Musik-Pioniere

Kraftwerk-Mitgründer Florian Schneider-Esleben gestorben

Die Band Kraftwerk ist legendär. Nun ist der Mitgründer Florian Schneider-Esleben gestorben. Er war an wegweisenden Alben beteiligt.

Kraftwerk-Mitgründer Florian Schneider-Esleben ist im Alter von 73 Jahren nach einer Krebserkrankung gestorben.

Kraftwerk-Mitgründer Florian Schneider-Esleben ist im Alter von 73 Jahren nach einer Krebserkrankung gestorben.

Foto: imago/Stefan M Prager

Berlin.  Florian Schneider-Esleben, eines der Gründungsmitglieder der legendären Musikgruppe Kraftwerk, ist gestorben. Der 73-Jährige sei nach einer Krebserkrankung gestorben, teilte das Unternehmen Sony am Mittwoch in Berlin unter Berufung auf Kraftwerk-Gründer Ralf Hütter mit.

Die Zusammenarbeit von Schneider und Hütter begann 1968. 1970 gründeten sie das berühmte Kling-Klang-Studio in Düsseldorf und starteten Kraftwerk. Schneider-Esleben, Sohn des berühmten Architekten der Nachkriegsmoderne Paul Schneider-Esleben, gilt als einer der Pioniere elektronischer Musik.

Er war an den wegweisenden Kraftwerk-Alben „Autobahn“ (1974), „Radio-Aktivität“ (1975), „Trans Europa Express“ (1977), „Die Mensch-Maschine“ (1978) und „Tour De France“ (2003) beteiligt. Ende 2008 verließ Schneider-Esleben die Gruppe. 2014 erhielt Schneider-Esleben den Grammy für sein Lebenswerk.

Kraftwerk: Zum Start wurden sie ausgebuht

In einem unscheinbaren Düsseldorfer Studio bastelte die Gruppe an ihrem vollsynthetischen, elektronischen wie minimalistischen Sound. Nicht einmal David Bowie soll Zutritt bekommen haben, als er in Düsseldorf zu Besuch war. Bei ihren ersten Auftritten wurden die Düsseldorfer „Ton-Architekten“ noch ausgebuht. Zu groß war der Bruch mit dem dominierenden Rock.

Der musikalische Einfluss der Gruppe gilt als epochal: Tausende junger Musiker beriefen sich später auf die verschwiegenen und öffentlichkeitsscheuen Düsseldorfer Avantgardisten, die allmählich Weltruhm erlangten. Juan Atkins, der Anfang der 1980er Jahre den Begriff Techno prägte und als „Godfather des Techno“ gilt, bezeichnete die Band als seine „Götter“.

Mit „Autobahn“ hatte Kraftwerk dann 1974 den internationalen Durchbruch. Das Album war der erste Exportschlager deutscher Popmusik in die USA. 1998 wird Florian Schneider-Esleben als Professor an die Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe berufen. Er sollte dort „Medienkunst und Performance“ lehren. „Er hat die Professur damals aber unseres Wissens nie angetreten“, sagte ein Hochschulsprecher am Mittwoch.

Inzwischen ist der weltweite musikalische Einfluss des Musikers und seiner Gruppe unbestritten. Kraftwerks Retrospektive wurde vor einigen Jahren in einigen der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt aufgeführt. In der Kunstwelt wird Kraftwerk neben Mondrian und Kandinsky zwischen Minimalismus und Konstruktivismus sortiert. So eingängig ihr digitaler Sound, ihre Rhythmen und Melodien heute sind, so revolutionär und unerhört waren sie es in den 1970er Jahren.

(les/dpa)

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