Gefährliche Lungenkrankheit

Coronavirus: Erster Toter in Europa

In Frankreich stirbt ein Mensch an der neuen Lungenkrankheit. Der Erreger wird erstmals in Afrika nachgewiesen. Und unter den Infizierten auf einem Kreuzfahrtschiff in Japan sind zwei Deutsche.

Ein Pkw fährt auf das Gelände des Krankenhauses "L’hôpital Bichat" in Paris.

Ein Pkw fährt auf das Gelände des Krankenhauses "L’hôpital Bichat" in Paris.

Foto: dpa

Paris/Peking/Yokohama. Erstmals ist ein Mensch in Europa an der neuartigen Lungenkrankheit gestorben. Der chinesische Tourist sei in einer Pariser Klinik der durch das Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelösten Krankheit erlegen, teilte die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn mit.

Auf dem chinesischen Festland stieg die Zahl der Todesfälle nach offiziellen Angaben auf 1523 - die Zahl der Erkrankungen lag dort bei 66.492. Am Freitagabend wurde die erste Infektion in Afrika bekannt: In Ägypten wurde das Virus bei einer 33-jährigen ausländischen Person nachgewiesen, wie Gesundheitsministerin Hala Said sagte. Unter den Infizierten an Bord eines Kreuzfahrtschiffes in Japan sind zwei Deutsche.

Bei dem in Paris gestorbenen Mann handelt es sich um einen 80-Jährigen aus der zentralchinesischen Provinz Hubei. Dort liegt die Millionenmetropole Wuhan, wo im Dezember die ersten Erkrankungen bekannt wurden. Der Tourist war Anfang Februar auf die Intensivstation des Pariser Krankenhauses Bichat gebracht worden. Die Lungenkrankheit Covid-19 kann neben Fieber und Husten schwere Atemwegsprobleme und eine Lungenentzündung auslösen.

In Deutschland wurden bisher 16 Infektionen bekannt. Drei Patienten verließen mittlerweile die Kliniken als geheilt. In Bayern werden noch 13 Infizierte behandelt, die in Zusammenhang mit dem Autozulieferer Webasto stehen. Dort hatte eine chinesische Mitarbeiterin das Virus eingeschleppt.

Die Deutsche Botschaft in Tokio teilte mit, unter den infizierten Passagieren des Kreuzfahrtschiffes "Diamond Princess" seien zwei Bundesbürger. Die Botschaft steht nach eigenen Angaben in Kontakt mit ihnen, äußerte sich aber zu ihrem Zustand nicht. Insgesamt hatte das Schiff nach Erkenntnissen der Botschaft zehn Deutsche an Bord.

Inzwischen wurden 285 Menschen auf dem Schiff, das in Yokohama unter Quarantäne steht, positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Die Infizierten werden in örtlichen Krankenhäusern behandelt. Nach Angaben des japanischen Außenministeriums sollen bis Montag alle Passagiere getestet sein, so dass die Resultate bis Mittwoch vorliegen. Bis dahin steht das Schiff unter Quarantäne.

Die USA wollen Landsleute von der "Diamond Princess" holen. Wie die US-Botschaft in Tokio mitteilte, sollen die US-Bürger mit einem gecharterten Flugzeug direkt in ihr Land zurückgebracht werden. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" befinden sich rund 380 Amerikaner auf der "Diamond Princess".

Tausende weitere Kreuzfahrtpassagiere, darunter Deutsche, mussten wegen der Epidemie ihre Reisepläne ändern. Die "Aidavita" der Rostocker Reederei Aida Cruises stoppte ihre Tour mehr als eine Woche früher als vorgesehen. Sie legte in der Nacht zum Samstag in der thailändischen Hafenstadt Laem Chabang südlich von Bangkok an, wie ein Sprecher der Reederei bestätigte. Alle Genehmigungen für die Abreise und Landausflüge seien erteilt worden, der Schiffsbetrieb sei "ganz normal". Die Passagiere konnten laut thailändischen Behördenangaben nach einer Kontrolle das Schiff verlassen.

Erst kürzlich hatten mehrere asiatische Länder dem Kreuzfahrtschiff "Westerdam" aus Sorge vor dem Coronavirus das Anlegen untersagt. Erst Kambodscha stimmte dem schließlich zu. An Bord der "Westerdam" waren laut Reederei auch 57 Deutsche. Für sie ging die Heimreise laut Twitterangaben der deutschen Botschaft am Freitag und Samstag in Richtung Frankfurt.

Ungeachtet der steigenden Fallzahlen in seinem Land sieht der chinesische Außenminister Wang Yi große Fortschritte bei der Eindämmung des Coronavirus. Wegen der chinesischen Anstrengungen sei bisher nur ein Prozent der Fälle außerhalb Chinas aufgetreten, sagte er Minister am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Er dankte der internationalen Gemeinschaft für die Hilfe. Außerhalb des chinesischen Festlands sind bislang etwa 600 Fälle bestätigt.

Die Infektion in Ägypten wurde nach der Ankunft der Person in dem Land durch ein Screening entdeckt, sagte Gesundheitsministerin Said dem Sender MBC Masr. Die Person zeige keine Symptome und bleibe 14 Tage auf einer Isolierstation. Ägypten habe alle erforderlichen Maßnahmen nach den Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergriffen.

Angesichts der Ausbreitung der Epidemie forderte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus mehr Investitionen zum Kampf gegen den Erreger. "Die Welt gibt Milliarden für den Schutz vor Terrorangriffen aus, aber relativ wenig, um sich auf die Attacke durch ein Virus vorzubereiten, die sehr viel mehr Menschenleben fordern könnte und wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich mehr Schaden anrichten könnte", sagte Tedros am Samstag auf der Sicherheitskonferenz in München. "Das ist gefährlich kurzsichtig."

Die WHO hatte vergangene Woche um 675 Millionen Dollar (623 Mio Euro) gebeten, unter anderem, um Ländern mit schwächeren Gesundheitssystemen bei der Vorbereitung auf einen möglichen Ausbruch zu helfen. Die WHO-Region Afrika sah in einer Analyse die meisten der 47 Länder begrenzt vorbereitet, nur sieben wurden als angemessen vorbereitet beurteilt. Ägypten gehört allerdings nicht zur Afrika-Region, sondern arbeitet in der WHO in einem Verbund "Östliches Mittelmeer" mit Ländern wie Syrien, Saudi-Arabien und Afghanistan zusammen.

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