Interview

Kebekus: „Ich will den Finger mehr in die Wunde legen“

Carolin Kebekus spricht im Interview über ihre neue ARD-Sendung, die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Humor und ihr neues Talent.

Carolin Kebekus während der Premiere von „Der kleine Drache Kokosnuss - Auf in den Dschungel“ in München. Am Donnerstag startet ihre neue Satiresendung in der ARD.

Carolin Kebekus während der Premiere von „Der kleine Drache Kokosnuss - Auf in den Dschungel“ in München. Am Donnerstag startet ihre neue Satiresendung in der ARD.

Foto: Hannes Magerstaedt / Getty Images

Köln. Sie gilt als lustigste Frau Deutschlands: Carolin Kebekus. Nach dem Aus ihrer Show „PussyTerror TV“ kehrt die Komikerin jetzt mit einer neuen Satiresendung auf den Bildschirm zurück: Auch in „Die Carolin Kebekus Show“ will die 40-Jährige wieder mit ätzendem Spott und beißender Ironie Promis, Politiker und Influencer durch den Kakao ziehen. Die Personalityshow läuft ab dem 21. Mai (23.30 Uhr) immer donnerstags im Ersten, für 2020 sind acht Folgen geplant.

Mitten in der Corona-Krise starten Sie Ihre neue Satireshow. Wieviel Raum wollen Sie der Pandemie darin geben?

Carolin Kebekus: Ich werde Corona nicht zu meinem Hauptthema machen, aber natürlich passieren auch in einer furchtbaren Pandemie lustige Dinge, zum Beispiel einige der Verschwörungstheorien rund um Corona. Erdogan etwa hat gesagt, dass die Homosexuellen an der Pandemie Schuld sind. Da habe ich laut gelacht, als ich es gelesen hab, und dazu fallen mir tausend mögliche Gags ein.

Also ist die Krise für Entertainer auch eine Inspirationsquelle?

Kebekus: Ich habe ein Problem damit, Corona als kreative Quelle zu sehen. Bei Donald Trump sagt man oft: Mist, dass es den gibt, aber für Comedians ist es toll, weil man daraus so viel machen kann. Das würde ich für Corona nicht sagen, denn es ist für viele Menschen lebensgefährlich und auch einfach frustrierend. Im Lockdown kreativ zu sein, finde ich persönlich schwierig.

Warum?

Kebekus: Die kreativen Konferenzen mit meinen Autoren sind anders als sonst. Normalerweise sitzen wir alle an einem Tisch, da sagt auch mal eine Minute lang keiner was oder man schaut sich bei Youtube was an. In den Videokonferenzen ist das anders, schon allein wegen der nervigen Zeitverzögerung. Ich war froh, dass ich in der Vorbereitung der Show wenigstens mal andere Themen recherchieren konnte, als immer nur daheim zu sitzen und mich über Neuinfektionen, Impfstoffe und solche Sachen zu informieren.

Ihre alte Show „PussyTerror TV“ gibt es nicht mehr, stattdessen kehren Sie nun mit „Die Carolin Kebekus Show“ auf den Bildschirm zurück. Was verbinden Sie mit dem neuen Titel?

Kebekus: Ich wollte mich mal von der „Pussy“ lösen. Es ist eine Personalityshow, in der ich meine Sicht auf die Welt von mir gebe und die so heißt wie ich. Ich finde es gut, dass mein Name jetzt nicht mehr hinter der Provokation versteckt ist.

Was ändert sich außer dem Namen noch?

Kebekus: Wir kriegen ein neues Studio, das wahnsinnig gut aussieht. Wegen Corona können wir momentan keine Band und kein Live-Publikum haben, das ist schade, aber auch eine neue Herausforderung. Und wir arbeiten jetzt mit der „bildundtonfabrik“ zusammen, das ist die Produktionsfirma, mit der ich vor Jahren mein „Dunk den Herrn“-Video gedreht habe und die alles mit Jan Böhmermann macht.

