Weltklimakonferenz

Greta Thunberg gesteht: „Wir haben nichts erreicht“

Beim UN-Klimagipfel in Madrid beginnen am Dienstag die Verhandlungen. Klimaaktivistin Greta Thunberg macht mit ihren Anhängern Druck.

Greta Thunberg mit ernüchterndem Fazit in Madrid

Die 16-Jährige hoffe, dass die 25. Weltklimakonferenz etwas Konkretes hervorbringt. Denn bisher habe sich immer noch nichts geändert, so die Schwedin.

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Madrid.  Greta Thunberg wird in Madrid wie ein Popstar gefeiert. Sie selbst nimmt den Rummel um ihre Person gelassen und konzentriert sich lieber auf ihr Hauptanliegen: den Klimaschutz. Und so hat sich am Rande der UN-Klimakonferenz so offen wie nur selten gezeigt. Zwar nehme sie die Aufregung um ihre Person wahr. Sie selbst sehe sich aber gar nicht in dieser Rolle, wie sie in einem Interview mit der portugiesischen Zeitung „Expresso“ sagte.

Auch beim Klimamarsch am Freitag wurde sie von Fans belagert. Die Aufregung war so groß, dass Thunberg für ihre Abschlusskundgebung zur Bühne gefahren werden musste – natürlich mit einem Elektroauto.

Zuvor hatte sie bei einer Pressekonferenz eingeräumt, dass die weltweiten Klimaproteste junger Aktivisten bisher so gut wie nichts dazu beigetragen hätten, den Klimawandel aufzuhalten – es kam einer Art Geständnis gleich. „Wir haben das Bewusstsein für Klimafragen geweckt, aber das reicht noch lange nicht aus“, sagte sie. „Somit kann man sagen, dass wir viel, aber dann auch wieder nichts erreicht haben.“

Greta Thunberg: So bitter ist ihr Geständnis
Greta Thunberg- So bitter ist ihr Geständnis

Greta Thunberg in Madrid – Das Wichtigste in Kürze:

  • Greta Thunberg hat es auf klimaneutralem Weg nach Madrid zum UN-Klimagipfel geschafft
  • Bei ihrer Ankunft wurde sie regelrecht belagert
  • Am Abend musste sie deshalb den Protestmarsch abbrechen und fand hinterher warnende Worte
  • Auch zu ihrer Rolle als Symbol des Kampfes gegen den Klimawandel äußerte sie sich
  • Greta Thunberg übte sich dabei auch in Selbstkritik

Sie selbst sehe sich dabei nur als „einen kleinen Teil einer sehr großen Bewegung“, die weiter für eine bessere Zukunft kämpfen werde.

Die Chance will sie gleich auf der UN-Klimakonferenz nutzen. Der Gipfel in Madrid geht in die zweite und damit entscheidende Woche. Bevor am Dienstag die Minister mit den formellen Verhandlungen beginnen, will die schwedische Aktivisten ihnen noch einmal die Leviten lesen.

Gemeinsam mit ihrer deutschen Mitstreiterin Luisa Neubauer trat Thunberg am Montag auf dem Madrider Messegelände auf.

Bereits am Freitag hatten beide an einer „Fridays for Future“-Großdemo für mehr Klimaschutz teilgenommen. Die Organisatoren sprachen von rund 500.000 Teilnehmern, von offizieller Stelle wurde dies jedoch nicht bestätigt.

Lesen Sie hier: Warum sich Greta Thunberg nicht als Ikone sieht.

Greta Thunberg und der „halbe“ Klimagipfel

Der Handel mit Emissionen und die Unterstützung für vom Klimawandel besonders hart getroffene Staaten stehen auf der Agenda der kommenden Tage.

Speziell arme Länder, die am wenigsten zur Krise beitragen, leiden unter den Folgen von Dürren und Wetterkatastrophen. Ob konkrete Maßnahmen beschlossen werden, ist aber zumindest fraglich. Die Hilfsorganisation Care monierte am Freitag, die Industrienationen spielten in Madrid bislang auf Zeit, und auch die EU-Kommission bleibe weiter hinter den Erwartungen zurück.

Bei der Großdemo war auch der spanische Filmstar Javier Bardem dabei, ebenso wie zahlreiche Indigene aus Lateinamerika, die ganz besonders unter der Umweltzerstörung und Abholzung der Regenwälder leiden. Die Politiker müssten jetzt „auf der Höhe dieses historischen Moments“ sein, erklärte Bardem mit Blick auf die anhaltenden internationalen Klimaproteste.

Auch Thunberg forderte die Politiker bei einer kurzen Rede unter dem Jubel der Anwesenden erneut auf, konkrete Fortschritte im Kampf gegen die Erderwärmung zu erzielen.

