Brandstiftung

Neunjähriger in USA vor Gericht – Anklage: fünffacher Mord

Zündete der neunjährige Kyle absichtlich den Wohnwagen der Familie an? Zumindest steht er deshalb vor Gericht. Zum Entsetzen vieler.

USA: Ein Neunjähriger steht vor Gericht – weil er seine Familie getötet haben soll.

USA: Ein Neunjähriger steht vor Gericht – weil er seine Familie getötet haben soll.

Foto: TheaDesign / iStockphoto

Berlin. In Deutschland regelt das Strafrecht eindeutig: Kindern kann nicht der Prozess gemacht werden. In den USA ist das anders: Das Land blickt nach Eureka im Bundesstaat Illinois – wo ein Neunjähriger vor Gericht steht. Anklage: fünffacher Mord.

Denn Kyle hat den Wohnwagen, in dem er mit seiner Familie lebte, angezündet. Am Montag im Gerichtssaal wurde ihm dabei Vorsatz unterstellt. „Deliberately“ sei dies geschehen, bewusst. Der Neunjährige musste sich im Gerichtssaal erst einmal die Bedeutung des Wortes erklären lassen, berichten US-Medien. Und was ein Wohnsitz eigentlich ist, was Brandstiftung.

Die Tat soll sich am 6. April ereignet haben. Gegen 23 Uhr sei der Neunjährige zum benachbarten Wohnmobil seiner Großeltern gekommen, habe gerufen, es brenne.

USA: Junge zündet Haus an – Mutter hört Schreie der brennenden Kinder

Kyles Mutter Katie konnte sich aus den Flammen retten – inzwischen sprach sie unter anderem mit „CBS News“ über das Drama. Draußen habe sie die Schreie ihrer Familie gehört. Drinnen verbrannten Kyles Geschwister Daemeon (2) und Ariel (1), auch seine Cousine Rose (2) und sein Stiefvater Jason (34) verloren ihr Leben.

Bei CBS berichtet die Mutter von den dramatischsten Minuten ihres Lebens – davon, wie sie ihrem Partner noch durchs Fenster zurief, dass sie ihn liebe. „Ich weiß nicht, ob es schlimmer war, die Schreie zu hören, oder als sie verstummten.“

Offenbar gibt es viele Hinweise darauf, dass der Neunjährige das Feuer mutwillig gelegt hat, allerdings verteidigt ihn seine Mutter auch. Ihr Kyle sei kein Monster. Das Kind leide an einer bipolaren Störung und sei entsprechend nicht Herr seiner Handlungen, erklärt sie im US-Fernsehen.

Mutter hat ihrem Sohn vergeben – Juristin kritisiert Staatsanwalt

Entsprechend habe sie ihm für das Geschehene auch vergeben. „Egal, was passiert ist, ich liebe ihn.“ Inzwischen hat sie eine Verfügung bekommen, die ihr verbietet, bestimmte Details des Falls öffentlich zu machen – wohl auch aufgrund des anstehenden Prozesses. Derzeit befinde sie sich in einem Krankenhaus. Was ihr Leiden ist, ist unbekannt.

Laut CBS News verließ der Neunjährige den Gerichtssaal unter Tränen, begleitet von seinem Patenonkel.

Der Prozess ist in den USA hochumstritten, eine Jura-Professorin erklärte dem Nachrichtensender, dass es überhaupt zum Prozess komme, liege daran, dass die Staatsanwaltschaft nur ihre Macht demonstrieren wolle. Der Staatsanwalt selbst verteidigte seine Entscheidung und betonte, dem Jungen drohe ohnehin nur eine Strafe auf Bewährung.

Ebenfalls in den Vereinigten Staaten erschoss ein Neunjähriger seine Schwester – nach einem Streit um eine Spielkonsole. Ein anderer Fall, der die USA erschütterte, war die Ermordung einer Schwangeren – das Baby wurde ihr aus dem Bauch geschnitten.