Studie

Warum das Gehirn in der Antarktis schrumpft

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Die Forschungsstation „Neumayer-Station III“ liegt in einer der lebensfeindlichsten Regionen der Erde – der Antarktis.

Die Forschungsstation „Neumayer-Station III“ liegt in einer der lebensfeindlichsten Regionen der Erde – der Antarktis.

Foto: Thomas Steuer / dpa

Lange Aufenthalte in der Antarktis können bei Menschen zu Veränderungen im Gehirn führen. Das stellten nun deutsche Forscher fest.

Berlin. Der menschliche Körper ist für extreme Umstände nicht geschaffen. Dass dies sogar zu Veränderungen im Gehirn führen kann, haben deutsche Forscher nun entdeckt. Diese neuen Erkenntnisse könnten sich auch auf Missionen im Weltall übertragen lassen.

Das Team um Alexander Stahn von der Charité–Universitätsmedizin Berlin hatte Menschen untersucht, die sich 14 Monate lang in einer Station in der Antarktis aufgehalten hatten. Das bedeutet: Temperaturen von bis zu minus 50 Grad, monatelange Dunkelheit und eingeschränkter menschlicher Kontakt.

Antarktis hat besonderen Effekt auf Gehirn

Das Forschungsteam hatte strukturelle Hirn-Aufnahmen vor und nach der Expedition per MRT gemacht, Blutproben der einbezogenen fünf Männer und vier Frauen analysiert und sie regelmäßig kognitiven Tests unterzogen. Die Ergebnisse wurden anschließend mit einer Kontrollgruppe in Deutschland vergleichen.

Was sind die Ursachen für die Veränderungen im Gehirn?

  • Die Schlussfolgerung der Forscher: Der Langzeitaufenthalt in der Arktis hatte bei den untersuchten Personen zu Veränderungen im Gehirn geführt.
  • So seien Verkleinerungen in Teilbereichen des Hippocampus, festgestellt worden, wie sie im „The New England Journal of Medicine“ berichteten.
  • Die betroffenen Teile Hippocampus seien für das Gedächtnis und räumliches Denken zuständig.

Die Auslöser für die Veränderungen seien unklar. Zu möglichen Faktoren zählen Reizarmut, wenige Sozialkontakte, schlechter Schlaf oder Probleme in der Gruppe.

Langfristige Folgen für die untersuchten Personen erwarte Stahn nicht. Trotzdem sei es wichtig, nach Möglichkeiten zu suchen, diesem Effekt vorzubeugen. Die Forscher weisen darauf hin, dass die Studie mit neun Teilnehmern sehr klein und die Ergebnisse deshalb vorsichtig interpretiert werden sollen. Ähnliche Resultate hatte man jedoch in der Vergangenheit bereits bei Tierversuchen feststellen können.

Resultate könnten auch für Raumfahrt interessant sein

Die Untersuchungen könnten auch für die Raumfahrt von Interesse sein. Bei Astronauten waren nach längeren Aufenthalten im Weltall bereits Veränderungen am Gehirn festgestellt worden. Diese konnte man selbst noch Monate nach der Rückkehr der Raumfahrer feststellen. Betroffen war hier vor allem die sogenannte graue Substanz, die hauptsächlich Nervenzellen enthält.

Auch die kommerzielle Raumfahrt müsste sich mit solchen Problemen beschäftigen. Die NASA will ab 2020 Flüge zur Internationalen Raumstation (ISS) für Touristen anbieten. SpaceX, das Weltraumunternehmen von Tesla-Chef Elon Musk, will ab 2023 sogar Flüge zum Mond anbieten.

(dpa/lhel)

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