Gesundheit

Volkskrankheit Krebs – alle wichtigen Fragen und Antworten

Jeder 20. Deutsche hat die Diagnose bekommen. Krebs ist Volkskrankheit. Was man tun kann, wer gefährdet ist, was Krebs überhaupt ist.

Krebs ist eine Volkskrankheit: Eine Medizinstudentin sieht sich in einer Klinik bei einer Übung eine Computertomographie an.

Krebs ist eine Volkskrankheit: Eine Medizinstudentin sieht sich in einer Klinik bei einer Übung eine Computertomographie an.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Essen. Es gibt viele Krankheiten, die inzwischen problemlos besiegt werden können. Eine ist es häufig nicht. Krebs bleibt eine der großen Herausforderungen dieser Zeit.

Und es ist kein Randgruppenphänomen: In Deutschland leben rund vier Millionen Menschen, die schon einmal in ihrem Leben diese Diagnose erhalten haben. Das bedeutet: Jeder 20. hatte schon einmal mit Krebs zu kämpfen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Krankheit.

Was ist Krebs?

Das Bundesministerium für Gesundheit erklärt, dass es sich bei Krebs medizinisch „um eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungsformen“ handele. Er zeichne sich durch eine bösartige Entwicklung von Körperzellen aus – normal wachsen diese kontrolliert, bei einer Krebserkrankung tun sie dies nicht mehr. Sie „wachsen meist zerstörend in das umgebende Gewebe hinein“.

Wie bekommt man Krebs?

Die Deutsche Krebshilfe benennt eine Reihe von Faktoren, die verantwortlich sein können, aber nicht müssen – wer worauf wie reagiert, ist individuell zu betrachten. Trotzdem lässt sich zusammenfassend sagen, dass diese Dinge das Risiko erhöhen:

  • UV-Strahlen
  • Tabakrauch
  • Chemikalien
  • chronische Infektionen
  • ein erhöhter Alkoholgenuss
  • eine ungesunde Lebensweise mit wenig Obst, Gemüse und Bewegung

In fünf bis zehn Prozent der Fälle seien die Veränderungen erblich bedingt, erklärt die Krebshilfe.

Wie viele Menschen in Deutschland erkranken jährlich neu an Krebs?

476.120 Menschen sind 2014 in Deutschland neu an Krebs erkrankt. Das zeigen die aktuellsten Zahlen der deutschen Krebsregister, berichtet das DKFZ in Heidelberg. Für das Jahr 2018 – diese Zahlen liegen noch nicht vor – haben Fachleute einen Anstieg auf etwa 493.600 Neuerkrankungen vorhergesagt.

Was sind die häufigsten Krebsarten?

Die häufigste Krebsart bei Frauen ist Brust-, bei Männern Prostatakrebs. Verglichen mit den Zahlen im Jahr 1970 hat sich die Zahl der Betroffenen damit fast verdoppelt. Bei genauem Blick aber werde deutlich, dass dies auch an der gestiegenen Lebenserwartung liege, so das DKFZ.

Mit steigendem Alter steigen die Krankheitszahlen. Berücksichtigt man dies bei der Berechnung, sei die Rate der Neuerkrankungen bei Männern in den letzten zehn Jahren gesunken, bei Frauen dagegen leicht gestiegen. Das liege vor allem daran, dass die Zahl der Raucherinnen zugenommen habe.

Welcher Krebs ist tödlich?

Für die meisten Krebs-Todesfälle bei Männern ist Lungenkrebs verantwortlich, bei Frauen ist diese Krebsart derzeit seltener als bei Männern, sie steht aber als Todesursache schon auf Platz zwei nach Brustkrebs.

Generell lässt sich nicht verallgemeinernd sagen, welche Krebsarten tödlich sind – das hängt oft mit rechtzeitiger Erkennung zusammen sowie den Therapiemöglichkeiten.

Wie viele Arten von Krebs gibt es?

Bekannt sind derzeit rund 300 Krebsarten, berichtet die Krebsgesellschaft Thüringen. Diese haben extrem unterschiedliche Auswirkungen, können unbemerkt verlaufen, oder auch in kürzester Zeit tödlich sein.

Wie hoch ist die Sterberate?

Krebs ist in Deutschland nach Herz- und Kreislaufleiden die zweithäufigste Todesursache.

  • 2014 starben 222.972 Menschen an dieser Erkrankung
  • In 90 Prozent der Fälle war nicht der Primärtumor tödlich, sondern Metastasen, die sich im Körper verteilen und dort zu neuen Tumoren heranwachsen
  • Menschen, die an Krebs sterben, werden nach Angaben des Robert-Koch-Institus in Berlin im Mittel etwa 74 Jahre alt, vier Jahre älter als noch 1980
  • Die häufigsten Krebserkrankungen sind dabei nicht die tödlichsten

Warum erkranken und sterben trotz aufwendiger Forschung so viele Menschen an Krebs?

