vatikanstaat
  • Für bestimmte Teile der Türkei: Hierzu zählen die Provinzen Aydin, Izmir und Muğla in der Agäisregion sowie die Provinz Antalya

Es kann jederzeit zu Änderungen kommen. Unabhängig davon, ob für ein Land eine Reisewarnung besteht oder nicht, kann es trotzdem Einreisebeschränkungen oder Quarantänemaßnahmen geben. Auch interessant: Partys auf den Kanaren sorgen für Angst vor Corona-Ausbrüche.

Corona: Für welche Länder gibt es eine Reisewarnung?

Das Auswärtige Amt warnt vor touristischen Reisen in alle Länder, die nicht oben aufgeführt sind. Dies gilt vorerst bis einschließlich 31. August 2020.

Für Spanien gilt eine Sonderregelung: Das Auswärtige Amt rät von touristischen Reisen in mehrere spanische Regionen ab. Betroffen sind Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava sowie die westlich davon im Landesinneren liegenden Regionen Aragón und Navarra. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Reisewarnung. Das Abraten von Reisen ist quasi eine „Alarmstufe“ darunter.

Eine Reisewarnung hat das Auswärtige Amt zuletzt für mehrere Regionen in Bulgarien und Rumänien ausgesprochen. In Bulgarien zählen dazu die bulgarische Touristenhochburg Warna mit dem beliebten Urlaubsort Goldstrand, Blagoewgrad und Dobritsch. In Rumänien sind die Kreise Argeș, Bihor, Buzău, Neamt, Ialomita, Mehedinti und Timiş betroffen. Die wichtigsten rumänischen Urlaubsregionen in Siebenbürgen und am Schwarzen Meer sind von der Warnung ausgenommen.

Wegen eines deutlichen Anstiegs von Corona-Fällen warnt das Auswärtige Amt auch vor touristischen Reisen in die belgische Region Antwerpen.

Zuvor hatte die Provinzregierung von Antwerpen bereits selbst von Reisen in die Region abgeraten. Dort übersteigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen derzeit die Marke von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Solche Regionen hat das Robert Koch-Institut zu Risikogebieten erklärt.

Touristen aus Deutschland können derzeit grundsätzlich problemlos in andere Regionen Belgiens einreisen. Am Flughafen Brüssel wird allerdings mit Wärmekameras die Temperatur aller Passagiere gemessen. Bei mehr als 38 Grad könnte die Einreise verweigert werden. Lesen Sie hier: Belgien – Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Antwerpen

Wegen steigender Corona-Fallzahlen – zuletzt waren es durchschnittlich mehr als 300 pro Tag – sind die Beschränkungen wieder verschärft worden. So gilt eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen mit viel Publikum sowie in Bussen und Bahnen, Museen und Geschäften. Gäste in Kneipen und Restaurants müssen Kontaktdaten hinterlassen. Einkaufen gehen darf man nur noch alleine und für maximal 30 Minuten.

Gut zu wissen: Überschreitet ein Land die Neuinfiziertenzahl im Verhältnis zur Bevölkerung von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner kumulativ in den letzten sieben Tagen, bleibt die Reisewarnung bestehen oder wird wieder ausgesprochen. Dies gilt aktuell für Luxemburg.

Für welche Länder gelten EU-Einreisebeschränkungen?

Die EU-Länder haben die verhängten Einreisebeschränkungen auch wieder auf M arokko ausgeweitet. Nach einem Beschluss dürfen Reisende aus dem nordwestafrikanischen Staat nur noch dann in die EU kommen, wenn dies zwingend notwendig ist.

Lediglich Menschen aus zehn Ländern dürfen demnach noch normal in die EU einreisen. Zu den Staaten gehören Australien, Kanada, Georgien, Japan, Neuseeland, Ruanda, Südkorea, Thailand, Tunesien und Uruguay.

Zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie hatten sich Mitte März alle EU-Staaten außer Irland sowie die Nicht-EU-Staaten Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island darauf geeinigt, nicht zwingend notwendige Reisen in die EU zunächst zu verbieten. Anfang Juli wurde dieser Einreisestopp dann erstmals wieder gelockert. Grundsätzlich ist er aber nicht bindend. Mehrere EU-Staaten legen die Empfehlungen strenger aus.

Grundlage der EU-Liste ist vor allem die Zahl der neuen Covid-19-Fälle in den vergangenen 14 Tagen pro 100.000 Einwohner. Sie soll nahe am oder unter dem EU-Durchschnitt liegen. Aber auch Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, der Trend der Infektionszahlen und die allgemeine Reaktion des jeweiligen Landes auf die Pandemie spielen eine Rolle. Für Staaten, aus denen Bürger noch nicht wieder einreisen dürfen, sind Ausnahmen vorgesehen – etwa für EU-Bürger und ihre Familien.

Corona-Testpflicht für Reise-Rückkehrer: Wer kann sich jetzt testen lassen?

Die Testmöglichkeiten wurden in den vergangenen Wochen stark ausgedehnt. Bundesweit gilt: Reiserückkehrer können sich innerhalb von 72 Stunden kostenlos testen lassen. An vielen Flughäfen ist das mittlerweile möglich, Testzentren sollen auch an großen Bahnhöfen eingerichtet werden.

Auch Ärzte und Gesundheitsämter bieten Tests an. Wer wissen will, wo er sich am besten testen lassen kann, bekommt vom örtlichen Gesundheitsamt oder unter der kassenärztlichen Hotline 116 117 Hinweise.

