Luftfahrt

Ryanair-Chef O’Leary empört mit rassistischer Aussage

Ryanair-Chef Michael O’Leary ätzt gerne herum. Mal sind es die Mitarbeiter, mal die Gewerkschaften. Jetzt bekommen es Muslime ab.

Michael O'Leary, Chef der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair.

Michael O'Leary, Chef der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair.

Foto: Brian Lawless / dpa

Berlin. 
  • Ryanair-Chef Michael O’Leary sorgt immer wieder mit polarisierenden Äußerungen für Aufregung
  • Jetzt fordert er stärkere Sicherheitskontrollen für muslimische Männer
  • Für die Aussagen wird der Airline-Chef jetzt heftig kritisiert

Ryanair-Chef Michael O’Leary ist bekannt für seine polarisierenden Äußerungen. So schießt er immer wieder gegen seine eigenen Mitarbeiter und Gewerkschaften. Jetzt hat er in einem Interview mit der britischen „Times“ eine neue Angriffsfläche gefunden: muslimische, alleinreisende Männer. Die seien, so zumindest die Ansicht des Ryanair-Chefs, geradezu prädestiniert dafür, „Bombenattentäter“ zu sein. Dafür schlägt ihm jetzt heftiger Gegenwind entgegen.

O’Leary forderte deshalb strengere Sicherheitskontrollen für muslimische Männer. „Wer sind die Bombenattentäter? Es werden alleinreisende Single-Männer sein“, sagte Michael O’Leary in einem am Samstag veröffentlichten Interview der britischen „Times“.

Ryanair: „Man kann ja nichts sagen“

„Man kann ja nichts sagen, weil das als rassistisch gilt, aber es werden generell Männer muslimischen Glaubens sein.“ In Begleitung ihrer Familie seien muslimische Männer hingegen grundsätzlich keine Gefahr, meint der für polarisierende Äußerungen bekannte Firmenboss. Das Risiko, dass sie sich mitsamt ihrer Kinder in die Luft sprengen würden, sei „verfickt nochmal Null“. Lesen Sie hier: Kunden sind mit Billigflieger Ryanair am wenigsten zufrieden.

Chef von Ryanair wird scharf kritisiert

Der Rat der Muslime in Großbritannien bezeichnete die Äußerungen als „rassistisch und diskriminierend“. Es sei eine Schande, dass der Chef einer Fluggesellschaft Islamfeindlichkeit so offen und schamlos ausspreche, so eine Sprecherin. Nach Ansicht der Organisation Tell Mama, die islamfeindliche Vorfälle registriert und Opfern hilft, könnte O’Leary mit solchen Worten sein eigenes Geschäft schädigen.

Auch der Labour-Abgeordnete Khalid Mahmood verurteilte die Vorschläge und verwies auf das Blutbad in Hanau durch einen Deutschen. „Sollen wir nun weiße Menschen einem Profiling unterziehen, um zu sehen, ob sie Faschisten sind?“, zitierte die „Times“ den Politiker.

Was ist Profiling?

Beim sogenannten Profiling, für das sich O’Leary ausspricht, werden Menschen auf Grundlage von Stereotypen und äußerlichen Merkmalen als verdächtig eingestuft und überprüft. Doch das Vorgehen sorgt immer wieder für Kritik.

So sah sich die Kölner Polizei vergangenes Jahr dem Vorwurf „rassistischen Profilings“ ausgesetzt, nachdem sie mehrere junge Muslime gestoppt und durchsucht hatte – diese waren irrtümlich unter Terrorverdacht geraten, als sie zum Ende des Ramadans mit langen Gewändern in den Kölner Hauptbahnhof gelaufen waren und dabei nach Zeugenaussagen „Allahu Akbar“ gerufen hatten.

Ein Gericht urteilte damals: Wenn sich die Polizei einen Ausweis zeigen lässt und die Hautfarbe spielt dabei eine Rolle, muss sie gute Gründe für die Kontrolle haben. Liegen die nicht vor, verstößt sie nach Auffassung des nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgericht in Münster gegen das Grundgesetz.

Ryanair: Doku zeigt unzumutbare Zustände

Ryanair ist vor allem für seinen harten Sparkurs bekannt, der immer wieder auch zu Lasten der Mitarbeiter geht. Gewerkschaften und Pilotenvereinigungen kritisieren immer wieder die Arbeitsbedingungen für Piloten und Flugbegleiter. Wie unzumutbar die Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter bei Ryanair sind, konnte man im Oktober in der TV-Sendung „Team Wallraff“ sehen.

Zuletzt sorgte Ryanair auch damit für Schlagzeilen, viele beliebte Strecken wie etwas von und auf die Kanaren zu streichen.

Europas größter Billigflieger Ryanair steuert wieder auf einen Milliardengewinn zu. Trotz des Preiskampfs in der Branche und des Flugverbots für die Boeing 737 Max soll der Überschuss im laufenden Geschäftsjahr bis Ende März jetzt 950 Millionen bis 1,05 Milliarden Euro erreichen, wie das irische Unternehmen Ende Januar in Dublin mitteilte. (bekö/dpa)

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