40 Prozent der Krebsfälle entstehen durch Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel oder werden begünstigt durch Umweltfaktoren wie Luftschadstoffe.

Aber Krebs sei auch eine Geißel der Menschheit, die in den Zellen angelegt sei, sagt Professor Carsten Bokemeyer, Direktor des Universitären Cancer Centers des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

„Damit wir heute 80 oder 90 Jahre lang leben können, müssen sich Zellen sehr oft teilen“, sagt der Onkologe. Passiere dabei ein Fehler, könne das Immunsystem das meistens ausbügeln. „Aber manchmal rutscht ein Fehler durch und etwas Bösartiges entwickelt sich.“

Bei der Behandlung von Krebs liege das Problem häufig in der Resistenz: „Krebszellen entwickeln mit jeder neuen Therapie Mechanismen, um sich gegen den Angriff auf sie zu wehren“, sagt Bokemeyer.

Mit welcher Krebsart haben Betroffene die besten Überlebenschancen?

Mehr als die Hälfte aller Krebspatienten kann laut DKFZ heute mit „dauerhafter Heilung rechnen“. Allerdings ist die Prognose nicht bei jeder Tumorart ähnlich günstig.

Zuletzt sind einmal mehr die sogenannten Fünf-Jahres-Überlebensraten ausgewertet worden. Datengrundlage sind Krebsregister in zehn Bundesländern, untersucht wurden die Raten von 18 Krebsarten.

Besonders tödlich sind laut der im Fachblatt „Lancet“ veröffentlichten Studie Bauchspeicheldrüsen- und Leberkrebs. Hier überlebten nur 13 beziehungsweise 10,7 Prozent der Patienten die ersten fünf Jahre nach Diagnosestellung.

Besonders hoch hingegen sind die Überlebenschancen in den ersten fünf Jahren bei Prostatakrebs, Brustkrebs, Hodenkrebs und dem schwarzen Hautkrebs. Hier überleben mittlerweile dank verbesserter Früherkennung und neuer Therapien fast neun von zehn Patienten die ersten fünf Jahre.

Diagnose Krebs: Wie gehe ich mit meinen Kindern und meiner Familie um?

Die Diagnose Krebs ist für Betroffene selbst schon eine riesige Herausforderung, ob beschäftigt sie dazu auch noch das soziale Gefüge, in dem sie leben. Das neue Modellprojekt „Familienscout“ soll eine Hilfe für Familien sein, in der ein Mitglied betroffen ist.

In welcher Therapie liegen die größten Hoffnungen der Forschung?

Seit einigen Jahren liegt die Hoffnung insbesondere in der individualisierten, also auf den einzelnen Patienten zugeschnittenen Behandlung und der Immuntherapie. Dabei wird das Immunsystem der Patienten in die Lage versetzt, Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen.

Das wirkt sehr gut bei einigen Krebsarten wie dem Schwarzen Hautkrebs – aber bei vielen Tumorarten eben auch nicht.

Trotz der wichtigen Bestrebungen, Krebs zu heilen, sei es sehr wichtig, eine zweite Richtung der Forschung nicht außer Acht zu lassen, sagt Keilholz von der Charité: „Das Beherrschen der Krankheit, sodass daraus eine chronische Erkrankung werden kann, mit der Patienten, begleitet durch eine entsprechende Therapie, sehr lange gut leben können.“

Das klappe heute zum Teil schon sehr gut. Die Mediziner sind sich einig, dass der Krebs in zehn bis 20 Jahren zwar nicht besiegt sein, dass es aber massive Fortschritte bei Heilungsraten, Therapien und der Verbesserung der Lebensqualität geben werde.

Haben Krebstherapien Spätfolgen?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Tatsächlich haben einige Therapien durchaus Folgewirkungen, teils sogar massive Spätfolgen. Teilweise sind die Betroffenen nicht mehr so belastbar wie vorher. Gerade für Kinder gibt es häufiger Konsequenzen – so bekommen bestrahlte Mädchen als Frauen häufiger Brustkrebs.

Bekommt man von Smartphones Krebs?

Das ist eine von sechs großen Fragen in Sachen Smartphone-Nutzung. Die Auswirkungen auf Hände und Rücken sowie der Suchtfaktor sind belegt. Beim Thema Krebsrisiko sind sich die Experten relativ einig. Relativ.