Sie haben Jan Böhmermann schon vor Jahren beim WDR in der Kaffeeküche kennengelernt, als Sie dort ein Praktikum gemacht haben. Wird er mal in Ihrer neuen Sendung reinschauen?

Kebekus: Wir waren damals gleichzeitig Praktikanten beim Radiosender 1Live, und seitdem laufen wir uns immer wieder mal über den Weg. Da gibt es auch Dinge, über die wir uns austauschen. Aber ich glaube, dass Jan gerade eine Fernsehpause macht und in keine Show als Gast geht.

Ihr „Dunk den Herrn“-Satirevideo war kirchenkritisch und hochumstritten. Wie konfrontativ wird Ihre neue Show?

Kebekus: Konfrontative Elemente wird es definitiv geben. Ich will den Finger mehr in die Wunde legen, mich manchen Themen auch mal länger widmen.

Welche Themen sind das?

Kebekus: Ein Beitrag ist von dem Buch „Unsichtbare Frauen“ inspiriert. Es geht darum, dass Frauen speziell in den technischen Bereichen des öffentlichen Lebens keine Rolle spielen, weil da nur mit männlichen Daten gearbeitet wird. Es gibt zum Beispiel keine Crashtest-Puppe, die einen Frauenkörper darstellt – alles, was wir an Airbags und Unfallvermeidung im Auto haben, ist auf Männer ausgelegt. Oder das neue künstliche Herz, das jetzt entwickelt wurde und das fantastisch funktionieren soll. Kleiner Haken: Für Frauen ist es zu groß.

Gibt es in Ihrer Personalityshow auch ein Wiedersehen mit den beliebten Sketch-Figuren aus „PussyTerror TV“?

Kebekus: Es geht weiter mit den beiden Influencerinnen Rebecca und Larissa, darüber bin ich total glücklich – da ist mein Bruder übrigens als Regisseur mit an Bord.

In jüngster Zeit gab es mehrere Angriffe auf Kamerateams, unter anderem eines der „heute show“, für die Sie ja auch arbeiten…

Kebekus: Das ist an Feigheit, Dreistigkeit und Aggressivität nicht zu überbieten. Egal welche Gruppe dahintersteht, das kann man nur verurteilen. Das sind Kollegen, die ich kenne – das hätte auch ich sein können, die da dreht. Es ist ein absurdes Gefühl, wenn man plötzlich mit einer solchen Gewalt in Berührung kommt.

Sie haben gepostet, dass Ihre Mama Ihnen in der Zeit des Lockdowns per Videotelefonie das Stricken beigebracht hat. Gibt es schon ein fertiges Werk, vielleicht ja einen Mund-Nase-Schutz?

Kebekus: Nee… Ich glaube, das wäre gestrickt auch nicht so richtig wirkungsvoll, weil durch die Maschen der Atemstrom relativ ungehindert durchgeht. Mir tut derjenige leid, der mein erstes Strickstück bekommt. Es soll ein Pullover werden. Er wird vermutlich nicht der schönste, aber immerhin ein Unikat.

Haben Sie sich als Kind für so klassische Mädchensachen wie Stricken überhaupt interessiert?

Kebekus: Durchaus, und ich bin eine begeisterte Häklerin. Ich habe von meiner Oma Häkeln gelernt. Als Kind wollte ich mir damals ein gehäkeltes Oberteil kaufen, dafür hat mein Taschengeld aber nicht gereicht. Ich dachte damals, sie zeigt mir, wie das geht und ich häkle mir das Oberteil nach. So einfach war es natürlich nicht, ich habe erst mal nur einen Schal für meine Puppe gehäkelt. Aber irgendwann hat es geklappt, und seitdem bin ich sehr gut im Häkeln.

Was fabrizieren Sie denn so?

Kebekus: Ich häkle viele kleine Tiere, die ich verschenke, wenn in meinem Freundeskreis ein Kind geboren wird. Jetzt habe ich zum Beispiel gerade eine kleine Fledermaus gemacht und einen kleinen Frosch.

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