Interview

Daniel Brühl: „Ich würde mein Kind nicht klonen lassen“

Daniel Brühls neuer Film „My Zoe“ geht unter die Haut. Es geht darum, wie weit Eltern gehen, um den Verlust eines Kindes zu mildern.

Ab November ist der Schauspieler Daniel Brühl in dem Film von July Delpy „My Zoe“ im Kino zu sehen.

Ab November ist der Schauspieler Daniel Brühl in dem Film von July Delpy „My Zoe“ im Kino zu sehen.

Foto: Andreas Rentz / Getty Images for ZFF

Zürich. Nach seinem Durchbruch mit „Good Bye, Lenin“ (2003) spielte Daniel Brühl unter anderem in Filmen mit wie „Inglourious Basterds“ (2009) und „7 Tage in Entebbe“ (2018). In Julie Delpys neuem Film „My Zoe“, der im November startet, nimmt er nicht nur eine zentrale Rolle ein, er hat den Film auch mit seiner Firma Amusement Park co-produziert. Demnächst gibt er mit dem Spielfilm „Nebenan“ auch noch sein Regiedebüt. Ulrich Lössl sprach mit Daniel Brühl beim Filmfestival in Zürich.

Julie Delpy sagte, dass Sie ihren Film „My Zoe“ gerettet haben…

Daniel Brühl: … das hat sie tatsächlich bei der Filmpremiere in Zürich gesagt – und das ging mir runter wie Öl! Wir sind mit meiner Produktionsfirma Amusement Park bei der Finanzierung des Films eingesprungen, nachdem ein paar windige Investoren aus Korea ausgestiegen waren. Malte Grunert, mein Freund und Mitbegründer von Amusement Park, und ich waren sehr froh, endlich einmal ein gutes Projekt zu haben, das für uns beide Sinn machte.

Julie Delpy hatte Sie ja schon vorher als Schauspieler bei „My Zoe“ mit eingebunden.

Brühl: Julie und ich sind seit langem gut befreundet und ich habe schon bei einigen ihrer Filme mitgespielt. Sie hat mir auch immer von ihren Projekten erzählt, aber über diesen Film – kein Wort. Als wir uns dann irgendwann einmal in Los Angeles trafen, gab sie mir das Drehbuch zu „My Zoe“ und fragte mich, ob ich die Rolle des Arztes übernehmen wollte. Als ich das Drehbuch las, war ich vollauf begeistert. Ich fand das Thema ungeheuer spannend. Es handelt davon, wie eine Mutter ihre verstorbene Tochter von einem Arzt klonen lässt. Und diesen Arzt sollte ich spielen. Das hat mich allerdings total umgehauen. Denn ich war gerade Vater geworden, und da hat mich das Thema natürlich ganz besonders berührt. Ich habe ihr sofort zugesagt. Und ich bin sehr stolz darauf mitgespielt zu haben und auch darauf, dass ich mit „My Zoe“ als Produzent meinen Einstand gegeben habe.

Anfang nächsten Jahres werden Sie sogar die Hauptrolle in einem Film übernehmen, ihn produzieren und gleichzeitig Ihr Regiedebüt geben.

Brühl: Da geht mir, ehrlich gesagt, schon ein bisschen die Flatter, aber natürlich freue ich mich auch sehr darauf. Der Film ist eine schwarze Komödie und heißt „Nebenan“. Warner Bros. wird ihn ins Kino bringen. Er spielt vor dem Hintergrund der Gentrifizierung und der sozialen Ungleichheiten in Berlin. Es wird ein sehr persönlicher Film werden.

Endlich einmal über einen Film die absolute Kontrolle zu haben – war das der wesentliche Punkt, warum Sie Regie führen wollten?

Brühl: Ich fand es oft schon sehr schade, dass ich mich nach dem letzten Drehtag von einem Film verabschieden musste und ihn dann erst bei der Premiere zum ersten Mal sah. Es war also – nach 25 Jahren Schauspielerei – schon mein Ziel, mehr Kontrolle, mehr Einfluss auf meine Arbeit zu haben.

Dass in „My Zoe“ ein verstorbenes Kind geklont wird, hat viele geschockt. Wie stehen Sie zum Klonen?

Brühl: Das ist ein sehr komplexes Thema. Es wird heutzutage ja schon geklont – allerdings noch keine Menschen. Aber es gibt Herztransplantationen, Organe werden verpflanzt , es gibt Leihmütter und natürlich – wie im Film – die In-vitro-Fertilisation, also die künstliche Befruchtung . All das war früher ein Tabu, heute aber nicht mehr. Und wer weiß, wohin sich die Menschheit weiterentwickeln wird? Natürlich ist das Klonen jetzt der Quanten-Sprung. Und natürlich gibt es da ethische, moralische oder religiöse Bedenken, die die meisten Menschen noch daran hindert, diesen Extra-Schritt zu gehen. Aber wie wird es in 50, 100 Jahren sein?

Kann man die Seele eines Menschen – vorausgesetzt er hat eine – klonen?

Brühl: Ich denke nein! Aber ich konnte es bei „My Zoe“ total nachvollziehen, dass diese Frau kein weiteres Kind haben wollte, sondern exakt dieses eine Kind wieder kreieren wollte, das unter so tragischen Umständen gestorben war. Natürlich ist der Tod des eigenen Kindes der absolute Horror. Aber was mich betrifft, ich würde es sicher nicht klonen lassen.

Wie sieht denn Ihr moralischer Kompass aus, nach dem Sie Ihr Leben ausrichten?

Brühl: Ich würde gerne die Erziehung meines Sohnes so gestalten, wie ich sie von meinen Eltern mitbekommen habe. Meine Eltern haben mit mir wenig oder gar nichts falsch gemacht. Das bedeutet, dass man bei seinem Kind das Bewusstsein schärft, die Interessen weckt und es ermuntert, offen zu sein für jeden Bereich des Lebens. Auch für die verschiedensten Philosophien oder Religionen. Ich bin jetzt nicht der religiöseste Mensch, aber auch ich glaube an bestimmte Dinge.