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„Lanz“: David Precht wettert gegen „Verasozialisierung“

Richard David Precht ist Bestseller-Autor. Bei „Lanz“ wettert er gegen das Elektro-Auto und gegen Blödsinn im Schulunterricht.

Markus Lanz mit Richard David Precht.

Markus Lanz mit Richard David Precht.

Foto: Screenshot ZDF

Berlin. Eigentlich ist Richard David Precht Philosophie-Professor. Inzwischen ist er aber vor allem durch seine Auftritte in Fernsehsendungen bekannt. Häufig gehen Videos davon durch die sozialen Netzwerke. Es ist wahrscheinlich, dass Prechts Auftritt bei Markus Lanz am Mittwochabend ein viraler Hit wird.

Bei Lanz legte der Bestseller-Autor einen Auftritt hin, der zu Diskussionen anregt. Precht, der für seine polarisierenden, gesellschaftskritischen Aussagen bekannt ist, zerlegte nicht nur die aktuelle Situation in der Gesellschaft. Er polterte auch gegen E-Autos und die Politik.

Seine Aussagen sorgten für Diskussionen in den sozialen Netzwerken. Denn Prechts Auftritt war ein Angriff auf die Bundesregierung und die Digitalisierung, die ihm zufolge dazu führt, dass Innenstädte immer mehr aussterben. Er malt ein düsteres Szenario, was das für die Demokratie bedeutet – und spricht eine Warnung aus. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Eliten das untere Drittel aufgegeben haben – und die Zahl der Menschen, die Gefahr laufen, da weiter herunterzurutschen, ist enorm.“

Und weiter: „Was hält eine Stadt noch im Innersten zusammen, wenn es keinen Grund mehr gibt, in die Stadt zu gehen?“ Precht spricht bei Markus Lanz auch von einem „katastrophalen Fehler“, der von Seiten der Politik gemacht werde, um die Elektromobilität durchzuboxen. „Dabei ist die Umweltbilanz doch miserabel“, sagt er. Selbst in Studien, die es gut meinen mit dem E-Auto, falle die Bilanz nur „ein klein wenig besser aus“.

Markus Lanz: Richard David Precht wird für Auftritt gelobt – Darum geht es:

  • Bei Markus Lanz hat Richard David Precht einen viel beachteten Auftritt hingelegt
  • Er schoss unter anderem gegen E-Autos: Seine Aussagen sorgten in den sozialen Netzwerken für Diskussionen
  • Auch Wirtschaftsexperte Daniel Stelter sprang Precht zur Seite

Ihn, der die Welt ja besser machen will, quälen solche „fruchtbaren Lösungen“ geradezu. „Die Batterien kommen aus China.“ Werden dort aus „seltenen Erden und mit hauptsächlicher fossiler Energie – nämlich Kohle – hergestellt“. Was habe das mit Umweltbewusstsein zu tun? Precht weiter: „Wir machen uns von China abhängig. Und fördern Kinder- und Sklavenarbeit.“

Markus Lanz – Das waren seine Gäste:

  • Richard David Precht, Philosoph: Spricht über Globalisierung und die Veränderungen der Welt
  • Daniel Stelter, Ökonom: Will Deutsche mehr zu künstlicher Intelligenz ermutigen
  • Gesa Neitzel, Autorin: Ließ sich in Afrika zur Rangerin ausbilden

Lanz: Precht will das bedingungslose Grundeinkommen

Schulterklopfen vom Wirtschaftsexperten Daniel Stelter: „Die Politik jagt uns in die Elektromobilität hinein.“ Dabei werde es Deutschland aber nicht mehr gelingen, auf dem Gebiet eine führende Rolle einzunehmen. „Das wird China sein.“ In der herkömmlichen Automobilherstellung aber habe Deutschland keiner etwas vormachen können - diese Zeiten sind vorbei.

