Coronavirus

Mallorca: Coronavirus beendet Ausnahmezustand am Ballermann

Mallorca lebt vom Tourismus - der wegen des Coronavirus gerade nicht existent ist. Eine Chance für die Abkehr vom Massentourismus?

Coronavirus: Diese Festivals und Veranstaltungen fallen aus

Von Bundesliga-Spielen bis Wacken: Im Sommer 2020 gibt es keine großen Veranstaltungen. Wir zeigen im Video auch, was sie mit Tickets tun, die wegen des Coronavirus wertlos werden.

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Palma. Leer gefegte Schankterrassen. Heruntergelassene Rollläden. Kein Mensch auf der Straße. Mallorcas berühmte Vergnügungszone an der Playa de Palma, die auch unter dem Namen „Ballermann“ bekannt ist, gleicht in diesen Tagen einem Geisterviertel. Statt Partystimmung, die hier normalerweise von April an die Wogen und den Alkoholkonsum hochschlagen lässt, herrscht tote Hose.

Die Covid-19-Pandemie bewirkt, was die Inselregierung mit ihrem Sittenfeldzug nicht schaffte: dem Sauftourismus auf Mallorca den Garaus zu machen. Die großen Vergnügungstempel wie etwa der „Bierkönig“ oder der „Megapark“ mussten ihre Saison-Eröffnungsfeiern, bei denen üblicherweise Tausende von Gästen auf den Tischen tanzen, absagen. Und auch in den nächsten Monaten sieht es nicht danach aus, als ob bald wieder die Massen im Rhythmus des Ballermann-Hits „Alle blau“ die Gläser heben können.

Coronavirus auf Mallorca: Unternehmen kämpfen um Überleben

„Hat der Ballermann ausgefeiert?“, titelt die Mallorca Zeitung, um dann festzustellen: „Die große Party ist an der Playa bis auf Weiteres vorbei. Für viele Unternehmen geht es jetzt ums nackte Überleben.“ Denn eines ist klar: Selbst wenn der Insel-Tourismus, so wie es die Branche erhofft, im Sommer wieder langsam anläuft, wird für den Neustart eine entscheidende Bedingung gelten. Und diese heißt: Sicherheitsabstand. Massenaufläufe, Riesenpartys und das in Gruppen praktizierte Sangria-Trinken aus Eimern wird es also zunächst nicht mehr geben.

Expertengruppen arbeiten bereits an einer Strategie für den Tag X, an dem die Corona-Epidemie soweit unter Kontrolle ist, dass Mallorca wieder schrittweise geöffnet werden kann. Dabei geht es vor allem um Antworten auf die Frage: Wie ist eine Rückkehr der Feriengäste ohne gesundheitliche Risiken möglich? Sicher ist, der Urlaub auf Mallorca wird – wenigstens bis zum endgültigen Sieg über Corona – anders aussehen als bisher. Spaniens Tourismusministerin Reyes Maroto verkündete bereits, dass der neue Ferienalltag durch drei Dinge bestimmt werde: „Soziale Distanz, Limits für Menschenansammlungen und Hygiene.“

Volle Bars und Diskotheken – wegen Sicherheitsabstand unmöglich

Volle Bars, Biergärten und Diskotheken, in denen die Gäste in engem Körperkontakt sind, wird es also auf längere Zeit am Ballermann nicht mehr geben. Für andere Orte, an denen sich üblicherweise ebenfalls viele Touristen drängeln, gibt es bereits Ideen, wie man einen Sicherheitsabstand gewährleisten kann. Etwa für die Strände, wo die Menschen im Sommer oftmals wie Sardinen nebeneinander liegen. Hier könnte man zum Beispiel einen „Zwei-Schichtbetrieb“ einführen: Ein Teil der Urlauber darf morgens an den Strand, ein anderer Teil nachmittags.

„Das Wichtigste ist die Gesundheit der Menschen“, erklärt Insel-Regierungschefin Francina Armengol. Sie kann sich vorstellen, dass künftig am Flughafen in Palma Gesundheitschecks stattfinden. Von Ankommenden könnte auch eine Bescheinigung verlangt werden, aus der hervorgeht, dass sie nicht an der Viruskrankheit Covid-19 leiden. Lesen Sie auch: Fällt der Urlaub 2020 wegen der Corona-Epidemie komplett aus?

Doch es wird wohl noch ein paar Monate dauern, bis die Ferienflieger wieder landen. „Vor August rechnen wir nicht mit dem Beginn der Saison“, sagt Mallorcas Tourismusminister Iago Negueruela. Vieles hänge zudem vom Ausland ab. Vor allem von Deutschland, von dort kamen in 2019 mehr als ein Drittel der insgesamt 12 Millionen in- und ausländischen Inselgäste.

Eine Chance für Mallorca, aus dem Massentourismus auszusteigen

Kritiker des Massentourismus sehen derweil eine Chance, um Mallorca endlich in ein sozialverträgliches und umweltfreundliches Ziel zu verwandeln. „Wir wollen nicht zur Normalität zurückkehren“, heißt eine Kampagne, die sich auf Transparenten und in den sozialen Netzwerken verbreitet. „Denn diese Normalität war das Problem.“ Der Massentourismus habe Mallorca Verkehrsstaus, schlechte Luft, Müllberge und zubetonierte Küsten gebracht. Tourismusfeindliche Graffitis und Protestaktionen waren die Folge. Mallorcas Ökoverband GOB fordert deswegen ebenfalls einen Kurswechsel und plädiert für mehr Nachhaltigkeit statt touristischer Monokultur.

Das mallorquinische Fremdenverkehrsamt schaltete derweil einen Werbespot, um das am Boden liegende Geschäft wieder anzukurbeln. In einem Video werden traumhafte Bilder vom Inselparadies mit den Worten unterlegt: „Bis bald Mallorca.“ Währenddessen hört man aus der Reisebranche, dass eine mögliche Wiedereröffnung des Eilands im Spätsommer Urlaubsschnäppchen bringen könnten. Die Hoteliers, so heißt es aus der Reisebranche, werden versuchen, mit Rabatten ihre leeren Betten zu füllen. Ein Preiskrieg sei nicht ausgeschlossen.

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