Tourismus

Türkei-Urlaub: Im Anschluss Quarantäne-Pflicht wegen Corona?

Die Türkei ist bei den Deutschen ein beliebtes Reiseziel. Doch das Land wurde als Corona-Risikogebiet eingestuft. Das muss man wissen.

Türkei kämpft um Touristen

Die Corona-Pandemie hat den Tourismus in der Türkei hart getroffen. In Antalya sind bislang kaum Gäste eingetroffen, obwohl sich die Branche nach Kräften bemüht, den Touristen die Angst zu nehmen.

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Berlin. 
  • Personen, die die Türkei besucht haben, müssen 14 Tage lang in Quarantäne, wenn sie zurück in Deutschland sind
  • Das hat die Bundesregierung aufgrund der Entwicklung der Corona-Infektionszahlen in dem Land am Bosporus beschlossen
  • Das Auswärtige Amt stufte die Türkei als Risiko-Gebiet ein und verlängerte außerdem die Reisewarnung für das Land
  • Der türkische Botschafter in Berlin äußerte sich kritisch zu der Entscheidung
  • Finden Sie heraus, welche Corona-Maßnahmen und -Regeln in der Türkei gelten, zum Beispiel für Hotels

Die Küstenregion rings um Antalya gleicht aktuell einer Geisterstadt. Während Touristen sonst früh aufstehen müssen, um eine Liege zu ergattern, haben sie nun freie Wahl. Die Corona-Pandemie hat auch die Tourismusindustrie in der Türkei schwer getroffen.

Zwar hat die Türkei hat am 11. Juni das Einreiseverbot für Deutsche aufgehoben, doch die Bundesregierung hat den türkischen Urlaubsplänen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

So wurde die Türkei – zusammen mit 130 weiteren Ländern – als Corona-Risikogebiet eingestuft. Einreisende Türkei-Urlauber müssen in Deutschland damit rechnen, dass sie 14 Tage in Quarantäne müssen. Zudem gilt eine verlängerte Reisewarnung bis zum 31. August.

Doch was bedeuten Risikogebiet-Einstufung und Reisewarnung für den Türkei-Urlaub? Das muss man jetzt wissen:

Türkei ist Corona-Risikogebiet: Was bedeutet das?

Mitte Juni ernannte die Bundesregierung die Türkei zum Corona-Risikogebiet, das heißt, in dem Land besteht laut Behörden ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit SARS-CoV-2. Auf einer Liste, die vom Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht wurde und regelmäßig aktualisiert wird, stehen daneben auch andere beliebte Urlaubsländer der Deutschen wie Ägypten, Thailand und Marokko.

Einreisende aus einem Risikogebiet müssen damit rechnen, dass sie in Deutschland 14 Tage in Quarantäne müssen. Zur konkreten Umsetzung der Maßnahmen sind die Bundesländer zuständig. Allerdings können Urlauber aus der Türkei von der Quarantäneregelung befreit werden, wenn sie bei der Einreise nach Deutschland einen negativen Corona-Test vorweisen können, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Die Türkei hat diese Einstufung kritisiert. „Eine solche Einstufung stimmt unseres Erachtens auf keinen Fall mit der objektiven Sachlage überein und die Türkei verdient nicht eine solche Klassifizierung“, erklärte die türkische Botschaft in Berlin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Das Gleiche gilt selbstverständlich für die Reisewarnung.“

Corona: Reisewarnung vor der Türkei bleibt bestehen
Corona- Reisewarnung vor der Türkei bleibt bestehen

In der Erklärung der Botschaft heißt es, man habe bei der Bekämpfung der Pandemie „eine vorbildliche Leistung“ vollbracht. „Viele EU-Mitglieder waren von der Pandemie weitaus stärker als die Türkei betroffen und laut WHO-Statistiken ist die Anzahl der aktiven Covid-19 Fälle in der Türkei viel niedriger als in vielen EU-Staaten.“ Die Botschaft verwies auch auf 39.000 Intensivbetten im Land. Die Zahl der Toten sei geringer als in Deutschland bei etwa gleicher Einwohnerzahl.

„Die Urlaubsorte waren genauso wenig betroffen, wie die deutschen Küstenregionen“, heißt es in der Erklärung. Es sei schwer zu verstehen, aufgrund welcher wissenschaftlichen Kriterien die Türkei als Risikogebiet eingestuft worden sei. „Dementsprechend hoffen und erwarten wir, dass die Bundesregierung sowohl die Einstufung der Türkei als Risikogebiet als auch die Reisewarnung für die Türkei schnellstmöglich aufheben wird.“

Reisewarnung für die Türkei: Was muss ich wissen?

Vom Urlaub in der Türkei wird bis Ende August offiziell abgeraten. Aufgrund der Einstufung als Corona-Risikogebiet ist eine Aufhebung der Reisewarnung nach jetzigem Stand kaum möglich.

Das bedeutet die Reisewarnung für den Urlaub:

  • Vorab gebuchte Pauschalreisen können kostenfrei storniert werden
  • Reiseveranstalter werden wohl keine Pauschalreisen anbieten
  • Wer trotz Reisewarnung fliegt, kann nicht mit staatlichen Rückholaktionen durch die Bundesregierung rechnen

Die Regierung in Ankara ist von der Entscheidung der Bundesregierung nicht begeistert. Es gebe dazu „keinen objektiven und wissenschaftlichen Grund“, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy im Urlaubsort Antalya. „Natürlich sind wir enttäuscht, aber ich denke nicht, dass das unsere bilateralen Beziehungen beeinträchtigt“, betonte Cavusoglu zudem. Er wolle weiter mit Deutschland im Dialog bleiben und die Bundesregierung davon überzeugen, ihre Position zu ändern. Es handele sich nicht um eine Konfrontation.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) forderte ebenfalls Reiseerleichterungen mit der Türkei und forderte mehr Informationen von der Bundesregierung. „Millionen türkeistämmige Bürger würden im Sommer gern ihre Verwandten in der Türkei besuchen, aber die Ungewissheit ist groß - uns erreichen immer mehr Anfragen und Anrufe“, sagte der TGD-Vorsitzende Gökay Sofuoglu dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Sonntag).

