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Kindertag: Warum feiern wir in Deutschland zweimal im Jahr?

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Kinder in der Coronakrise: "Nichts macht mehr Spaß"

Kinder in der Coronakrise- Nichts macht mehr Spaß

Auch wenn die Einschränkungen in der Corona-Krise langsam fallen: Für Kinder bleibt die Lage angespannt. Bis zu den Sommerferien werden viele Schüler nur stundenweise in die Schule gehen können. Wie es danach weitergeht, ist unklar. Auch dem zehnjährigen Titus aus Berlin hat der zweimonatige Corona-Lockdown schwer zugesetzt.

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Am 1. Juni feiert man vielerorts den internationalen Kindertag. Doch was unterscheidet ihn vom Weltkindertag am 20. September?

Berlin. Am 1. Juni ist internationaler Kindertag – daran erinnert auch das niedliche aktuelle Google Doodle, auf dem eine Gruppe spielender Kinder zu sehen ist. Aber warum begeht man den Tag überhaupt – und was ist der Unterschied zum Weltkindertag am 20. September? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Kindertag: Geschichtlicher Hintergrund

Viele Länder auf der ganzen Welt feiern mindestens einmal im Jahr einen Kindertag. Das erste Land, das 1920 einen Kindertag einführte, war die Türkei, wie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf seiner Webseite schreibt. 1954 empfahl schließlich das Weltkinderhilfswerk der Vereinten Nationen, dass jeder Staat einen Weltkindertag begehen sollte, um auf die Rechte der Jüngsten aufmerksam zu machen.

Warum werden in Deutschland zwei Weltkindertage gefeiert?

Dass es zwei Kindertage in Deutschland gibt, lässt sich auf die deutsche Teilung zurückführen. Während die Bundesrepublik Deutschland nach der Empfehlung des Weltkinderhilfswerks in den 1950er Jahren den Kindertag am 20. September einführte, gab es in der DDR bereits seit 1950 den internationalen Kindertag am 1. Juni – genau wie in vielen anderen sozialistischen Ländern. Seit der Wiedervereinigung werden beide Tage meistens sowohl in den alten als auch in den neuen Bundesländern gefeiert.

Internationaler Kindertag: Wer hat ihn erfunden?

1948 wurde auf dem Weltkongress der Internationalen Demokratischen Frauenföderation vorgeschlagen, einen jährlichen Kindertag zu feiern, um die Jüngsten der Gesellschaft zu würdigen. Die Föderation wurde als antifaschistische Frauenorganisation unter Beteiligung sowjetischer und französischer Frauen gegründet. Moskau folgte dem Vorschlag bereits ein Jahr später und führte am 1. Juni 1949 den internationalen Kindertag ein.

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Was passiert am internationalen Kindertag?

Am internationalen Kindertag am 1. Juni finden normalerweise vielerorts Feste und Aktionen für Kinder statt. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie fallen die Veranstaltungen 2020 jedoch größtenteils aus. Stattdessen gibt es Livestreams und Sondersendungen für die Kleinen.

Die Politik nutzt das Datum, um auf die Bedürfnisse von Kindern auf der ganzen Welt aufmerksam zu machen. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller rief anlässlich des Kindertags zum Kauf fairer Produkte auf: „Kinder brauchen eine Zukunft. Deswegen können wir es auch nicht länger einfach hinnehmen, dass 70 Millionen Kinder in den Entwicklungsländern unter ausbeuterischen Bedingungen schuften müssen - auch für unsere Konsumgüter. Das ist moderne Sklaverei“, teilte der CSU-Politiker mit.

„Sie schuften für Ressourcen wie Coltan, Kupfer oder Kobalt, ohne die kein Auto oder Computer bei uns hergestellt werden kann. Oder arbeiten für wenige Cent den ganzen Tag auf der Plantage für unseren Kaffee oder Bananen, statt in die Schule gehen zu dürfen.“ Es sei nötig, umzudenken und Initiativen für Kinder zu unterstützen.

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Ist der internationale Kindertag ein Feiertag?

Dass der internationale Kindertag 2020 auf den Pfingstmontag fällt, ist reiner Zufall. Normalerweise handelt es sich beim Kindertag am 1. Juni nicht um einen Feiertag. Anders verhält es sich mit dem Weltkindertag in Thüringen: Seit 2019 ist der 20. September ein Feiertag im Freistaat. In den anderen 15 Bundesländern handelt es sich aber um einen ganz normalen Arbeitstag.

Gibt es Geschenke am Kindertag?

Was im Westen von Deutschland teilweise auf Verwunderung stößt, ist in den neuen Bundesländern eine beliebte Tradition: Geschenke für die Kinder anlässlich des Kindertags. In der DDR war es in der Regel üblich, die Kleinen an dem Tag zu beschenken. Auch heute freuen sich besonders im Osten des Landes am 1. Juni viele Kinder über neue Spielsachen.

DDR: So feierte man den internationalen Kindertag

In der DDR kam der internationale Kindertag einem mit viel Vorfreude erwarteten Großereignis gleich, wie das Deutsche Kinderhilfswerk auf seiner Webseite erinnert. Schulen verzichteten an dem Datum teilweise auf regulären Unterricht, um stattdessen Feste mit den Kindern zu feiern. Mit den Feierlichkeiten ging es anschließend zuhause oder auf öffentlichen Plätzen weiter.

Welche Kindertage gibt es noch?

Neben dem Weltkindertag am 20. September wird auch am 20. November ein Tag für die Kinder gefeiert – und zwar von den Vereinten Nationen. An dem Datum wird der internationale Tag der Kinderrechte zelebriert, weil die Vereinten Nationen im Jahr 1989 die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet haben.

(raer/mit dpa)

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