Villa Kellermann

Skelett bei Jauch-Villa stammt wohl von Sowjet-Soldaten

Knochenfund im Garten einer Potsdamer Villa des Moderators Günther Jauch: Ein Experte ist sich sicher, von wem das Skelett stammt.

Darum wurde ein Skelett bei Villa von Jauch gefunden
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Potsdam. Vermutlich starb der Mann in den letzten Kriegstagen weit entfernt von seiner Heimat: Die sterblichen Überreste, die Bauarbeiter am Montag im Garten einer Potsdamer Villa gefunden haben, stammen offenbar von einem Sowjet-Soldaten der Roten Armee.

Davon geht die Deutsche Kriegsgräberfürsorge Brandenburg aus. „Es besteht kein Zweifel“, sagt Geschäftsführer Oliver Breithaupt laut „Bild“. Der Stahlhelm, der bei dem Skelett gefunden wurde, sei einer der Roten Armee. Auch die gefundene Munition deute darauf hin. Der Tote lag im Garten der Villa Kellermann, die dem Fernsehmoderator Günther Jauch gehört und in der der Berliner Sternekoch Tim Raue seit September ein Restaurant betreibt.

Günther Jauch: Woher kommt das Skelett bei seiner Villa?

Der Potsdamer Historiker Hannes Wittenberg glaubt dem Bericht nach, dass der Tote im Garten der Jauch-Villa Ende April 1945 „bei Kampfhandlungen“ zu Tode gekommen sein muss. Darauf deute vor allem die Auffindesituation des Skeletts hin. Dass der Helm noch da war, spreche dafür, dass Kameraden dem Toten ein Holzkreuz auf die Grabstelle gestellt und den Helm drauf gehängt hätten. Im Lauf der Zeit sei das Grab dann wohl vergessen worden.

Die Bauarbeiter hatten am Montagmorgen beim Baggern in 30 Zentimeter Tiefe Unterschenkelknochen, Patronenhülsen und den Schädel eines Skeletts gefunden.

Günter-Jauch-Villa: Knochen gehören vermutlich zu russischem Soldaten

Die Staatsanwaltschaft werde prüfen, ob die Knochen gerichtsmedizinisch untersucht werden sollen, hieß es. Der Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge werde das Teilskelett beerdigen.

TV-Moderator Günther Jauch, der selbst in Potsdam lebt, hatte die Villa am Heiligen See gegenüber dem Schloss Cecilienhof vor gut drei Jahren gekauft und sie denkmalgerecht sanieren lassen. Erst im November wurde der 63-Jährige wegen seines Engagements in der Villa Kellermann vom Restaurant-Führer „Gault Millau“ als „Gastronom des Jahres“ geehrt.

„Er ließ ein Stück Kulturgut aufwendig renovieren, öffnet es für ein genussfreudiges Publikum und schenkt Potsdam in Zusammenarbeit mit Tim Raue ein Vorzeigerestaurant mit weltläufigem Flair“, urteilten die Tester.

Nach Angaben des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge kommt es in Brandenburg häufiger vor, dass menschliche Knochen aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden. Der Verein will das Skelett nach der Untersuchung auf einer Kriegsgräberstätte beisetzen.

Der Fund nahe der Villa von Günther Jauch ist kein Einzelfall: Tausende Soldaten-Skelette liegen unentdeckt unter der Erde.

Günter Jauch: Villa nach Bernhard Kellermann benannt

Das im Jahr 1914 errichtete Gebäude am Heiligen See ist nach dem Schriftsteller Bernhard Kellermann („Der Tunnel“) benannt. Zu DDR-Zeiten wurde es vom DDR-Kulturbund genutzt – als öffentlicher Treffpunkt von Intellektuellen, Künstlern und Schriftstellern.

Nach der Wende wurde in der Villa einige Jahre lang ein Restaurant mit italienischer Küche betrieben. 2016 war Tim Raue Kandidat in Jauchs-Show „Wer wird Millionär?“

(Joe/jb/dpa)