Gesangswettbewerb

ESC 2020: Ben Dolic von „The Voice“ singt für Deutschland

Ben Dolic wird beim Eurovision Song Contest in Rotterdam für Deutschland antreten. Der 22-Jährige ist schon von „The Voice“ bekannt.

Benjamin Dolic wird beim Eurovision Song Contest in Rotterdam für Deutschland antreten.

Benjamin Dolic wird beim Eurovision Song Contest in Rotterdam für Deutschland antreten.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Hamburg. Es war eine Geheimhaltung nur noch vergleichbar mit der Alienforschung in der Area 51 in Arizona: Mitte Dezember hatte der NDR ein Heer an Experten entscheiden lassen, wer am 16. Mai für Deutschland in Rotterdam beim Eurovision Song Contest ins Rennen geht – und alle Beteiligten hielten sich an ihre Verschwiegenheitsklausel. Am Donnerstagnachmittag dann lüftete Moderatorin Barbara Schöneberger das Geheimnis. Antreten wird der 22-jährige Ben Dolic.

Der gebürtige Slowene war 2018 Finalist bei „The Voice of Germany“. Sein Lied schielt ganz klar in die USA: „Violent Thing“ hat wuchtige Dance-Beats, Dolic singt mit androgyner R&B-Stimme. Worum es geht? „Es ist ganz simpel, es handelt von einer Liebe auf den ersten Blick“, erklärt er. Und so klingt der Beitrag nach den aktuellen, spiegelglatten Produktionen von Justin Bieber, Justin Timberlake oder Taylor Swift.

ESC 2020: Ben Dolic muss noch seine Choreografie lernen

Er klingt, als hätte man ihn schon einmal im Top-40-Radio gehört. Das muss kein Nachteil sein. Unverwechselbarkeit aber hört sich anders an. „Der ESC war immer mein Traum“, erklärt Dolic, der mit 18 in die Schweiz zog und inzwischen Berlin wohnt, brav. „Ich habe schon als Kind den Siegertitel immer nachgesungen“. Die Töne sitzen bei Dolic.

Jetzt heißt es Choreografie üben für den schüchternen, etwas blässlichen jungen Mann. Trainer, die auch schon Justin Timberlake das Tanzen beibrachten, bereiten ihn in den nächsten Wochen auf seinen großen Auftritt. „Bist du ein Typ für coole Moves?“, fragt Schöneberger ihn. „Ja, schon“, antwortet er. Bei der Akustikversion seines Lieds, die er anschließend darbietet, kann man es sich noch nicht so richtig vorstellen.

ESC brachte Deutschland in den letzten Jahren mehrere Desaster

Komponiert wurde er von dem Tschechen Boris Milanov, der für den asberbaidschanischen Sänger Chingiz den Titel „Truth“ geschrieben hatte, der es beim ESC 2019 auf den achten Platz schaffte. Großen Bahnhof für die Show gab es nicht, stattdessen wurde die Sendung „Unser Lied für Rotterdam“ in einem kleinen Clubkino in der Hamburger Hafencity aufgezeichnet.

Ausgestrahlt wird sie dann am Donnerstag im Spartensender One (21.30 Uhr) – fast ein wenig verschämt, als wolle der bei dem Musikwettbewerb federführende NDR nicht übermäßig viel Aufmerksamkeit darauf lenken, dass es diesmal keinen Vorentscheid gab, bei dem der Zuschauer über den Sieger mitbestimmen darf.

Nun also soll Dolic den Karren aus dem Dreck ziehen. Die Bilanz der letzten Jahre war desaströs: Deutschland gehört zu den Hauptgeldgebern des bunten Spektakels, doch Dankbarkeit der anderen Europäer war nicht zu erwarten. In den letzten fünf Jahren gab es höchstens ein paar Mitleidspunkte für die deutschen Kandidaten. „Wir sind ja inzwischen die FDP des ESC“, witzelt Schöneberger. Einzig Michael Schulte gelang 2018 mit seinem vierten Platz ein Ausreißer nach oben. Lenas Sieg mit „Satellite“ ist nun genau zehn Jahre her.

Zuschauer durften nicht mehr abstimmen

Das Land, das immer so gerne der Klassenbeste ist, legte einen schwachen Punkt bloß. Musik? Sechs, sorry. ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber und der NDR reagierten unmittelbar, nach dem das Duo Sisters im vergangenen Jahr in Tel Aviv auf dem vorletzten Platz landete. Mit norddeutscher Akribie sollte nun die Hitformel gefunden werden. Zunächst wurde die Schwarmdummheit außen vor gelassen – der deutsche Zuschauer, der bei den Vorentscheiden zuletzt allzu oft daneben lag, sollte erst das Ergebnis vorgesetzt bekommen.

Monatelang haben 20 internationale Branchenprofis und 100 ausgewählte ESC-Fans im Verborgenen getüftelt. „Dazu haben wir auch bei Instagram, Yotube und Facebook gesucht“, erklärt Schreiber. Aus 607 Künstlern und 568 Liedern wurden in einem mehrstufigen Verfahren die jeweils besten ausgewählt und dann nochmals miteinander kombiniert. Am Ende kamen 20 Kombinationen aus 10 Künstlerinnen und Künstlern und 17 Liedern heraus, aus denen die Jurys dann Dolic auswählte. Der Song ist also das Produkt einer Popstanzfabrik – und klingt auch ein wenig so.

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