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Todesfälle in China: Zug- und Flugverkehr in Wuhan gestoppt

Eine Lungenerkrankung hat in China bereits zu 17 Todesfällen geführt. Jetzt werden immer mehr Infektionen in anderen Ländern bekannt.

Corona-Virus: Das sind die Symptome

Die Zahl der Erkrankten ist sprunghaft angestiegen. Deshalb fürchten viele nun eine Pandemie ähnlich wie Anfang der 2000er Jahre, als Hunderte am Sars-Virus starben.

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Peking. 
  • Eine geheimnisvolle Lungenerkrankung hat sich in China sprunghaft verbreitet und tritt nun in immer mehr Ländern auf
  • Experten vermuten, dass das Coronavirus für die Erkrankungen verantwortlich ist
  • In China hat es bereits 17 Todesfälle und mehrere Hundert Infektionen gegeben
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen Krisengipfel einberufen

In immer mehr Teilen der Welt wächst die Sorge um eine Ausbreitung des neuartigen Coronavirus, das von Experten als Ursache für eine gefährliche Lungenerkrankung gesehen wird. Mittlerweile hat das Virus in China bereits zu 17 Todesfällen geführt, das berichtete die Regierung der Provinz Hubei in der schwer betroffenen Metropole Wuhan am Mittwoch. Bisher waren erst neun Todesfälle durch das neuartige Virus bekannt gewesen.

Der Virus war ebenfalls in den USA nachgewiesen worden, auch aus Thailand wurden weitere Fälle gemeldet. Ebenfalls nachgewiesen wurden Infektionen in Taiwan, Japan, Südkorea und in der chinesischen Sonderverwaltungszone Macau.

Nach dem Ausbruch der neuartigen Virusinfektion in der chinesischen Elf-Millionen-Metropole Wuhan sollen weder Züge noch Flugzeuge die Stadt verlassen dürfen. Das berichtete die staatliche Zeitung „China Daily“ unter Berufung auf lokale Behörden am Mittwochabend. Zudem soll der gesamte öffentliche Nahverkehr ab Donnerstagvormittag (Ortszeit) vorübergehend stillstehen. Damit soll das Risiko minimiert werden, dass sich das Virus weiter ausbreitet. Die Bewohner von Wuhan seien aufgefordert, die Stadt nicht ohne triftigen Grund zu verlassen

Experten halten das Einschleppen der mysteriösen Lungenkrankheit aus China auch nach Europa für immer wahrscheinlicher. Es sei nicht auszuschließen, dass eine erkrankte Person nach Deutschland reise, sagte Lars Schaade, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Sorgen müsse man sich in Deutschland aber nicht machen.

„Wir müssen in den kommenden Tagen mit mehr Fällen in anderen Teilen Chinas und möglicherweise auch in anderen Ländern rechnen“, erklärte der Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tarik Jašarević, am Dienstag in Genf. Ungewöhnlich sei das nicht: „Wenn man die Überwachung ausweitet, ist es auch wahrscheinlich, dass man mehr Fälle entdeckt.“ Die WHO will sich am Mittwoch in einer Krisensitzung mit dem Erreger befassen, der Atemwegserkrankungen verursacht.

Lungenkrankheit in China: Infektionen gingen wohl von einem Tier aus

Nach dem Ausbruch der rätselhaften Lungenkrankheit in China war die Zahl der bestätigten Fälle am Dienstag sprunghaft auf rund 440 gestiegen. Forscher am britischen Zentrum für die Analyse globaler Infektionskrankheiten am Imperial College London gehen davon aus, dass die Ausbreitung der Krankheit sehr viel größer ist als bisher bekannt. Nach ihrer Wahrscheinlichkeitsrechnung schätzen die Experten die Zahl der Patienten auf mehr als 1700. Lesen Sie hier, wie welche Symptome das Virus aus China hervorruft und wie gefährlich sie ist.

Erstmals wurden in China auch Infektionen außerhalb der Millionenmetropole Wuhan entdeckt, wo sich der Erreger zunächst ausgebreitet hatte. Ein Fisch- und Geflügelmarkt in Wuhan gilt als Ausgangspunkt des Erregers. Die genaue Quelle wurde bislang jedoch nicht identifiziert. Mutmaßlich gingen die Infektionen ursprünglich von einem Tier aus. Vizeminister Li kündigte an, die Forschungen zu Ursprung und Übertragung des Virus würden verstärkt. Der Markt ist seit Jahresbeginn geschlossen.

