Corona-Genesene berichten: So verlief die Krankheit bei uns

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Natalie Bornemann
Hartnäckiger Husten, Fieber, Abgeschlagenheit: Ein Ehepaar aus dem Altkreis Osterode hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Nach mehr als zwei Wochen gelten beide als geheilt.

Hartnäckiger Husten, Fieber, Abgeschlagenheit: Ein Ehepaar aus dem Altkreis Osterode hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Nach mehr als zwei Wochen gelten beide als geheilt.

Foto: Pixabay (Symbol)

Ein Ehepaar aus dem Altkreis Osterode hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Beide hatten Covid-19 und zeigten Symptome. Wie erging es ihnen?

Osterode. Wie viele sind es heute? Seit Wochen schauen wir auf die offiziellen Statistiken, wie viele Menschen sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert haben und wie viele der Krankheit Covid-19 zum Opfer gefallen sind. Doch was ist mit den Menschen, über die keine Statistik geführt wird? Was ist mit denjenigen, die wieder gesund worden sind? Wie haben sie die Krankheit, ihren Verlauf und die Quarantäne erlebt? Ein Ehepaar aus dem Altkreis Osterode berichtet.

Im Urlaub gewesen

Wo sie sich angesteckt haben, können Christel und Herbert (Namen von der Redaktion geändert), beide Mitte 50, nicht mit endgültiger Sicherheit sagen. Anfang März ist das Ehepaar getrennt voneinander in den Urlaub gefahren: Christel war mit einer Freundin in Dubai, ihr Mann mit einer Reisegruppe im Zillertal. Etwa zeitgleich kehrten sie nach Deutschland zurück.

Herbert musste sofort in häusliche Quarantäne: „Noch während wir in Österreich waren, hat ein Mitreisender von seinem Arbeitgeber die Information erhalten, dass wir uns direkt nach der Ankunft zuhause beim Bürgertelefon melden sollen. Die haben uns dann gesagt, dass wir zuhause bleiben und das Gesundheitsamt anrufen sollen, falls Symptome auftreten.“

Symptome werden schlimmer

Es ist Mittwochabend, als Christel plötzlich einen leichten Husten bekommt. Ein Kratzen im Hals. „Ich habe es auf die Klimaumstellung geschoben, ich war ja erst einige Tage wieder zuhause.“ An Corona denkt sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Am Donnerstagmorgen geht dann so gut wie gar nichts mehr: Zum Husten sind heftige Kopf- und Gliederschmerzen gekommen, sie fühlt sich schlapp und abgeschlagen, liegt praktisch den ganzen Tag auf dem Sofa.

Am Freitag bringt das Ehepaar schließlich sein Enkelkind zurück zu dessen Eltern. Es hatte einige Tage bei Oma und Opa verbracht. „Als wir dann Freitagabend wieder zuhause waren, habe ich bemerkt, dass ich Fieber habe“, berichtet Christel. Am Samstagabend treten dann bei Herbert die ersten Symptome auf: Leichte Halsschmerzen, die Glieder tun ihm weh. „Ich wusste nicht, wie ich liegen sollte.“

Abstrich im Vollschutz

Das Wochenende hält das Paar zuhause durch, behandelt die Schmerzen mit Ibuprofen und hangeln sich so bis Montag durch. Am Montagmorgen rufen sie schließlich ihren Hausarzt an. Noch am gleichen Tag erhalten sie einen Termin im Corona-Testzentrum in Herzberg.

„Das war wie eine Art leere Halle. Wir sind mit dem Auto dort hineingefahren, ein Arzt und zwei Helfer sind in Vollschutz ans Auto herangetreten und haben durch das geöffnete Fenster einen Abstrich von mir und meiner Frau genommen. Das hat keine fünf Minuten gedauert“, berichtet Herbert.

Testergebnis: positiv

Keine 24 Stunden später liegt das Testergebnis vor – beide sind positiv. „Unser Hausarzt rief uns nachmittags an, um uns das Ergebnis mitzuteilen. Am Abend meldete sich dann eine Mitarbeiterin vom Gesundheitsamt, mit der wir die Kontaktpersonen durchgegangen sind. Das sind zwar glücklicherweise nicht viele, jedoch müssen alle in Quarantäne. „Bei unserer Rückkehr gab es ja schon viele Beschränkungen – wir sind so gut wie nirgends hingegangen“, sagt Christel. Getestet wird jedoch niemand – bis auf den Enkelsohn.