Greta Thunberg mit ernüchterndem Fazit in Madrid
Greta Thunberg mit ernüchterndem Fazit in Madrid

Ab Dienstag wird auf Ministerebene verhandelt, dafür reist auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze zum Klimagipfel. Im Mittelpunkt der Treffen stehen ehrgeizigere Ziele als bisher, was die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens angeht. Lesen Sie hier: Die Erde sendet beim Klimawandel ihr wohl letztes Alarmsignal.

Dieses sieht vor, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Jedoch müssen die ambitionierteren Pläne erst bei der nächsten Klimakonferenz im kommenden Jahr vorgelegt werden. Thunberg sagte dazu: „Halbe Gipfeltreffen können wir uns gar nicht leisten, wir müssen jede Chance nutzen.“

Greta Thunberg durfte Zug nicht gleich verlassen

Bei ihrer Ankunft in Madrid hatten dutzende Medienvertreter die 16-Jährige am Freitagmorgen an Gleis 15 des Bahnhofs Chamartín im Norden der spanischen Hauptstadt empfangen. Wegen des hohen Andrangs musste Thunberg eine knappe Viertelstunde in dem Zug ausharren, ehe sie begleitet von spanischen Sicherheitskräften aussteigen konnte.

Großer Bahnhof für Greta Thunberg
Großer Bahnhof für Greta Thunberg

Den Rummel nahm sie gelassen und schrieb kurze Zeit später augenzwinkernd auf Twitter: „Ich habe es heute Morgen mit Erfolg geschafft, mich nach Madrid einzuschleichen! Keine Ahnung, ob mich irgendwer gesehen hat... Aber es ist toll, in Spanien zu sein!“ Dazu stellte sie ein Video, auf dem zu sehen ist, wie sie beim Ausstieg aus dem Zug von Menschen umringt wird.

Greta war mit einem Nachtzug von Lissabon in die spanische Hauptstadt gereist. Zuvor hatte ein Angebot eines religiösen Nachbarschaftsvereins aus der spanischen Gemeinde Talavera de la Reina nahe Toledo für Aufregung gesorgt: Er wollte der schwedischen Klimaaktivistin einen Esel zur Weiterreise von Lissabon nach Madrid zur Verfügung stellen.

„Wir sind uns der Wichtigkeit bewusst, die Welt für die Situation der Umwelt zu sensibilisieren und schließen uns Thunbergs Kampf an“, hieß es am Mittwoch auf der Facebookseite des Vereins „Asociación Fray Hernando de Talavera“. „Unsere Vorfahren haben dieses Fortbewegungsmittel benutzt und es war das umweltfreundlichste überhaupt.“ Neben dem Post war ein Foto eines örtlich aufgezogenen Esels zu sehen.

Greta Thunberg äußert sich zu Kritik

Die 16-jährige Thunberg war am Dienstag vergangener Woche nach dreiwöchiger Segelreise über den Atlantik in Portugal eingetroffen. Die Aktivistin vermeidet Flugzeuge, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Trotz ihres klimafreundlichen Transportmittels hagelte es Kritik – die Reise sei gar nicht wirklich klimaneutral.

Der Grund: Seglerin Nikki Henderson, die Greta auf ihrer Reise nach Europa begleitete, musste mit dem Flugzeug von Großbritannien in die Vereinigten Staaten fliegen. An Board war außerdem das australische Youtuber-Paar, das Greta ihr Boot zur Verfügung gestellt hatte.

Ähnliche Kritik musste die junge Klimaaktivistin schon bei ihrer Hinreise einstecken. Um das Segelboot „Malizia II“, mit dem Greta nach New York gesegelt war, wieder zurückzubringen, mussten fünf Personen mit dem Flugzeug nach New York fliegen. Auch der deutsche Segelprofi Boris Hermann, mit dem Thunberg hingesegelt war, nahm das Flugzeug zurück. Auch lesenswert:

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Die Klimaaktivistin äußerte sich kürzlich zu den Vorwürfen: „Ich reise nicht so, weil ich möchte, dass alle das tun. Ich tue das, um eine Botschaft zu senden, dass es heute unmöglich ist, nachhaltig zu leben, und das muss sich ändern. Es muss viel einfacher werden.“

Greta Thunberg – Mehr zur Klima-Aktivistin

Im Vorfeld der Reise hatte es Unklarheiten gegeben, ob es die Klimaaktivistin überhaupt zur Konferenz schaffen würde. Sogar Eurowings bot Hilfe an – Greta hatte jedoch abgelehnt. (dpa/les/yah)