Vox-Show

So lässt „Die Höhle der Löwen“ Fußballer in der Kälte sitzen

Werden Fußballer eingewechselt, bleibt häufig keine Zeit zum Aufwärmen. Ein Erfinder löst das Problem – doch bei DHDL scheitert er.

Die „Löwen“ Georg Kofler, Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer (v.l.) unterziehen den „Soccer Performancesack“ einem Praxistest.

Die „Löwen“ Georg Kofler, Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer (v.l.) unterziehen den „Soccer Performancesack“ einem Praxistest.

Foto: TV NOW / Bernd-Michael Maur

Berlin. Bülent Yaman hat früher selbst Fußball gespielt. Allerdings nicht besonders gut, weshalb der heute 42-Jährige aus Mannheim die Spiele seiner Hobbymannschaft häufig von der Ersatzbank aus verfolgte. Immerhin hat ihm die glanzlose Ballsportkarriere zu einer Idee verholfen, von der Yaman glaubt, dass die Fußballwelt auf sie gewartet hat.

Als er sie in der neuen Folge des Vox-Unternehmercastings „Die Höhle der Löwen“ („DHDL“) vorstellt, wird den Zuschauern allerdings schnell klar: Nein, hat sie nicht.

Aber sympathisch ist dieser Bülent Yaman, und Leidenschaft hat er. „Welcher Fußballer kennt das Problem nicht?“, fragt er in die Jurorenrunde. „In den Herbst- und Wintermonaten, wenn die Fußballsaison so richtig losgeht, geht auch wieder die Fröstelzeit los. Ersatzspieler, Trainer und Betreuer sind extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt. Natürlich können sich die Spieler mit dicken Jacken, Mützen und Schals schützen, aber das kostbarste Gut eines Fußballers – die Beine – sind der Kälte schutzlos ausgeliefert.“

Also hat er sich gegen die schneidenden Minusgrade in Deutschlands Kampfbahnen den „Soccer Performancesack“ ausgedacht. Das Beinkleid ist außen wasser- und winddicht, innen besteht es aus kuscheligem Fleece und weicher Thermowatte. Natürlich könnten all die frierenden Götzes, Müllers und Boatengs ihre beschuhten Arbeitswerkzeuge alternativ einfach in einen Schlafsack oder eine Decke hüllen, aber das käme eben nicht so modern daher. „Ich habe das Rad nicht neu erfunden“, gibt Yaman zu. Reich werden will er trotzdem.

Wer bei „Die Höhle der Löwen“ etwas reißen will, braucht Leidenschaft

Eine solide Finanzkalkulation hin, technisches Know-how her – in der „Höhle der Löwen“ ist nichts so wichtig wie Begeisterung für das eigene Produkt. Wie bei Robert (53) und Stephanie Ackermann (45) aus Gießen, die aus einem Foodtruck Marshmallow-Eis verkaufen und von einer Franchise-Kette träumen. „Wir brauchen eigene Stores, wo die Leute in den Laden kommen und das Eis frisch zubereitet bekommen“, glaubt Frau Ackermann. Quasi wie Frozen-Yogurt-Cafés, nur mit Schaumzuckerwaren.

Alpha-Juror Carsten Maschmeyer (60) ist überzeugt,

jedenfalls geschmacklich. Er lobt den Süßkram als leckersten Probiersnack in der „Höhle der Löwen“-Geschichte und spielt auf eine phonetische Ähnlichkeit an: „Marshmallow und Maschmeyer, da war ich gleich elektrisiert.“ Ein Scherzchen, das er in zehn Minuten insgesamt dreimal bringt. Ins Geschäft wollen freilich weder er noch seine Kollegen einsteigen.

Leidenschaft legen auch Tom Becker (40) und Jan Heitmann (33) an den Tag. Die beiden Schwäger aus Stade erzählen, wie gerne sie ihren Frauen beim Kochen zuschauen und dabei ihre Idee entwickelt haben: Eine Pfanne mit integriertem Aufsatz, der dafür sorgt, dass beim Bratkartoffel-Schwenken nichts über den Pfannenrand schwappt.

Wie sich herausstellt, ist Unternehmer Ralf Dümmel (52) in Pfannen-Angelegenheiten genau der Richtige, der Mann kennt sich aus. „Der Pfannenmarkt ist riesig. Es werden circa 15 Millionen Pfannen im Jahr verkauft in Deutschland“, rapportiert der hingerissene Holsteiner mit glänzenden Augen. „Ich habe wirklich Millionen Pfannen verkauft, von günstigen bis zu teuren Pfannen, Dreier-Sets, einzelne, 20er, 24er, 28er, induktionsgeeignet, in welcher Form auch immer.“

Spricht’s und bietet 25.000 Euro für 20 Prozent Firmenanteile. „Besser hätte es für uns nicht laufen können“, jubelt Tom Becker.

Maschmeyer hat einen Tipp

Wer seine Ideen an die kapitalistischen Vox-Löwen verkaufen möchte, muss ein echtes Kunststück vollbringen: Einerseits sollen die Gründer selbstbewusst mit ihren Pfründen wuchern, dabei aber bescheiden und angenehm auftreten. Anders als die Münchener Studenten Jakob Schneider (25), Johannes Weckerle (27) und Matthias Albrecht (30), die eine besonders bequeme Snowboardbindung konstruiert haben. Investor und Wintersport-Enthusiast Frank Thelen (44) will einsteigen, doch die drei Erfinder pokern zu hoch und gehen schließlich ohne Kapitalanlage nach Hause.

Sack-Bearbeiter Bülent Yaman bekommt das hingegen gut hin. An den Zweitligisten Darmstadt 98, den Drittligisten FC Ingolstadt und Frauen-Serienmeister VfL Wolfsburg habe er seine Performancesäcke bereits verkauft, erzählt er. Sein Ziel: „Der Bag soll zum Standardequipment im Fußball gehören.“ Bei einem Produktpreis von 116,50 Euro pro Stück erwartet Yaman eine hübsche Gewinnspanne.

Sein Problem ist nur, dass das Fußballgeschäft auch ohne diese Erfindung ganz ordentlich funktioniert. Lediglich 150 Wärmesäcke hat Yaman bislang verkauft – in zwei Jahren. „Das zeigt, dass das sehr zäh wird“, kommentiert Maschmeyer unbeeindruckt. Ein Deal kommt nicht zustande.

Immerhin hat Maschmeyer noch eine Idee. Ob Yaman mal daran gedacht habe, das Geschäftsmodell zu ändern und nicht mehr die Säcke zu verkaufen, sondern Werbefläche? Wenn jeder Ersatzspieler in der Bundesliga in so einem Kuschelsack sitzt, könnten Sponsoren doch ihre Logos drauf drucken lassen. Bülent Yaman ist kritikfähig, auf jeden Fall höflich. „Danke für den Tipp“, sagt er ergeben. Der Gründer der Herzen hat das Spiel verloren, aber einen Achtungserfolg errungen. Ist ja auch was.