Und auf das Ergebnis wartet die Familie immer noch – seit inzwischen eineinhalb Wochen. „Es ist gut möglich, dass wir uns bei dem Kleinen angesteckt haben. Als wir ihn zu seinen Eltern zurückgebracht haben, war er vermutlich nicht mehr ansteckend, so dass seine Eltern gesund geblieben sind.“ Während seines Aufenthalts bei den Großeltern habe der Junge Husten gehabt, sei ansonsten aber fit gewesen. Für die Theorie spricht zudem, dass aus Herberts Reisegruppe – mehr als 30 Teilnehmer – er der einzige ist, der sich infiziert hat – endgültig klären lassen wird sich das aber nicht.

Deprimierende Situation

Vom Gesundheitsamt erhält das Paar einen Bogen, auf dem sie den Krankheitsverlauf, die Symptome und das Fieber dokumentieren sollen. Während Herberts Symptome schon nach zwei Tagen wieder abklingen, quält sich Christel deutlich länger. Eine gute Woche lang hat sie Fieber, teilweise bis zu 39 Grad Celsius. Dazu kommt die Abgeschlagenheit. Sie sei deprimiert gewesen, sagt ihr Mann, habe sich Sorgen gemacht, weil das Fieber so lange angehalten habe. Ihr Leben kommt gewissermaßen zum Stillstand: „Wenn man so krank ist, liegt man nur auf dem Sofa rum und steht höchstens auf, um etwas zu essen“, sagt Christel über ihren Zustand.

Schlimmer als das Fieber ist jedoch der hartnäckige Husten. „Meine Frau hatte sehr lange einen trockenen Husten, einen ständigen Reiz. Sie hustete und hustete – es wollte sich aber nichts lösen“, sagt Herbert. Das Medikament, das der Arzt verordnet hat, schlägt nicht an. „Auch nach vier Tagen wurde der Husten nicht im Ansatz besser. Sie hat dann vom Arzt ein neues Medikament bekommen. Danach ging es ganz langsam bergauf.“

Einkauf per WhatsApp

Während der Quarantäne kann das Ehepaar auf die Unterstützung von Nachbarn, Freunden und Familie zählen: „Viele haben uns Hilfe angeboten. Unseren Einkauf konnte ich per WhatsApp bestellen, der Händler hat uns die Lebensmittel dann vor die Haustür geliefert. Eine Freundin ist ansonsten für uns Einkaufen gegangen, und meine Schwiegermutter hat uns Suppe vor die Haustür gestellt“, sagt Christel. „Man braucht aber nicht viel, man kann ohnehin kaum etwas essen.“

Während sich seine Frau mit den Symptomen plagt, versucht Herbert die Zeit in der Quarantäne totzuschlagen. „Im Frühling gibt es ja immer etwas zu tun“, sagt er. „Haus und Garten sind jetzt aufgeräumt“, schmunzelt Christel.

Inzwischen ist die Quarantäne wieder aufgehoben worden. Nach Ostern wird Herbert wieder arbeiten können. Er wurde sicherheitshalber noch einige Tage länger krank geschrieben. Ein zweiter Test wurde nicht mehr gemacht, das Ehepaar gilt als geheilt.

Leute halten Abstand

Dass sie sich das Virus eingefangen haben, habe sich im Ort natürlich herumgesprochen. Sie würden zwar nicht beschimpft und man zeige nicht mit dem Finger auf sie, die Leuten würden aber auf der Straße verhalten auf das Paar reagieren. „Die Leute wissen: Die hatten das und halten Abstand.“ Eine völlig verständliche, nachvollziehbare Reaktion, wie Herbert findet: „Jeder hat Angst davor.“ Das Paar selbst halte sich weiterhin streng an die Regelungen, beachte strikt den Sicherheitsabstand, kommt niemandem zu nah.

Obwohl die Krankheit ausgestanden ist, hat das Paar noch nicht das Gefühl, schon vollständig wiederhergestellt zu sein. „Wir waren Walken, und durch die Belastung auf das Herz-Kreislauf-System wurde der Husten bei meiner Frau wieder schlimmer“, berichtet Herbert. Er selbst sei mit dem Rad unterwegs gewesen und hatte dabei das Gefühl, dass die Lunge noch nicht wieder voll belastbar sei. „Es ist wie nach einem Infekt – es fühlt sich an wie ein Brennen in den Atemwegen.“

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