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Verlag stoppt Woody Allens Buch – Kritik von Stephen King

Die Biografie von Allen wird in den USA nicht erscheinen wie geplant. Der Verlag stellt sich quer. Kritik kommt von vielen Seiten.

Woody Allens Autobiografie wird doch nicht veröffentlicht

Wegen der Missbrauchsvorwürfe gegen Woody Allen hat der Verlag Hachette entschieden, die umstrittene Autobiografie des US-Filmemachers doch nicht zu veröffentlichen. Allen werde die Rechte an "Apropos of Nothing" zurückerhalten.

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Washington. Stephen King gilt in Amerika als Instanz. Nicht nur im Horror-Fach. Wenn sich die Kassandra aus Maine mit gesellschaftspolitischen Kommentaren an ihre fast sechs Millionen Twitter-Anhänger wendet, hört das Land zu.

Am Samstag äußerte King sein „starkes Unbehagen“ über den Zustand der Meinungsfreiheit in den Vereinigten Staaten. Aufhänger ist eine beinahe filmreife Kehrtwende im Umgang mit dem neuen Buch der Regisseur-Legende Woody Allen.

Die Verlagsgruppe Hachette wollte am 7. April die Autobiographie des 84-Jährigen herausbringen. In „Apropos of Nothing“ (übersetzt etwa: „In Bezug auf Nichts”) geht es laut Verlag auf 400 Seiten auch um die „Beziehungen zu Familie, Freunden und seinen Liebsten“.

Woody Allens Buch – Verlag Hachette stoppt Veröffentlichung

Aus der Veröffentlichung wird zumindest in Amerika vorläufig nichts.

Nach lautstarkem Protest von Allens Adoptivkindern Ronan (32) und Dylan Farrow (34), die ihren Vater seit vielen Jahren des sexuellen Missbrauchs beschuldigen, haben Hachette-Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt und aus Solidarität protestiert. Kurz darauf zog der Verlag die Reißleine und legte das Buch auf Eis. An dieser Schnittstelle setzt Stephen King das Messer an.

„Es geht nicht um ihn. Herr Allen kümmert mich einen Dreck. Was mich besorgt ist, wer wird demnächst mundtot gemacht”, schreibt der Erschaffer von „The Shining”, „Friedhof der Kuscheltiere”, „Carrie” und anderen globalen Bestsellern und fügt seine Lesart hinzu, die in Sozialen Netzwerken auf Zuspruch stößt: „Wenn Du denkst, er sei pädophil, kauf nicht sein Buch. Geh nicht in seine Filme. Hör nicht seinen Jazz-Konzerten im Carlyle-Hotel zu. Stimme mit dem Portemonnaie ab, indem Du es geschlossen hältst. So machen wir das in Amerika.”

Adoptivsohn Ronan Farrow erhebt schwere Vorwürfe

Hachette (HBG), zum Mediengiganten Time Warner gehörend, war anderer Meinung. „Die Entscheidung Mister Allens Buch nicht zu veröffentlichen war eine schwere. Bei HBG nehmen wir die Beziehungen zu den Autoren sehr ernst und stoppen Bücher nicht einfach so. Wir haben und wir werden viele schwierige Bücher veröffentlichen. Als Verlag sorgen wir jeden Tag dafür, dass verschiedene Stimmen und konfliktreiche Blickwinkel gehört werden.”

Der wichtigste Teil der kruden Mitteilung ist der mit den „Beziehungen zu den Autoren”. Denn damit ist ganz offensichtlich nicht Woody Allen gemeint, der sein Werk vorher anderen Verlagshäusern angeboten hatte, die aber alle ablehnten. Gemeint ist Ronan Farrow.

Der brillante Investigativ-Journalist ist in den USA der Säulenheilige der #MeToo-Bewegung, die gegen von Männern verübte sexuelle Gewalt kämpft. Seine Arbeit, und die von Reporterinnen der „New York Times“, hat den Hollywood-Mogul Harvey Weinstein zu Fall gebracht, der am Mittwoch wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung die Höhe seiner Gefängnisstrafe erfahren wird. Farrows Recherchen wurden mit dem Pulitzer-Preis belohnt. Sie erschienen, inzwischen zigtausendfach verkauft, in einem Verlag der Hachette-Gruppe.

Dass Farrow nicht erfreut ist, wenn sein Arbeitgeber auch das Manuskript des ihm verhassten Adoptiv-Vaters lektoriert, kann nicht verwundern. Seit seine Adoptiv-Schwester Dylan zum ersten Mal behauptete, Woody Allen habe sich 1992 an ihr vergangen, steht der blonde Jungmann mit den weichen Gesichtszügen eisern an ihrer Seite. Dass Allen die Anschuldigungen bis heute kategorisch abstreitet, dass es nie zu einem Gerichtsverfahren kam, dass Aussage gegen Aussage steht, dass andere Familienmitglieder Dylan Farrow für „gestört” halten, ficht ihn nicht an.

Die deutsche Fassung des Buches erscheint wie geplant

Ronan Farrow hat dem Vernehmen nach ein Millionen-Honorar für sein Weinstein-Buch bekommen. Er hält es für ein Unding, wenn sein Verlag gleichzeitig mit ihm und mit dem Adoptiv-Vater Geld verdient. Zumal Farrow mit Hachette gerade an „Durchbruch” arbeitet. Das neue Buch widmet sich seinen Worten nach unter anderem genau dem „Schaden, den Woody Allen meiner Familie zufügte”. Farrow erwägt nun die Kooperation mit dem Verlag abzubrechen.

Und was macht Woody Allen? Er schweigt. Wie so oft. Hinter den Kulissen wird nicht ausgeschlossen, dass er Klage einreicht. Im vergangenen Jahr wollte Amazon aus Angst vor den Bugwellen der #MeToo-Bewegung seinen Film „A Rain Day in New York” nicht vertreiben. Allen ging vor Gericht. Er verlangte 68 Millionen Dollar Entschädigung. Man einigte sich im November. Über die Summe wurde Stillschweigen vereinbart

P.S.: Die deutsche Version von Woody Allens Buch erscheint laut Rowohlt-Verlag am 7. April in Deutschland wie geplant. Der Titel wirkt inzwischen reichlich untertrieben: “Ganz nebenbei.”

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