„Auf solchen Märkten herrscht oft großes Gedränge, Wildtiere werden dort lebend oder ganz frisch geschlachtet verkauft“, erklärte der Berliner Virusforscher Christian Drosten. Die chinesischen Behörden haben demnach bereits eine Hypothese, von welcher Tierart der Erreger auf den Menschen übergesprungen sein könnte. „Das wird aber erst offiziell verkündet, wenn es als gesichert gilt.“

Wochenlang herrschte Unklarheit darüber, ob der Erreger auch von Mensch zu Mensch übertragen wird. Am Montag bestätigte aber ein Experte der nationalen chinesischen Gesundheitskommission diesen Übertragungsweg. Einen Beleg dafür lieferte ein chinesischer Arzt, der bei der Untersuchung der Infektionen im Auftrag der Nationalen Gesundheitskommission nach eigenen Angaben selbst erkrankte.

Die Sorgen werden durch den intensiven Reiseverkehr rund um den chinesischen Neujahrstag am kommenden Samstag gesteigert. Rund um das Fest sind jedes Jahr Millionen Chinesen per Zug, Bus oder Flugzeug im Land unterwegs. Nach chinesischen Angaben ist das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar.

Virusforscher: Neuer Erreger in China ist ein Sars-Virus

Virusforscher Drosten zufolge geht die Erkrankung auf eine Art des Sars-Virus zurück. Der neue Erreger sei dem ähnlich, der 2002 und 2003 zu einer Pandemie führte. Beim Sars-Ausbruch 2002/03 gelten Schleichkatzen als wahrscheinlichster Ursprung des Erregers. Sars steht für „Severe Acute Respiratory Syndrome“, also Schweres Akutes Atemwegssyndrom.

„Es ist dieselbe Virusart, nur in einer anderen Variante“, erklärte der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin am Dienstag. Unterschiede gebe es vor allem bei den Proteinen, mit denen das Virus an menschliche Zellen andocke. Bei der Sars-Pandemie waren von China ausgehend weltweit rund 8000 Fälle erfasst worden, mehr als 800 Menschen starben.

Dass ein zuvor unbekanntes Virus so wie das jetzige Ausbrüche beim Menschen verursacht, kommt nach Einschätzung Drostens etwa alle zehn Jahre vor.

Neues Virus verbreitet sich schnell in China

Coronavirus in China: Symptome wie bei einer Lungenentzündung

Die Aussagekraft der eingesetzten Tests sei unterschiedlich, möglicherweise müssten Testergebnisse im Nachhinein revidiert werden. Derzeit arbeitet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) demnach mit den Ländern daran, einen einheitlichen diagnostischen Test festzulegen.

Nach derzeitigem Wissen sorge es für Fieber und Symptome einer Lungenentzündung. „Die oberen Atemwege sind nicht betroffen, es gibt beispielsweise keinen Schnupfen.“ Von Lunge zu Lunge gelangt ein Erreger schwerer als etwa mit den Tröpfchen beim Niesen.

Coronavirus in China: Fieberkontrollen an Flughäfen

Die chinesischen Behörden konzentrierten sich darauf, Drehscheiben für den Transport wie Flughäfen oder Bahnhöfe, wo viele Passagiere verkehrten, zu desinfizieren und zu beobachten. Andere asiatische Staaten haben die Vorsichtsmaßnahmen bei der Einreise besonders von Reisenden aus Wuhan verstärkt und Fieberkontrollen eingeführt, um eine befürchtete Ausbreitung zu vermeiden.

Die US-Botschaft in Peking gab eine Reisewarnung aus. Reisende nach Wuhan sollen demnach Tiermärkte und den Kontakt mit Tieren oder auch ungekochtes Fleisch meiden. Auch sollten sie kranken Personen aus dem Weg gehen und sich die Hände häufig mit Seife und Wasser waschen.

Keine Reisewarnung durch die WHO

Wer in Wuhan gewesen sei und sich krank fühle, solle sofort medizinische Hilfe suchen und den Kontakt mit anderen meiden, hieß es weiter. Bevor der Arzt aufgesucht werde, solle die Praxis oder Klinik über die Reisegeschichte und die Symptome unterrichtet werden.

Die WHO erließ ausdrücklich keine besondere Reisewarnung. In einer Mitteilung wurde lobend erwähnt, dass die Identifikation eines neuen Virus in kurzer Zeit eine „bemerkenswerte Errungenschaft“ sei. Es demonstriere die gewachsenen Fähigkeiten Chinas, mit solchen Ausbrüchen umzugehen. (gem/jb/cho/dpa)

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