Pandemie

Coronavirus: Mehr als 150 Tote in deutschen Pflegeheimen

Alte Menschen sind durch das Coronavirus besonders gefährdet. In diesen Bundesländern ist die Lage in einigen Pflegeheimen dramatisch.

Kreuzfahrtschiff mit zwei Corona-Toten legt in Florida an

Nach langer Irrfahrt hat das Kreuzfahrtschiff "Coral Princess" im Hafen von Miami angelegt. Nach Angaben der Reederei Princess Cruises befinden sich auf dem Schiff zwei Tote und mindestens zwölf mit dem Coronavirus infizierte Menschen.

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Berlin. Für keine andere Gruppe ist das Coronavirus so gefährlich wie für ältere und vorerkrankte Personen – also besonders jene, die in Senioren- und Pflegeheimen leben. Etwa 15 Prozent aller an Covid-19 erkrankten Menschen, die älter als 80 sind, sterben nach jetzigem Kenntnisstand an der Lungenkrankheit. Inzwischen berichten immer mehr Einrichtungen in Deutschland von Infektionen und Todesfällen.

Coronavirus in Altenheimen: In diesen Bundesländern ist die Lage besonders dramatisch:

Nordrhein-Westfalen: Bereits 79 Corona-Patienten in Pflegeheimen gestorben

Nach Angaben von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sind in Nordrhein-Westfalen bislang 79 Bewohner von Pflege- und Seniorenheimen an Covid-19 gestorben, die Zahl der Corona-Infizierten in Pflegeheimen liegt aktuell bei mindestens 316. In mindestens 53 Einrichtungen grassiert das Virus zurzeit.

Allein in zwei Kölner Einrichtungen sind inzwischen zehn Bewohner an Covid-19 gestorben, 28 weitere wurden positiv getestet. Auch insgesamt 25 Mitarbeiter in den Häusern sind nachweislich infiziert. In einem Seniorenheim in Hamm haben sich bislang 18 Bewohner und elf Pflegekräfte infiziert. Zuletzt wurde die Bewohnerin eines Seniorenzentrums in Gladbeck positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet.

In Euskirchen haben sich zudem 39 von 298 Bewohnern sowie sieben Betreuer eines Flüchtlingsheims mit dem Virus infiziert. In Bielefeld wurden sieben Bewohner und zwei Mitarbeiter eines Wohnheims für Menschen mit Behinderung positiv getestet.

Bayern: 16 Bewohner eines Würzburger Seniorenheims gestorben

Auch in Bayern spitzt sich die Lage in Pflegeheimen zu: In einem Würzburger Seniorenheim sind bis zum Wochenende 16 Bewohner nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. In einem Seniorenheim in Harburg (Landkreis Donau-Ries) sind neun Bewohner mutmaßlich an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Auch 20 Pflegekräfte sind positiv getestet worden.

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In einem Seniorenheim in Langenzenn (Landkreis Fürth) sind mindestens 47 von 113 Bewohnern infiziert, drei starben bislang; auch 16 Mitarbeiter sind infiziert. Aus einem Schweinfurter Seniorenheim wurden bislang vier Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet.

In Windischeschenbach (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) haben sich 35 von 66 Bewohnern eines Seniorenheims mit dem Coronavirus angesteckt, bei zwei weiteren stehen die Testergebnisse noch aus. Drei Bewohner sind an Covid-19 gestorben, zwei weitere befinden sich in stationärer Behandlung; auch mindestens 19 von 71 Beschäftigten sind infiziert.

Niedersachsen: Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung in Pflegeheimen

Niedersachsen: In einem Seniorenheim in Wolfsburg haben sich mindestens 74 Bewohner mit dem Coronavirus infiziert, 22 von ihnen sind bereits an Covid-19 gestorben; nach einer Strafanzeige ermittelt nun die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung. Das Land hat inzwischen einen Aufnahmestopp für Pflege- und Seniorenheime verhängt.

In einem Seniorenheim in Wildeshausen sind 35 von 50 Bewohnern und 24 von 45 Mitarbeitern positiv auf das Coronavirus getestet worden, das Ergebnis von acht Beschäftigten steht noch aus. Zwei 89 Jahre alte Männer starben in dem Heim an Covid-19. Sämtliche Bewohner wurden unter Quarantäne gestellt, auch dort ermittelt die Staatsanwaltschaft.

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Coronavirus-Infektionen auch in weiteren Bundesländern

• In Baden-Württemberg hat das Landesgesundheitsamt bis Freitag Corona-Ausbrüche in 27 Einrichtungen registriert. Insgesamt haben sich in baden-württembergischen Heimen bislang 224 Bewohner infiziert, 26 von ihnen starben.