Genau darum ging es an dem Abend: um Zeiten, die vorbei sind. Zeiten, in denen Menschen immer älter werden und Sozialsysteme kollabieren. Und keiner weiß, wovon die Leute leben sollen. „Mittelfristig werden wir an einem bedingungslosen Grundeinkommen nicht vorbeikommen“, sagt Precht.

Weil diejenigen, die noch Arbeit haben, diejenigen, die keine haben, nicht mehr finanzieren können. Das liege auf der Hand. Doch habe er kaum einen Politiker getroffen, die sich mit dieser Frage wirklich auseinandersetzt.

Lanz: Wird der Mensch irgendwann überflüssig?

Dass es weniger Jobs geben wird, liege vor allem an der Digitalisierung. Ob in der Medizin, im Bankenwesen oder selbst in der Justiz – immer mehr bestimmen Computer oder Algorithmen die Logik des Denkens. Was dazu führe, dass Menschen irgendwann überflüssig sind.

Dann hätten sie nur noch zwei Fragen zu klären – ob sie genug Geld in der Tasche haben und genug Ideen, um durch den Tag zu kommen. Es werde höchste Zeit, dass sich mal einer Gedanken macht, was aus der Lohn- und Leistungsgesellschaft werden soll. Precht malt den Teufel an die Wand: Verasozialisierung!

So kann es nicht weitergehen. Es müsse doch endlich gesehen werden, dass durch die Digitalisierung Jobs, die mit dem Kopf durchgeführt werden, stärker bedroht sind als die, die mit den Händen gemacht werden.

Schon putzig, wie der Kopfmensch Precht – ein Philosoph! Mehr Kopf geht doch gar nicht – das Handwerk lobt. Plötzlich hört er sich an wie der IHK-Präsident persönlich: Das Handwerk, in das der Meisterbrief zurückkehren soll, sei immer noch das Beständige. Und deshalb müsse man früh daran denken und das gesamte Unterrichtssystem an Schulen umbauen.

Schulsystem? Will Precht erstmal umbauen

Nicht nur der „Blödsinn“, dass fünf verschiedene Fächer an einem Tag durchgenommen würden, müsse überdacht werden. „Das möchte doch auch kein Erwachsener. Man muss hin zu mehr Projektarbeit.“ Das musste mal gesagt werden.

Klima-Demo: Deshalb streiken mehr als eine Million Deutsche
Klima-Demo- Deshalb streiken mehr als eine Million Deutsche

Nein, auch sollten die starren Grenzen zwischen Kopf und Hand endlich aufgehoben werden: „Die Welt der Schule muss sich der Welt des Handwerks öffnen.“ Es müssten Handwerksmeister in die Schulen kommen, die mal sagen, was Sache ist so im Alltag. „Die Kinder kennen doch diese Berufe gar nicht.“ Auch interessant: So rechnet ZDF-Moderator Harald Lesch mit dem Schulsystem ab.

Eigentlich wollte Precht ja über das Veröden von Städten gesprochen haben. Ihm persönlich liegt das verödete Solingen am Herzen, weil er dort aufgewachsen ist. Früher war es doch mal so schön da. Doch als er neulich dort spazieren ging, hat es ihm geradezu in einen Schock versetzt: „Jeder dritte Laden war leer.“ Die ganze Stadt sei im Grunde leer gewesen. Und Solingen sei ja keine Ausnahme. Solingen sei ja überall.

Amazon zerstört Städte – Staat muss helfen

Der Grund für dieses Aussterben sieht Precht vor allem im Onlinehandel. Amazon und Co. würden den Städten den endgültigen Todesstoß geben. Aber was kann man tun? Dass der Ökonom Stelter jetzt die ganz normale Leier von mehr Start-ups in den Städten loslässt, macht Precht wuschig. Das habe er schon zigfach gehört.

„Man müsse die Städte attraktiver machen, das sagen sie alle. Von der Start-up-Kultur hör ich an allen Enden.“ Das sei doch nur eine „Schönheits-Operation am kranken Patienten“. Aber das greife nicht an die Wurzel des Übels.

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Richard David Precht – Fakten zum Autor:

  • Richard David Precht kommt aus Solingen und wurde 1964 geboren
  • Sein größter Bucherfolg war: „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“
  • Er ist zudem Moderator der Sendung „Precht“ im ZDF

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Um etwas zu bewirken, müsse der Staat einen fairen Wettbewerb ermöglichen. Und das bedeute laut Precht: „Die Mehrwertsteuer auf Online-Produkte muss drastisch erhöht werden. Am besten um 25 Prozent.“ Die allgemeine Mehrwertsteuer soll dafür im Gegenzug gesenkt werden.

Mehrwertsteuer erhöhen? Um Himmels Willen! Würde doch gar nichts bringen, hält ihm der Ökonom entgegen. Die großen Onlinehändler würden sie nicht an die Kunden weitergeben, würden den Preis also eben nicht erhöhen. Nur die kleinen. Und damit würden die dann gemeinsam mit dem Einzelhandel in den Städten untergehen.

Freude am Verbot – SUV, Inlandsflüge, alles weg

Precht wirkt nicht so, als sei er einer, der sich gerne etwas vorschreiben lässt. Aber plötzlich hat er sich in Verbote verliebt. Nur finde sich eben kein Politiker, der richtig Lust auf Verbieten hat. Was waren das noch schöne Zeiten, als man Rauchverbote verhängen konnte. Stelter stimmt da zu, er sagt: „Die Politik drückt sich vor ihren Aufgaben und macht ganz viel Show. In Berlin sitzen nur Schauspieler meines Erachtens.“

Aber jetzt? Er spricht von SUV in den Städten und vom innerdeutschen Fliegen. Beides müsse weg. Doch was das Fliegen angeht, da nimmt ihm der Ökonom den Wind aus den Segeln: Das seien „0,3 Prozent des in Deutschland entstehenden CO2-Ausstoßes, das macht gar nichts aus“, sagt Wirtschaftsexperte Stelter.

Diese Lebensmittel sind am schädlichsten fürs Klima
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Ein Thema liegt Precht noch besonders am Herzen. Das ist die Bildung. Inzwischen gebe es ja, bringt Lanz ein, nicht nur die Aufteilung in arm-reich, Stadt-Land, sondern auch gebildet und ungebildet. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der das untere Drittel verloren geht“, so Precht. Auch interessant: Keine SUV-Scham - Reichen ist umweltfreundliches Reisen egal.

Wie man es schaffen kann, dass nicht nur Eliten mit gutem Gehalt die hohen Mieten und die teuren Lebenshaltungskosten zahlen können – das weiß Precht nun leider auch nicht. „Ich bin ja Philosoph und kein Prophet.“

Precht-Auftritt bei Lanz sorgt für Diskussionen

Precht wurd für seine Aussagen größtenteils in den sozialen Netzwerken gelobt. Es gibt aber auch kritische Stimmen. Eine Auswahl der Kommentare:

  • „Warum kommt Markus Lanz immer so spät?Heute wieder mal sehr interessante Gäste“
  • „Starke Markus-Lanz-Sendung gestern. Endlich wird das angesprochen, was mir schon lange aufgefallen ist. „Die wahre Spaltung ist zwischen gebildet und ungebildet.” Diese Spaltung wird immer massiver. Das Internet ist dabei Fluch und Segen zugleich. Bildung ist so immens wichtig!“
  • „Was David Brecht und Herr Stelter diskutierten macht einem Angst und Bange“

Einen bewegenden Auftritt bei Lanz hatte Natasha Kampusch – allerdings werde sie auch angegriffen. Bei seinem Besuch wollte Karl Lauterbauch nicht über Olaf Schulz sprechen. Kürzlich wurde es auch grundsätzlich: Woran deutsche Diskussionen über Trump kranken.

Markus Lanz in der Mediathek anschauen

Sie haben die aktuelle Folge von Markus Lanz verpasst? Hier können Sie sich den Talk in der ZDF-Mediathek anschauen.

Mehr zum Moderator: Markus Lanz: Die wichtigsten Fakten zu seinem Leben