Trauerfall

Georg Ratzingers Beerdigung wohl ohne Papst Benedikt

Georg Ratzinger ist im Alter von 96 Jahren in Regensburg gestorben. Der Bruder von Papst Benedikt war ein renommierter Kirchenmusiker.

Georg Ratzinger: Das war der Bruder von Papst Benedikt XVI.

Mit 96 Jahren ist der letzte lebende Angehörige des emeritierten Papstes gestorben. Er liebte die Musik: Sein Spitzname lautete Orgelratz.

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Berlin. Der Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI., Georg Ratzinger, ist tot. Das teilte der Vatikan vergangenen Mittwoch mit. Der langjährige Leiter der Regensburger Domspatzen wurde 96 Jahre alt. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (93) hatte seinen schwerkranken Bruder kurz zuvor in Bayern fünf Tage lang besucht und war dann wieder in den Vatikan zurückgekehrt.

Mit einem großen Requiem nimmt das Bistum Regensburg am Mittwoch Abschied von Georg Ratzinger. Anschließend folgt die Beisetzung im Stiftungsgrab der Regensburger Domspatzen. Diese hatte Ratzinger als Domkapellmeister 30 Jahre lang geleitet.

Zu der Beerdigung seines älteren Bruders wird Benedikt XVI. voraussichtlich nicht kommen. „Wir gehen davon aus, dass Benedikt nicht nach Regensburg reisen können wird“, sagte der Sprecher des Bistums Regensburg, Clemens Neck, am Mittwoch. Nach Bistumsangaben sind im Requiem Grußworte von Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein vorgesehen. Die Feier kann demnach im Livestream verfolgt werden.

Georg Ratzinger: Enger Kontakt zu seinem Bruder Papst Benedikt

Georg Ratzinger kam am 15. Januar 1924 in Pleiskirchen bei Altötting zur Welt. Er besuchte das Priesterseminar und wurde 1951 zum Priester geweiht. Danach studierte er an der Münchner Musikhochschule Kirchenmusik, schloss dort 1957 den Meisterkurs ab und wurde dann Chordirektor in Traunstein. Am 1. Februar 1964 übernahm er den Posten des Domkapellmeisters am Regensburger Dom und wurde damit auch Chef der Regensburger Domspatzen. An deren Spitze stand er bis 1994.

Bis zu seinem Tod pflegte Georg Ratzinger engen Kontakt zu seinem Bruder. Sowohl während dessen Pontifikats von 2005 bis 2013 als auch danach besuchte er ihn regelmäßig im Vatikan. In seiner Zeit als Kurienkardinal in Rom hatte Joseph Ratzinger mehrmals im Jahr seinen Bruder in Regensburg besucht. Als Benedikt XVI. im Herbst 2006 für mehrere Tage nach Bayern kam, kehrte er noch einmal im Haus seines Bruders in der Regensburger Stadtmitte ein.

Anfang August 2005 erlitt Georg Ratzinger in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei einem gemeinsamen Urlaub mit seinem Bruder einen Herzanfall. Daraufhin wurde ihm in der römischen Gemelli-Klinik ein Herzschrittmacher eingesetzt. Nach nur wenigen Tagen konnte Ratzinger, der wegen Augenproblemen auch kaum mehr etwas sehen konnte, die Klinik wieder verlassen. Zuletzt bereitete ihm das Gehen Probleme.

Georg Ratzinger: Ehemalige Chorknaben erhoben Vorwürfe

Sein musikalisches Wirken brachte Ratzinger breite Anerkennung. Er führt die kirchlichen Ehrentitel Monsignore und päpstlicher Ehrenprälat. Außerdem trägt er den Bayerischen Verdienstorden und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

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Im Zuge der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals der katholischen Kirche gab es auch Vorwürfe gegen Georg Ratzinger. Während dieser davon sprach, allenfalls „Ohrfeigen“ an Chorknaben verteilt und sich ab 1980 an das gesetzliche Verbot der Züchtigung gehalten zu haben, soll er nach einem Bericht zu Vorfällen in dem Chor von Kindern als „Schläger“ wahrgenommen worden sein. Auch nach 1980 soll er zumindest in Einzelfällen Gewalt angewandt haben.

(AFP/dpa)

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