Regenwald

Verirrt am Amazonas: Wie eine Familie im Dschungel überlebte

Sie aßen Beeren und Samen: Eine Frau (40) und ihre drei Töchter irrten 34 Tage durch den Regenwald. Ureinwohner retteten die Familie.

Das Amazonasgebiet wurde für eine Mutter und ihre Töchter zur grünen Hölle.

Das Amazonasgebiet wurde für eine Mutter und ihre Töchter zur grünen Hölle.

Foto: Larissa Rodrigues / dpa

Puerto Leguizamo. Sie besuchten Verwandte und landeten in der grünen Hölle. Seit mehr als einem Monat galten eine 40-jährige Kolumbianerin und ihre drei Töchter als vermisst, jetzt wurden sie aus dem südamerikanischen Regenwald gerettet. Dass man sie gefunden hat, kommt einem Wunder gleich: 34 Tage lang waren sie orientierungslos durch das Amazonasgebiet geirrt und hatten sich von Beeren, Pflanzen und Samen ernährt.

Die größte Herausforderung bestand in dieser Zeit darin, Trinkwasser zu finden, um nicht zu verdursten, sagte María Pérez, die Mutter. Ein vom kolumbianischen Sender Caracol verbreitetes Video zeigt, wie Marinesoldaten sie und ihre Töchter im Alter von 10, 12 und 14 Jahren nach ihrer Rettung auf Liegen an Bord eines Bootes tragen, mit dem sie über den Rio Putumayo in die 180 Kilometer entfernte Fluss-Siedlung Puerto Leguizamo gebracht wurden. Die Mädchen wirken abgemagert, alle leiden unter Wurmbefall, Bissen, Stichen und Verletzungen an den Füßen – aber sie leben.

Ihre Odyssee begann im Dezember mit einem Ausflug in eine abgelegene Gegend im Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Peru. Als der Familienvater auf dem Heimweg noch etwas einkaufen wollte und Frau und Töchter vorübergehend allein ließ, brach ein Sturm aus. Das berichtet die kolumbianische Zeitung „El Tiempo“. Die vier wussten plötzlich nicht mehr, wo sie waren und verirrten sich im Dschungel.

Vernichtung von Amazonas-Regenwald massiv angestiegen
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Ureinwohner entdecken die entkräfteten Familienmitglieder

Der Irrweg brachte sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. „Ständig mussten wir anhalten. Die Mädchen konnten nicht mehr laufen“, schildert María Pérez Caracol zufolge. Alle 30 Minuten hätten sie etwas trinken müssen, um nicht zu dehydrieren. „Sonst wären wir in Ohnmacht gefallen.“

Doch dann hatten sie unwahrscheinliches Glück. Mitten im peruanischen Regenwald stießen sie auf einige Ureinwohner vom Stamm der Secoya – eine indigene Gruppe, der nur noch wenige Hundert Menschen angehören.

Diese Überlebensgeschichte erinnert an die der deutschen Biologin Juliane Koepcke (65). Sie hatte mit 17 Jahren als einzige einen Flugzeugabsturz im peruanischen Dschungel überlebt und war erst nach zehn Tagen von Waldarbeitern gefunden worden. Im Mai 2019 war auch eine 35-jährige Wanderin 17 Tage durch den Dschungel geirrt und hatte 17 Tage überlebt.

Pérez liegt mit ihren Töchtern mittlerweile im Krankenhaus. Ihr überglücklicher Mann hat sie bereits in die Arme geschlossen.

(Joe)