Erderwärmung

Grönland-Eis hebt Meeresspiegel um fast elf Millimeter an

| Lesedauer: 3 Minuten
Der Mogens Heinesen Fjord in Grönland: Auslaufende Gletscher kalben Eisberge in die Gewässer.

Der Mogens Heinesen Fjord in Grönland: Auslaufende Gletscher kalben Eisberge in die Gewässer.

Foto: Benoit Lecavalier / dpa

Studie zeigt ausführliches Bild zum Eisverlust in Grönland: 3800 Milliarden Tonnen Eis sind abgeschmolzen und in die Meere geflossen.

Berlin. Der Klimawandel macht sich zunehmend auch beim Meeresspiegel bemerkbar. Eine Studie, die auf 26 verschiedenen Satellitenmessreihen basiert, belegt einen Anstieg seit 1992 um 10,6 Millimeter. Schuld daran sind 3800 Milliarden Tonnen Eis, die seither geschmolzen sind. Zu diesem Ergebnis kamen 96 Wissenschaftler von insgesamt 50 internationalen Organisationen. Ihre Prognose in der Fachzeitschrift „Nature“: Allein das geschmolzene Grönlandeis wird bis 2100 die Weltmeere um 20 Zentimeter ansteigen lassen.

Waren es von 1992 bis 1997 etwa 18 Milliarden Tonnen Eis, die jährlich ins Meer abflossen, so schmolzen von 2012 bis 2017 jedes Jahr rund 239 Milliarden Tonnen des Eisschildes – etwa das 13-Fache. Rund 52 Prozent des Eisverlustes kommen demnach durch das Abschmelzen an der Eisoberfläche und das abfließende Schmelzwasser zustande. Die übrigen 48 Prozent stammen von der zunehmenden Fließgeschwindigkeit der Gletscher und dem vermehrten Kalben am Meer.

Eisschmelze könnte 100 Millionen Menschen betreffen

Durch das Messen der Höhe der Gletscher, der Fließgeschwindigkeit und der Schwerkraft, liefern die Wissenschaftler um Andrew Shephard von der University of Leeds (Großbritannien) und Erik Ivins vom Nasa Jetz Propulsion Laboratory in Pasadena (USA) nach eigenen Angaben das bisher vollständigste Bild der grönländischen Eisschmelze.

Durch Veränderungen der Luftdruckverhältnisse über dem Nordatlantik habe sich der Verlust ab 2012 abgeschwächt, schreiben Shepherd, Ivins und Kollegen. Insgesamt bewege sich die Schmelze aber eher im Bereich der schnelleren Erderwärmung, die der Weltklimarat (IPCC) in seinen Prognosen aus dem Jahr 2014 veröffentlicht hat.

„Nach den aktuellen Trends werden durch das Abschmelzen des Eises in Grönland gegen Ende des Jahrhunderts jedes Jahr 100 Millionen Menschen Überschwemmungen erleiden“, wird Shepherd in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. Insgesamt 400 Millionen Menschen würden betroffen sein, wenn auch der Eisverlust in der Antarktis berücksichtigt werde.

Verschwindet das Grönland-Eis, steigt der Meeresspiegel um mehr als sieben Meter

Das Grönlandeis entspricht nur etwa zwölf Prozent des Antarktiseises, das aber langsamer schmilzt. Würde alles Eis von Grönland verschwinden, läge der weltweite Meeresspiegel um 7,4 Meter höher.

Guðfinna Aðalgeirsdóttir von der Universität von Island in Reykjavik, die nicht an der Studie beteiligt war, erwartet für 2019 wieder einen stärkeren Anstieg des Eisverlustes. Die Hauptautorin des nächsten IPCC-Reports hat in diesem Sommer in Island ein stärkeres Abschmelzen der Gletscher beobachtet als in den vergangenen Jahren. „Ich würde einen ähnlichen Anstieg des Massenverlusts in Grönland für 2019 erwarten“, sagt sie laut Mitteilung der University of Leeds.

dramatischer klimareport- das eis schmilzt immer schneller(dpa/yah)

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos