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Klaas Heufer-Umlauf: „Habe viel gekifft und war traurig“

Klaas Heufer-Umlauf spricht über seine neue Comedyserie „Check Check“ und erinnert sich an die Zeit vor dem Fernsehen und dem Ruhm.

Popkultur, Politik, Musik, Sport, Gesellschaft und Medien - Woche für Woche sendet ProSieben die neue Late-Night-Show mit Klaas Heufer-Umlauf für Deutschland direkt aus Berlin.

Popkultur, Politik, Musik, Sport, Gesellschaft und Medien - Woche für Woche sendet ProSieben die neue Late-Night-Show mit Klaas Heufer-Umlauf für Deutschland direkt aus Berlin.

Foto: Andreas Franke / HO

Berlin.  Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt sind ein bekanntes Fernsehduo. Gemeinsam haben sie neue Unterhaltungsformen im deutschen Fernsehen kultiviert und etabliert. Jetzt präsentiert Heufer-Umlauf ein neues eigenes Projekt.

In der tragikomischen Comedyserie „Check Check“ (ab 21. Oktober beim Streamingdienst Joyn , später auch bei ProSieben) spielt der 36-Jährige den gescheiterten Berliner Start-up-Unternehmer Jan Rothe, der zur Pflege seines demenzkranken Vaters in seine Heimatstadt zurückkehrt und am örtlichen Provinz-Flughafen einen Job beim Sicherheitsdienst übernimmt.

Herr Heufer-Umlauf, Sie spielen die Hauptrolle in einer neuen Comedyserie, aber Ihr Buddy Joko ist nicht mit dabei. Warum?

Klaas Heufer-Umlauf: Da habe ich kein Verbot ausgesprochen, aber irgendwie sind wir bislang noch nicht auf die Idee gekommen. Wenn er gerne irgendwo dabei sein möchte, bin ich natürlich sofort bereit, mir da gemeinsam mit ihm etwas auszudenken. Vielleicht drehen wir mal so eine Art „Zwei Nasen tanken Super“ der Gegenwart. Modern, aber trotzdem wie im Original mit einem Trike.

„Check Check“ spielt auf einem Flughafen. Sind Sie ein Vielflieger, auch in Zeiten von Flugscham und Fridays for Future?

Heufer-Umlauf: Wenn es geht, fahre ich lieber mit der Bahn, aus Umweltgründen, aber auch wegen des größeren Komforts. Zum Glück muss ich gar nicht allzu oft fliegen, weil sich 90 Prozent meiner Arbeit in Berlin abspielt. Aber ganz vermeiden lässt es sich in meinem Beruf leider nicht, deshalb bin ich durchaus öfter mal an Flughäfen unterwegs.

Und dabei kam Ihnen die Idee zu der Serie über die Mitarbeiter der Flughafen-Security?

Heufer-Umlauf: Genau, ich fand diesen Mikrokosmos schon immer interessant. Niemand wünscht sich doch von Kindesbeinen an, beim Security-Check zu arbeiten, da fragt man sich ja: welche Biografien bringen diese Leute mit? Und wir brechen das Ganze in der Serie auf einen Provinzflughafen runter, von denen es in Deutschland überraschend viele gibt.

Gedreht wurde am Flughafen Kassel-Calden bei laufendem Betrieb. Ging das reibungslos?

Heufer-Umlauf: Es hat funktioniert, aber nicht reibungslos. Wir mussten unsere Arbeit um den Flugbetrieb herum organisieren, die Mitarbeiter mussten wiederum auf uns Rücksicht nehmen, das war gar nicht so einfach. Aber zum Glück sind uns die Leute vom Flughafen wirklich sehr entgegengekommen.

Ihre Lebensgefährtin Doris Golpashin spielt in der Serie die Flughafenchefin. War es Ihre erste Zusammenarbeit?

Heufer-Umlauf: Ja, ich fand das super. Es ist ein Vorteil, dass man sich gut kennt, man geht achtsamer miteinander um, als man das mit Fremden könnte. Es war viel einfacher als sonst, sich gemeinsame Szenen zu erarbeiten, weil wir ja wissen, was dem anderen wichtig ist.

