Covid-19

Coronavirus in Südtirol: Gähnende Leere im Skigebiet

Die Schneeverhältnisse in Südtirol sind zurzeit exzellent. Doch wegen dem Coronavirus geht nichts mehr. Hotelchefs fürchten den Ruin.

Stillstand in Südtirol bei bestem Wetter. Ein Desaster für den Tourismus.

Stillstand in Südtirol bei bestem Wetter. Ein Desaster für den Tourismus.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jiri Hubatka / picture alliance / imageBROKER

Bozen. Blauer Himmel, Sonne pur – Traumwetter in den Bergen. Das Problem: Nichts geht in Südtirol. Keiner der Lifte bringt Touristen auf die Berge. Das Coronavirus hat ein verheerendes Ausmaß angenommen.

Das, was die Hoteliers verzweifeln lässt: Die Schneeverhältnisse seien im Vergleich zu anderen Urlaubsgebieten nördlich der Alpen extrem gut. Es wäre das Geschäft ihres Lebens. In Meran wurden 20 Grad Celsius angekündigt. Ein Traum für die Tourismuswirtschaft – eigentlich. Doch jetzt ist es ein Desaster.

Südtirol lebt vor allem vom Wintertourismus: Die Region gilt als Weltmeister, was das Präparieren von Pisten angeht: 2500 Kilometer waren allein in den Dolomiten bereit – bis zum Shutdown.

Epidemie in Südtirol: Eine halbe Million Menschen in Quarantäne

Jetzt ist das Land bereits seit Wochen im absoluten Corona-Ausnahmezustand. Für ein Gebiet, das zu den reichsten Flecken Europas zählt, ist das ein harter Schlag. Seit vier Wochen befinden sich die 520.000 Einwohner in Quarantäne. Hotels und Skigebiete sind geschlossen, ebenso Geschäfte, Bars und Restaurants, die Grenzen zu den Nachbarländern zu.

Manfred Pinzger, Präsident des Handels- und Gastwirteverbands (HGV), betreibt selbst ein Hotel im Vinschgau. Er sagt: „Es war eine Entscheidung, die wir schweren Herzens treffen mussten. Die Skibedingungen hätten nicht besser sein können.“ Die Beherbergungsbetriebe „erlebten eine noch nie dagewesene Stornowelle“, sagt er.

Ebenfalls betroffen ist sein Kollege Joachim Nischler, Chef des Hotels Lindenhof im kleinen Urlaubsort Naturns. In einem Radio-Interview sagte er: „Wir haben nichts mehr zu tun. Die Situation ist wirklich sehr traurig, die Gäste bleiben aus oder stornieren. Gerade haben wir gar keine Buchungen. Wir können die Fixkosten momentan hinten und vorne nicht decken.“

Drohnenbilder zeigen menschenleere Metropolen
Drohnenbilder zeigen menschenleere Metropolen

Wer zurzeit in Naturns, einer 6000-Seelen-Gemeinde in Südtirol, die Bahnhofstraße hinaufblickt, sieht nichts. Nur Leere. Bis auf Supermärkte ist hier alles geschlossen. Sonst war es ein belebter Ort, ein beliebtes Ferienziel.

Hoteliers stehen vor dem Ruin

Auch 15 Kilometer weiter im Forsterhof in Algund ist es still. Magdalena Erlacher wartet täglich auf Nachricht vom Handels- und Gastwirteverband, wie es weitergeht und ob sie Hilfen bekommt. „Als wir die Mitteilung erhalten haben, dass alle Skigebiete und Hotels geschlossen werden, war das wie ein Schlag ins Gesicht, weil wir ­damit noch nie zuvor konfrontiert waren.“

Erst im vergangenen Jahr hat die 26-Jährige das Frühstückshotel eröffnet. 25 Zimmer, Obst aus dem eigenen Garten, ein Ort, an dem die Gäste Kraft tanken können. Eigentlich wollte Magdalena Erlacher nach der Winterpause zum 20. März öffnen – doch jetzt steht das Hotel leer.

In der Luft hängt noch der Geruch vom eingelassenen Holzboden, Magazine aus dem Lesezirkel liegen auf dem Tisch in der Sofaecke, die Reinigungskräfte für den Frühjahrsputz waren bereits angestellt. Bald wäre die nächste Kreditzahlung fällig. Jetzt plagt sie die Sorge, wie sie das finanziell stemmen soll. Anderen geht es ähnlich: Wenn nichts passiert, könnte es für viele der Ruin sein.

Angefangen hatte es vor vier Wochen, als alles rasend schnell ging: Die italienische Regierung in Rom verhängte die Ausgangssperre. Touristen verließen fluchtartig das Land über den Brenner. Vor einer Woche verschärften sich die Maßnahmen nochmals. Seither darf sich jeder nur noch in der Nähe seines Hauses aufhalten. Wer sein Haus verlässt, muss eine Erklärung bei sich tragen.

Polizei kontrolliert die Maßnahmen mit Hubschraubern

Die Sanktionen sind massiv. Die Polizei kontrolliert im ganzen Land, auch mit Hubschraubern. Reinhold Messner, berühmter Alpinist aus Südtirol, berichtet in einem Interview davon, dass ihm sein Sohn, „der ein sehr guter Kletterer ist“, erzählt habe, „dass sie einen mit Helikopter und Drohnen verfolgen. Er geht nicht mal mehr auf unseren Hausberg, weil sonst eine mächtige Strafe droht.“

Landeshauptmann Arno Kompatscher arbeitet seit Wochen an wirtschaftlichen Paketen für den Wiederaufbau nach der Krise. Südtirol sei eigentlich ein Land mit großem Leistungsdruck. Wenn man etwas Gutes aus der Krise ziehen will, dann, dass es vielleicht eine Chance sei, als Gemeinschaft daraus hervorzugehen.

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