Zudem gibt es seit 8. August eine Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten. Das ordnete Gesundheitsminister Jens Spahn an. Lesen Sie auch: dm bietet Corona-Schnelltest an - auch in Deutschland erhältlich?

Abgesehen für die Reiserückkehrer empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI) einen Test derzeit nur bei Menschen mit konkretem Risiko. Heißt: Wer Symptome an sich beobachtet, wer als Kontaktperson eines Infizierten gilt, wer als Patient oder Bewohner in eine medizinische oder pflegerische Einrichtung einzieht, wer im Krankenhaus oder in der Pflege beschäftigt ist. Laut Spahn sind derzeit bundesweit pro Woche 1,2 Millionen Tests möglich, die Hälfte davon werde abgerufen.

Der Minister rechnet mit einer Zunahme der Tests: „Wir werden sehen – da bin ich sehr sicher – in den nächsten Wochen, dass deutlich mehr getestet werden wird.“ Ein weiterer Grund dafür: Mehrere Bundesländer, darunter Berlin und Nordrhein-Westfalen, bieten nun Lehrern, Erziehern und Tagesmüttern an, sich vorsorglich, also unabhängig von einem konkreten Verdacht, testen zu lassen.

Wie werden die Tests für Reiserückkehrer angenommen?

Die Regel gilt noch nicht so lange – doch offenbar werden die kostenlosen Tests für Reiserückkehrer bereits gut genutzt: An den Flughäfen im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen hätten 40 bis 50 Prozent der Rückkehrer das Angebot genutzt, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Bei Corona-Tests von Reiserückkehrern, die aus Risikogebieten gekommen seien, wären 2,5 Prozent positiv ausgefallen.

Allein in NRW waren in der letzten Woche rund 15.000 Passagiere aus Gebieten gelandet, die derzeit vom RKI als Risikogebiet ausgewiesen sind. Getestet werden soll jedoch nicht nur an Flughäfen: Neben Bayern will auch Sachsen Corona-Tests an Grenzübergängen möglich machen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer rief Urlaubsrückkehrer dazu auf, sich unverzüglich testen zu lassen. „Und zwar nicht erst nach einer oder nach zwei Wochen, sondern unmittelbar nach der Rückkehr“, sagte der CDU-Politiker unserer Redaktion.

Wie läuft die Testpflicht ab?

Reiserückkehrer aus Ländern, die auf der Risikoliste des RKI stehen, müssen sich nach der Einreise nach Deutschland direkt an ihren Zielort begeben, sich beim Gesundheitsamt melden und innerhalb von 72 Stunden einen Test vorlegen – sich also möglichst schon bei der Einreise am Flughafen testen lassen.

Bis ein negatives Testergebnis vorliegt, sollen sie sich in häusliche Quarantäne begeben. In der Regel dauert die Laboruntersuchung 24 bis 48 Stunden. Auch interessant: Risikogebiete des Auswärtigen Amtes – Wenn Arbeitnehmer in Quarantäne müssen

Das Testergebnis muss dann dem zuständigen Gesundheitsamt übermittelt werden. Um zu kontrollieren, wer überhaupt aus einem Risikogebiet kommt, sollen Rückkehrer im Flugzeug, im Bus oder im Zug noch vor dem Grenzübertritt sogenannte Aussteigerkarten ausfüllen.

Die Daten sollen den Gesundheitsbehörden übermittelt werden – sodass sie die Einhaltung von Pflichttest und Quarantäne stichprobenartig kontrollieren können.

Reicht ein Test – und wer zahlt?

Die Frage eines zweiten Tests ist noch nicht geklärt: Nach fünf bis sieben Tagen sei eine Wiederholungstestung „sinnvoll“, heißt es im Gesundheitsministerium. Denn: Wer sich unmittelbar vor der Rückreise infiziert hat, hat wegen der Inkubationszeit oft noch ein fälschlicherweise negatives Ergebnis.

Die Kosten für freiwillige und verpflichtende Tests, auch für Wiederholungstests, übernehmen bei Reiserückkehrern die Krankenkassen. Sie zahlen darüber hinaus immer dann, wenn ein Arzt den Test für notwendig erachtet hat.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil warnte bereits davor, sich bei der Pandemiebekämpfung zu sehr auf Corona-Tests zu verlassen. „Ich halte wenig von freiwilligen kostenlosen Tests für alle“, sagte der SPD-Politiker unserer Redaktion. „Ein negatives Testergebnis könnte zu einem sorglosen Verhalten führen, obwohl das Ergebnis nur eine Momentaufnahme ist.“

Corona-Tests könnten und dürften „nicht das verantwortungsvolle Verhalten ersetzen“, betonte Weil. Verpflichtende Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten halte er allerdings für sinnvoll, fügte der Regierungschef hinzu.

Kommt die Testpflicht für alle?

Eine allgemeine Testpflicht ist unwahrscheinlich. Denn: Ein Pflichttest ist ein Eingriff in die grundgesetzlich geschützte körperliche Unversehrtheit und muss gut begründet sein. Dabei geht es darum, die Verhältnismäßigkeit zu wahren – auch mit Blick auf Kosten und Kapazitäten.

Im Fall der Reiserückkehrer aus Risikoländern sieht die Regierung das so. Bei lokalen Ausbrüchen sind Reihentestungen im Übrigen schon länger möglich: In Regionen mit vielen Neuinfektionen kann sogar die gesamte Bevölkerung stichprobenartig getestet werden.

Lesen Sie hier: Familie aus Cottbus steckt sich offenbar im Mallorca-Urlaub mit Corona an.

(raer/amw/gau/jule)

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