Biografie

Posthume Prince-Biografie: Viel Musik – und noch mehr Sex

Posthum erscheinen jetzt die Memoiren des Funk-Stars Prince. Es ist ein Appell an junge Talente, eine Ode an die Musik und guten Sex.

Prince Rogers Nelson bei einer Performance seines Hits „Purple Rain“ im Jahr 1984 in Kalifornien.

Prince Rogers Nelson bei einer Performance seines Hits „Purple Rain“ im Jahr 1984 in Kalifornien.

Foto: imago/Cinema Publishers Collection

Washington. Wenn es einen Himmel gibt für die Großen aus Rock, Pop und Funk, dann sitzt Prince Rogers Nelson, kurz Prince, heute im Leder-Tanga auf einer purpurnen, mit viel Rüschen verzierten Wolke und ist zufrieden. Auch wenn der kleine Gigant mit 57 Jahren viel zu früh starb – im April 2016 an einer Überdosis am Schmerzmittel Fentanyl –, um seine Memoiren abzuschließen, so hat sich sein Schreibsozius Dan Piepenbring jede Mühe gegeben, das heute weltweit erscheinende „The Beautiful Ones“ zu einem Ereignis für Herz und Verstand zu machen.

Der 33-jährige Piepenbring, Journalist, Buchautor und langjähriger Prince-Liebhaber, hatte nach einem skurrilen Auswahlverfahren Anfang 2016 von Prince persönlich den Zuschlag erhalten, dem Künstler schriftstellerisch zur Seite zu stehen.

Ziel war es, eine Mischung aus Biografie und Autobiografie des 1958 geborenen Multiinstrumentalisten zu Papier zu bringen, eine Streitschrift gegen die entmündigende Musikindus­trie und einen Motivationsappell an junge afroamerikanische Künstlertalente, berichtete Piepenbring im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Wir hätten das schaffen können, wenn uns genug Zeit geblieben wäre.“ Als Prince vor dreieinhalb Jahren im Fahrstuhl seines Anwesens und Kreativzentrums Paisley Park bei Minneapolis gefunden wurde, hatten die beiden bis dahin nicht mehr als insgesamt 15 Stunden miteinander verbracht, geredet, philosophiert und konzipiert.

Prince liebte Sex, das war kein Geheimnis

Mehr als 28 – manchmal mit bernsteinfarbener oder lila Tinte – handgeschriebene Seiten des Musikers lagen nicht vor, als der Co-Autor gemeinsam mit den Nachlassverwaltern und den Verlegern von Random House beriet, was zu tun ist.

Die Früchte der Entscheidung, in Deutschland im Wilhelm-Heyne-Verlag erschienen und von Eike Schönfeld und Claudia Wuttke feinfühligst übersetzt, liegen nun vor. Sie sind nicht nur für Prince-Gläubige ein Genuss. Allein die einen eigenen kleinen Roman werte Einführung lässt erahnen, was möglich gewesen wäre, hätte es das Schicksal besser gemeint mit dem Mann, der zwischen den Jahren 1978 und 1985 stolze 15 Alben und 13 Top-20-Hits produzierte und der Welt Kleinode wie „When Doves Cry“, „Purple Rain“ oder „Little Red Corvette“ hinterließ.

Man erfährt, dass die ersten Erinnerungen von Prince mit dem Augenzwinkern seiner Mutter Mattie Della Shaw zu tun haben. Von der sich sein Vater John Nelson, der Magnetregler für Hochöfen herstellte, im Herzen aber immer Jazz-Pianist war, trennte, als Prince sieben war.

Die Scheidung seiner Eltern war sein größtes Dilemma

Das Ehe-Aus der Eltern, Prince nannte es eines seiner „größten Dilemmas“, war prägend für den Jungen, der später Sätze sagte wie diesen: „Musik heilt. Manche Geheimnisse sind so dunkel, dass man sie erst zu einem Song machen muss, bevor man sie ans Licht bringen kann.“

Prince, der wie James Brown Erotik und Musik lässig zu verschmelzen verstand, hasste Firlefanz und Klischees. Funk sei das Gegenteil von Magie, beschied er Dan Piepenbring. „Beim Funk geht es um Regeln.“ Den Stellenwert der Sexualität für ihn leugnete Prince schon als Teenager nicht. „Carris Körper war kriminell, und am Wochenende waren ihre Kurven am gefährlichsten“, heißt es an einer Stelle.

Und in einem selbst gezeichneten Comic stellte er, damals schon mit einem bowlingkugelgroßen Afro unterwegs, seinem Vater die Frage: „Hey, wusstest du, dass einem von zu viel Sex die Haare wachsen?“ Über seinen weit vom Schuss liegenden Heimatort im Bundesstaat Minnesota sagte Prince: „Es ist dort so kalt, dass sich die schlechten Menschen fernhalten.“

Piepenbrings Lieblingsfoto ist eines aus den 70er-Jahren: Prince im Bett, mit Gitarre, in sich versunken. „Das bringt immer noch mein Herz in Wallung.“