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Désirée Nosbusch spricht über Missbrauch durch Ex-Partner

Désirée Nosbusch äußert sich im Interview über ihre Ex-Beziehung zum 26 Jahre älteren Georg Bossert – und erhebt schwere Vorwürfe.

Von Weinstein bis Wedel: Wie #MeToo die Entertainment-Welt aufrüttelt

Bedrängung und Missbrauch: Viele prominente Männer mussten sich in den vergangenen Jahren wegen sexueller Übergriffe verantworten. Die MeToo-Debatte brachte so manches Verbrechen an die Öffentlichkeit.

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Berlin. Harvey Weinstein, Kevin Spacey und Bill Cosby. Die Liste der Namen derer, die im Zusammenhang mit der #MeToo-Bewegung immer wieder genannt werden, ist um einen Namen reicher. Vielleicht kennen ihn nicht mehr viele. Dafür aber sein Opfer: Désirée Nosbusch. Die Moderatorin war mit gerade einmal 16 Jahren mit ihrem Manager Georg Bossert zusammen. Er war 26 Jahre älter als sie.

Gerade in den vergangenen Jahren haben auch Stars angefangen, über einstige Tabu-Themen wie sexuellen Missbrauch öffentlich zu sprechen – vor allem im Zuge der #MeToo-Bewegung. Im Oktober 2017 hatten Schauspielerinnen zum ersten Mal Anschuldigungen gegen Hollywood-Produzent Harvey Weinstein öffentlich gemacht.

Désirée Nosbusch spricht zum ersten Mal über sexuellen Missbrauch

Das Phänomen #MeToo breitete sich weltweit aus – auch in Deutschland. Die Vorwürfe gegen Weinstein waren massiv, inzwischen steht er vor Gericht, 80 Frauen beschuldigen ihn der Nötigung und der Vergewaltigung.

Nun hat Schauspielerin Désirée Nosbusch in einem Interview mit dem Podcast „Tanja Valérien – Gespräche über Wandlung“ über ihre ganz eigene Erfahrung mit sexuellem Missbrauch gesprochen.

Die Karriere von Désirée Nosbusch begann im Alter von gerade einmal zwölf Jahren als Moderatorin bei Radio Luxemburg, wenige Jahre später startete sie ihre Schauspielkarriere. Mit sechzehn Jahren ging sie eine Beziehung mit ihrem Manager Georg Bossert ein, er war damals 42 Jahre alt. Nachdem die Beziehung zu Nosbusch publik wurde, verließ Bossert Radio Luxemburg, wo auch er beschäftigt war, „im Einvernehmen“, hieß es damals.

Désirée Nosbusch: „Ich war gefangen. Ich wurde unterdrückt. Ich wurde missbraucht.“

Über die Beziehung zu Bossert war bisher nicht viel bekannt, die Schauspielerin hatte nie ausführlich darüber reden wollen – bis jetzt. „Es war nicht das, was es nach außen hin schien“, so Nosbusch in dem intimen Gespräch.

Und weiter: „Das war keine Beziehung, wo zwei Menschen beschlossen hatten, wir wollen jetzt zusammen sein – egal ob Altersunterschied oder nicht. Ich war gefangen. Ich wurde unterdrückt. Ich wurde missbraucht.“ Die Beziehung zu Bossert hielt neun Jahre, bis 1990.

Beziehung zu Bossert war „Alptraum“ für Eltern von Désirée Nosbusch

Désirée Nosbusch kommt nicht aus einem Elternhaus, das die junge Tochter auf die Gefahren der Medienbranche vorbereiten konnte. Die Luxemburgerin stammt aus einfachen Verhältnissen, der Vater war LKW-Fahrer. Wie viele der Missbrauchsfälle aus Hollywood zeigen, sind gerade junge Menschen ein einfaches Ziel für sexuelle Übergriffe.

Ein Großteil der Opfer traute sich lange Zeit nicht, ihre Erfahrungen publik zu machen – oft aus Angst, dass ihnen nicht geglaubt würde und ein Aussprechen des Übergriffs der eigenen Karriere Schaden könnte. Nosbusch verrät, dass die Beziehung auch eine Belastung für ihre Eltern war: „Es war nicht nur der Alptraum meiner Eltern, es war auch mein Alptraum.“

Nosbusch fiel es schwer, die Beziehung zu beenden

Der Schauspielerin sei es damals schwer gefallen, die Beziehung aus eigener Kraft zu beenden. Es sei für sie nicht üblich gewesen, die Autorität älterer oder erwachsener Personen infrage zu stellen. „Ich kam vielleicht aus einem Elternhaus oder aus einer Welt, wo jeder, der älter und erwachsener ist, erst mal recht hat, und ich dachte, wenn so was passiert, dann bin vielleicht ich schuld.“

Nosbusch geht in dem Interview nicht weiter ins Detail – auch, weil ihr Ex-Partner bereits tot ist. Könnte er sich rechtfertigen, so Nosbusch, „würde ich noch ganz andere Dinge erzählen. Da er nicht mehr lebt, habe ich irgendwann beschlossen, das wäre unfair. Ich glaube alles, was ich jetzt gesagt habe, kann man sich zusammenreimen.“

Désirée Nosbusch hat Ereignisse mithilfe von Therapie verarbeitet

Georg Bossert wurde im Jahr 1995 im Alter von 60 Jahren von seinem eigenen Sohn im Streit erstochen. Désirée Nosbusch konnte die Ereignisse mithilfe einer Therapie verarbeiten, wie sie bereits im Jahr 2006 in einem Interview mit der „Bunten“ erklärt hatte.

Nosbusch hatte schon einmal schlechte Erfahrungen mit einem älteren Mann gemacht. Im Alter von fünfzehn Jahren führte sie in den USA ein Interview mit dem für seine Wutausbrüche bekannten Schauspieler Klaus Kinski, der sie während des Gesprächs auf seinem Anwesen einsperrte. Nosbusch entkam damals, indem sie über den Balkon kletterte.

Nicht nur Prominente werden Opfer sexueller Übergriffe. Laut einer Studie war in den letzten drei Jahren jeder elfte Beschäftigte betroffen. Besonders häufig trifft es unter anderem FlugbegleiterInnen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Nosbusch habe in einem Podcast der Zeitschrift „Donna“ über sexuellen Missbrauch gesprochen. Tatsächlich wird der Podcast „Tanja Valérien – Gespräche über Wandlung“ vor der Veröffentlichung auf den gängigen Portalen exklusiv auf der Website der Zeitschrift bereitgestellt. Es handelt sich aber nicht um einen „Donna“-Podcast. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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