• In Hessen, im Odenwaldkreis und in Niederaula (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) starben mehrere Bewohner von Seniorenheimen, in Fulda haben sich mehrere Mitarbeiter und Bewohner infiziert. Das Sozialministerium in Wiesbaden hat aber keine gesammelten Erkenntnisse dazu, wo und wie viele Heime in Hessen vom Coronavirus betroffen sind.

• Besonders betroffen in Thüringen ist ein Pflegeheim in Jessen (Landkreis Wittenberg): Dort sind elf Bewohner und fünf Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. In Gera ist ein 87-jähriger Mann in einem Pflegeheim positiv getestet worden; sein Wohnbereich wurde unter Quarantäne gestellt. Am Donnerstagabend starb eine 93-jährige mit dem Coronavirus infizierte Frau in einem Seniorenheim in Triptis (Saale-Orla-Kreis).

• Sachsen: In Sachsen gibt es nach Angaben der Landesregierung Coronavirus-Infektionen in 16 Heimen. Besonders schwierig ist die Situation in Zwönitz, wo sich 53 von 78 Bewohnern und 37 Mitarbeiter mit Sars-CoV-2 angesteckt haben. In Hohnstein steht seit Mittwoch ein Seniorenheim unter Quarantäne, nachdem dort zehn der 48 Bewohner und sechs Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurden. In Leipzig und Chemnitz sollen nun Teams mit Hilfe von Medizinstudenten vermehrt in Senioren- und Pflegeheimen auf das Virus testen, um unerkannte Infektionen unter Heimbewohnern oder bei Pflegepersonal zu finden.

• Berlin: In Neukölln haben sich 16 Bewohner und vier Mitarbeiter eines Pflegeheims mit dem Coronavirus infiziert. Bisher waren in Berlin keine größeren Ausbrüche in Pflegeheimen öffentlich bekannt. Am 30. März berichtete die Gesundheitsverwaltung von Infektionen und Verdachtsfällen auf Covid-19 in neun stationären Pflegeeinrichtungen und einer Kurzzeitpflegeeinrichtung.

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• Hamburg: In einem Pflegeheim im Stadtteil Wellingsbüttel haben sich bislang 39 Bewohner und sechs Mitarbeiter mit Sars-CoV-2 infiziert, drei infizierte Personen sind gestorben. Sechs weitere Einrichtungen haben bislang je einen Fall von Covid-19 gemeldet.

Die Stadt hat inzwischen die Besuchsregeln für Heime verschärft sowie neue Arbeits- und Hygienestandards für das Betreuungspersonal erlassen. Seit voriger Woche gilt ein generelles Zutrittsverbot, Heime und Pflegedienste sind verpflichtet, bei jedem Patienten täglich die Körpertemperatur zu messen, um Infektionen frühzeitig zu erkennen.

• Schleswig-Holstein: In einem Altenheim in Wentorf (Kreis Herzogtum Lauenburg) haben sich mindestens 13 Bewohner mit dem neuartigen Coronavirus infiziert.

In einem Pflegeheim in Tornesch (Kreis Pinneberg) sind drei Bewohner an Covid-19 gestorben. In zwei weiteren Pflegeheimen in Rellingen bei Hamburg ist das Virus nachgewiesen worden.

Coronavirus: Altenpfleger fordern bessere Ausstattung

Angesichts der Lage fordert der Deutsche Städtetag nun bundesweit einheitliche Richtlinien für Alten- und Pflegeheime in der Corona-Pandemie. „Es ist besonders bedrückend, dass die Zahl von Corona-Infektionen in Alten- und Pflegeheimen steigt“, erklärte Städtetagspräsident Burkhard Jung am Samstag. „Wir brauchen hier kurzfristig bundesweit einheitliche Bewertungsmaßstäbe und Handlungsstrategien.“ Das Bundesgesundheitsministerium und die Minister-Konferenzen der Länder sollten nun „dringend handeln“.

Auch Vertreter der Altenpflege haben im Kampf gegen das Coronavirus eine bessere Ausstattung der Alten- und Pflegeheime gefordert. „Die Heime brauchen jetzt ganz dringend Desinfektionsmittel, speziell zur Händedesinfektion, sowie ausreichende Schutzmasken und ausreichend Personal, damit ein sicherer und normaler Betrieb möglich ist“, so Ursula Hönigs, Vorstandsmitglied des Deutschen Berufsverbandes für Altenpflege (DBVA). (küp/dpa)

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