So mancher könnte ja denken dass man sich bei so viel Nähe auf den Wecker geht…

Heufer-Umlauf: Mir geht es eher auf den Wecker, wenn wir uns längere Zeit nicht sehen, wegen der Arbeit oder aus anderen Gründen. Außerdem tut es mir gut, wenn ich in einer Szene jemanden neben mir habe, der das richtig gut kann, denn das strahlt auf mich ab. Da sehe ich nicht so hampelig aus.

Es war Ihre erste große Serienhauptrolle, war das schwierig?

Heufer-Umlauf: Es hat mir total Spaß gemacht, aber ich bin auch an meine schauspielerischen Grenzen gestoßen und weiß jetzt, was ich alles nicht kann. Ich darf nicht zu hoch ins schauspielerische Regal greifen, sonst vertue ich mich. Aber wenn es Figuren sind, die mir nahe sind, dann kann ich das.

Jemand wie Serienheld Jan, ein Berliner Möchtegern-Unternehmer, der in seine Provinzheimat zurückkehrt?

Heufer-Umlauf: Er befindet sich auf jeden Fall in lebensnahen Situationen. Er plant den großen Aufbruch, nimmt den Mund ganz schön voll und will jetzt zu Hause nicht als der Loser dastehen. Seine Projekte laufen nicht so richtig, aber er redet es schön – das könnte mir nicht passieren, weil mich so was wahnsinnig nervt bei anderen Leuten. Ich versuche niemanden mit Halbfertigem zu belästigen.

Joko und Klaas: Der Paartest – wie gut kennen sie sich wirklich?
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Sie haben ja ursprünglich Friseur gelernt. Würden Sie den Beruf jetzt ausüben, wenn es mit Ihrer Fernsehkarriere nicht geklappt hätte?

Heufer-Umlauf: Nein, ganz bestimmt nicht. Der Friseurberuf ist toll und hat mir auch Spaß gemacht, auch wenn ich ihn nicht so richtig gut konnte. Andere waren immer fingerfertiger. Aber dass ich nicht Friseur sein wollte, wusste ich von Tag eins meiner Ausbildung an, und meine Eltern wussten es auch – aber es war klar, dass sie mit mir ein ernstes Wort reden, wenn ich keine Ausbildung mache. Ich hatte auch meine tragischen Abende, wo ich alleine im Friseursalon stand und an einem Plastikkopf versucht habe, Dauerwellenwickler reinzudrehen. Ich habe dazu ganz viel gekifft, habe laut Musik gehört und war sehr traurig.

Haben Sie nach der Lehre in Ihrem erlernten Job gearbeitet?

Heufer-Umlauf: Nein, ich habe die Ausbildung abgeschlossen, aber dann habe ich Kamm und Schere fallenlassen. Danach war ich ein halbes Jahr lang als Maskenbildner bei einem Musical in Weimar, das konnte ich aber nicht gut genug, deshalb war ich da irgendwann so eine Art Hausmeister. Die Darsteller haben sich selber geschminkt, und ich habe die Glühbirnen ausgetauscht und so. Danach kam der Zivildienst, und dann ging es mit Fernsehen los.

Hinter den Drehbüchern von „Check Check“ steht als Headwriter Stromberg-Erfinder Ralf Husmann. Steckt im gescheiterten Gernegroß Jan ein Stück Stromberg?

Heufer-Umlauf: Nein, um Gottes Willen. Stromberg verkörpert einen ganz anderen Typ Mann. Das ist auch eine Generationenfrage – in meiner Generation gibt es solche Machotypen wie Stromberg gar nicht mehr. Arschlöcher gibt es weiterhin, aber die sind irgendwie anders.

In der Serie geht es auch darum, wie wichtig Familie und Freunde im Leben sind. Ist das die Message, die Sie vermitteln wollen?

Heufer-Umlauf: Ich hoffe zwar, dass die Serie in der Wahrnehmung der Zuschauer nicht nur aus dumpf aufgereihten Witzen besteht, und habe nichts dagegen, wenn jemand eine Erkenntnis daraus zieht. Aber eine Message – das wäre hochgestapelt. Dass einer von Joko und Klaas jetzt anfängt, Messages zu verbreiten, damit wäre ich vorsichtig.