Auch der Istanbuler Bürgermeister von der größten Oppositionspartei CHP, Ekrem Imamoglu, kritisierte für die Türkei geltende Beschränkungen. „Ich finde es sehr falsch, dass manche Länder Europas die Türkei ausklammern und eine Reisebeschränkung oder Reisewarnung anwenden“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der Tourismus sei für die Millionenmetropole und für die gesamte Türkei wichtig, betonte er.

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Die Reisewarnung stellt allerdings kein Reiseverbot dar. Zudem kann die Bundesregierung die Reisewarnung für die Türkei im Ausnahmefall auch wieder aufheben. Es wird dabei nicht nur auf die aktuellen Infektionszahlen, sondern auch auf Faktoren wie die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystem vor Ort ankommen.

Lesen Sie hier: Nach Ende der Reisewarnung – so ist Urlaub wieder möglich

Interaktiv:

Gibt es Flüge in die Türkei?

Ja, der Flugverkehr ist wieder angelaufen. Die Airlines Sunexpress und Turkish Airlines fliegen von Deutschland aus wieder Ziele in der Türkei an.

Welche Corona-Maßnahmen gibt es in der Türkei?

Die allgemeine Ausgangssperre in der Türkei ist wieder aufgehoben. Ausnahmen gelten nur noch für Menschen ab 65 Jahre. Auch die inländischen Reisebeschränkungen, die zunächst erlassen worden waren, gelten seit dem 1. Juni nicht mehr.

Auf Marktplätzen, in Supermärkten und in öffentlichen Verkehrsmitteln gilt eine Schutzmasken-Pflicht. In einigen Städten und Gegenden muss im gesamten öffentlichen Raum eine Maske getragen werden. Auch eine Abstandsregel (drei Schritte) wird eingefordert, Zuwiderhandlungen werden geahndet.

Insgesamt lockert die türkische Regierung ihre Beschränkungen aber weiter. Restaurants und Cafés empfangen nicht nur wieder Gäste, sondern dürfen ihre Öffnungszeiten auch bis 24 Uhr verlängern. Auch Friseure und Einkaufszentren wie der berühmte Große Basar öffnen bereits wieder.

Für innertürkische Flüge und Zugfahrten ist bei der Reservierung ein Genehmigungscode („HES-Code“) nötig. Dieser kann per SMS oder mittels einer App erlangt werden.

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Welche Corona-Maßnahmen treffen Hotels in der Türkei?

Türkische Hotels hoffen weiterhin auf Touristen im Sommer. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Hoteliers und das Ministerium für Kultur und Tourismus mitteilte, gibt es konkrete „Hygiene-Anweisungen“:

  • Wärmebildkameras an den Hoteleingängen
  • Gepäck soll am Eingang mit Desinfektionsmitteln behandelt werden
  • Kein Buffet sondern individuell servierte Mahlzeiten
  • Sicherheitsabstand am Pool und am Strand
  • Abgepackte Handtücher für den Pool
  • Zimmer sollen nach der Abreise mindestens 24 Stunden lang frei bleiben, bevor sie wieder neu belegt werden

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An Hotels und Restaurants mit guten sanitären Bedingungen wird das Gütesiegel „Sicherer Tourismus“ anhand von 132 Kriterien vergeben. Rund 500 Betriebe erhielten das Label bisher.

Die Behörden hoffen, bis Juli rund 2000 solcher Zertifikate zu vergeben. Dafür müssen die Hotels unter anderem einen eigenen Quarantäne-Flügel für Touristen einrichten, die positiv auf Covid-19 getestet wurden.

In einem Luxushotel an der Mittelmeerküste erinnern Bodenmarkierungen an die Abstandsregeln. Vor Aufzügen und Restaurants ist Desinfektionsgel platziert, das Personal trägt Schutzmasken. „Wir mussten unsere Betriebe umgestalten“, berichtet Sururi Corabatir, Präsident des türkischen Hotelierverbands. Und er verspricht zugleich: „Trotz dieser zusätzlichen Ausgaben werden wir die Preise nicht erhöhen.“

Zudem führten die Behörden eine Krankenversicherung für umgerechnet rund 23 Euro ein, die Reisende bei ihrer Ankunft abschließen und damit ihre Krankenhauskosten im Falle einer Covid-19-Behandlung abdecken können.

Kann man den gebuchten Türkei-Urlaub wegen Corona stornieren?

Wegen der Reisewarnung der Bundesregierung können Reisen, die bis zum 31. August geplant sind, storniert werden. Lesen Sie hier, . Die Bundesregierung hat dazu eine freiwillige Gutscheinlösung für Pauschalreisen beschlossen.

Gutscheine als Entschädigung für coronabedingt abgesagte Pauschalreisen, die vor dem 8. März gebucht wurden, sind künftig bis zu hundert Prozent ihres Wertes vom Staat abgesichert, wie das Bundesjustizministerium am Mittwoch mitteilte. Bei einer Insolvenz des Reiseunternehmens gehen die Kunden damit nicht leer aus. Die Gutscheine seien freiwillig, Pauschalreisende könnten sie auch ablehnen, betonte das Ministerium. Eine verpflichtende Gutscheinlösung hatte die EU-Kommission abgelehnt.

(raer/jha/mit dpa/afp)

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